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InTherAkt

Ältere profitieren von Teamwork

18.10.2017
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Von Sven Siebenand, Mannheim / Ältere Patienten bedürfen einer intensiven interprofessionellen Betreuung. Auch Apotheker spielen in diesem Gefüge eine wichtige Rolle. Das zeigt das Projekt InTherAkt zur Verbesserung der Medikation in Altenhilfeeinrichtungen, dessen Ergebnisse beim Deutschen Schmerzkongress in Mannheim präsentiert wurden.

In dem seit Anfang 2016 laufenden Projekt wurde die Arzneimittelversorgung bei 88 Patienten gemeinsam durch Ärzte, Apotheker und Pflegende überprüft und optimiert. 15 Hausärzte und 12 Apotheken sowie das Pflegepersonal in zehn Altenpflegeeinrichtungen der Stadt Münster/Westfalen haben sich daran beteiligt. Über interprofessionelle Präsenzschulungen zur Wissenserweiterung und weitere Onlineschulungen wurden die Berufsgruppen zusammengebracht. Eine webbasierte Kommunikationsplattform ermöglichte später den Austausch der Berufsgruppen über die Patientenfälle.

 

Daten in Echtzeit

Primärer Endpunkt in dem Projekt war der sogenannte Medication Appropriateness Index (MAI), ein Summenwert, mit dem die Angemessenheit der Medikation definiert wird, so Professor Dr. Georg Hempel vom Institut für Pharmazeutische und Medizinische Chemie der Universität Münster. Dabei gilt: Je niedriger der Index, desto angemessener die Medikation. Wie der Professor für Klinische Pharmazie informierte, lag der MAI zu Beginn der Studie bei durchschnittlich 18 und bei der Abschlusserhebung im Durchschnitt bei 13,5. In Anbetracht einer statistischen Verbesserung um rund 25 Prozent im Mittel sprach Hempel von einem relevanten Ergebnis.

 

Der Apotheker betonte, dass die Erfolge insbesondere bei Patienten, die vorher sehr viele Medikamente einnehmen mussten, groß waren. »In Einzelfällen konnten wir eine Verbesserung um bis zu 60 Prozent beobachten.« Zudem habe man teilweise bis zu fünf Medikamente streichen können. Vor dem Hintergrund, dass rund 30 Prozent aller Krankenhauseinweisungen bei alten Menschen auf Arzneimittelunverträglichkeiten zurückzuführen seien, sei eine ständige kritische Überprüfung der Medikation bei alten Menschen grundsätzlich sehr wichtig. »Wir brauchen gerade bei diesen Patienten eine individualisierte Arzneimitteltherapie unter Beachtung der pharmakokinetischen und -dynamischen Besonderheiten im Alter.«

 

Auch die beteiligten Mediziner sind mit den Ergebnissen des Projekts zufrieden, so zum Beispiel Dr. Ralf Becker, Sprecher des Hausärzteverbundes Münster. Besonders positiv äußerte er sich über die gemeinsame Onlineplattform. »Jede eingetragene Änderung der Befindlichkeit eines Probanden wird sofort angezeigt. Statt jeder Menge Arztbriefe und Faxe oder mühseligem Telefonkontakt liefert die Plattform aktuelles Wissen in Echtzeit und erspart zudem eine erhebliche Menge an Dokumentationsaufwand für alle Parteien.«

 

Zum Patent angemeldet

 

Die Arbeit mit der Onlineplattform verlief so erfolgreich, dass diese inzwischen zum Patent angemeldet wurde. »Die Vorteile der Plattform liegen auf der Hand«, erläutert Projektleiter Professor Dr. Jürgen Osterbrink. »Alle beteiligten Berufsgruppen konnten jederzeit und passend zu ihrem Arbeitsalltag die Datenlage analysieren, ihre Bemerkungen machen oder Änderungsvorschläge einbringen«, so der Leiter des Instituts für Pflegewissenschaft und -praxis an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg. Man habe im Projektverlauf aber auch noch verbesserungswürdige Aspekte identifiziert, beispielsweise die Vereinheitlichung der Dokumentation in der Pflege, die Zusammenarbeit der Ärzte verschiedener Fachgruppen oder der regelmäßige Austausch zwischen Arzt und Apotheker. /

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