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Apotheken

Der Markt tritt auf der Stelle

23.10.2006  11:10 Uhr

Apotheken

Der Markt tritt auf der Stelle

Von Thomas Bellartz

 

Wenn Stillstand tatsächlich gleichbedeutend ist mit einem Rückschritt, dann hat der deutsche Apothekenmarkt definitiv den Rückwärtsgang eingelegt. Nur das kräftige Wachstum am Jahresbeginn lässt die Neun-Monats-Bilanz ausgeglichen erscheinen. Seit Einführung des AVWG sind die Apotheken im Minus.

 

In den ersten drei Quartalen verharrte der Umsatz auf dem deutschen Apothekenmarkt nahezu unverändert auf dem Level von 2005. Der Umsatz lag zu Herstellerabgabepreisen bei knapp 16,3 Milliarden Euro und damit nur 0,6 Prozent über dem Vergleichszeitraum des Vorjahres. Gleichzeitig ging die Menge der abgegebenen Packungen um mehr als 3 Prozent zurück. Damit ist das Wachstum des ersten Quartals neutralisiert.

 

Schwarze Zahlen in Sicht

 

Die Zahlen des Dienstleisters Insight Health bestätigen auch die Auffassung im Bundesministerium für Gesundheit, wonach mit einem mindestens ausgeglichenen Ergebnis bei der Gesetzlichen Krankenversicherung zu rechnen ist. Einige Experten gehen sogar von deutlich schwarzen Zahlen aus. Dafür wird auch die positive Entwicklung im Arzneimittelsektor verantwortlich gemacht. Für die Apotheken bedeutet dies aber im Umkehrschluss nichts Gutes. Denn für die verbleibenden Monate diesen Jahres erwarten die Experten, dass sich die negative Entwicklung der letzten beiden Quartale fortsetzt und womöglich sogar noch beschleunigt. Einzig die patentgeschützten Präparate konnten über alle drei Quartale des laufenden Jahres sowohl einen nennenswerten Umsatzzuwachs als auch eine Steigerung bei der abgegebenen Menge verzeichnen. So stieg der Umsatz in den ersten neun Monaten um gut 14 Prozent auf fast 5,4 Millairden Euro zu Herstellerabgabepreisen. Die Menge stieg im gleichen Zeitraum um etwa 8 Prozent. Bei insgesamt stagnierendem Markt konnten die patentgeschützten Präparate damit ihren Umsatzanteil auf ein Drittel (33,4 Prozent) des gesamten Apothekenmarktes steigern. Allerdings nahm auch bei diesen Präparaten die Dynamik im Jahresverlauf deutlich ab. Lag das Umsatzplus im ersten Quartal noch bei knapp 22 Prozent, so ging es über 12 Prozent in den Monaten Mai bis Juni auf 9,2 Prozent im dritten Quartal zurück.

 

Eine vergleichbare Entwicklung verzeichneten im Jahresverlauf auch die Generika, allerdings mit dem Unterschied, dass hier die Entwicklung insgesamt leicht ins Minus drehte. So ging der Umsatz mit Generika in den ersten neun Monaten diesen Jahres gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um etwa 0,3 Prozent auf knapp 560 Millionen Euro zurück. Die Zahl der abgegebenen Packungen sank im gleichen Zeitraum um knapp 1,7 Prozent.

 

AVWG wirkt

 

Den deutlichen Rückgang im zweiten und dritten Quartal führen die Experten in erster Linie auf die zahlreichen Markteingriffe des Arzneimittelversorgungs-Wirtschaftlichkeitsgesetzes (AVWG) zurück, das seine Wirkung vor allem ab Mai diesen Jahres entfaltet hat. Dies gilt insbesondere für die Neuregelungen bei den Festbeträgen, aber auch für die Erhöhung der Zwangsrabatte, das Verbot von Naturalrabatten, das vor allem das Marktgeschehen im Generikamarkt beeinflusst hat und die Möglichkeit, Versicherte bei der Verordnung besonders preisgünstiger Medikamente von der Zuzahlung zu befreien.

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