Pharmazeutische Zeitung online
Interview

»Wir halten unsere Versprechen«

18.10.2016
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Der Deutsche Apothekertag ist vorbei. Das Résumee von ABDA-Präsident Friedemann Schmidt fällt positiv aus. Das liegt auch an den Statements der Politiker.

PZ: Der Apothekertag hat für die Apotheker eine Reihe von positiven und negativen Entwicklungen gebracht. Was ist für Sie die wichtigste Botschaft?

 

Schmidt: Der Apothekertag fand in diesem Jahr in einer sehr interessanten Konstellation statt. Sie war geprägt von der Auseinandersetzung um das Arzneimittelversorgungsstärkungsgesetz. Der Apothekertag startete mit einer Punktlandung, weil unmittelbar davor am Mittwoch früh der Gesetzentwurf durch das Bundeskabinett ging. Das Grußwort von Gesundheitsminister Hermann Gröhe war für uns entsprechend erfreulich. Wir hatten unser Ziel erreicht. Das hat natürlich auf den Apothekertag eingewirkt. Die Veranstaltung ist wohl auch deshalb so harmonisch und konstruktiv verlaufen. Für mich war dies beeindruckend. Das ist uns nicht auf jedem Apothekertag gelungen.

 

PZ: In diesem Jahr waren neben dem Minister die Gesundheitspolitiker der im Bundestag vertretenen Parteien präsent. War das nur dem beginnenden Wahlkampf um die Bundestagswahl im Herbst 2017 geschuldet oder ist dies auch ein Indiz für ein besseres gegenseitiges Verständnis zwischen Apothekern und der Politik?

 

Schmidt: Natürlich war hier eine Menge Vorwahlkampf im Spiel. Es war aber auch deutlich zu spüren, dass die Vertreter aller Parteien den Apothekern den Rücken gestärkt haben. Das gilt für Union und SPD und die Oppositions­parteien gleichermaßen. In der Politik gibt es offenbar einen ordnungspolitischen Grundkonsens über die Rolle der Apotheker und die Weiterentwicklung unseres Berufes. Das ist nicht selbstverständlich. Ich freue mich sehr darüber, ich bin stolz auf uns, dass wir dies erreicht haben. Uns spielt natürlich auch die gute wirtschaftliche Lage in die Karten. Seit gestern wissen wir: Es gibt keine höheren Kassenbeiträge. Das macht es für die Politiker natürlich auch leichter, unser Honorar anzupassen.

 

Wir sollten uns aber nicht darauf ausruhen. Es werden auch wieder härtere Zeiten für uns kommen. Wenn sich irgendwann die wirtschaftliche Lage wieder verschlechtert, wird die Politik wieder kritischer auf uns blicken. Wichtig ist es jetzt, dass wir uns selbst treu bleiben. Wir haben einen guten Weg gefunden und sollten den eingeschlagenen Weg nicht ohne Not verlassen. Die Politik erwartet von uns Verlässlichkeit. Der Minister war uns gegenüber auch verlässlich. Wir haben vor eineinhalb Jahren die Zusage bekommen, dass er Vergütungsfragen anpackt. Das hat er getan. Wir rechnen ihm das hoch an, denn er musste dafür gegen einen erheblichen Widerstand ankämpfen. Er hat sein Versprechen gehalten. Wir halten auch unsere Versprechen. Das spricht für gegenseitiges Vertrauen.

 

PZ: Woran liegt es, dass die Politik die Apotheker heute anders sieht als vor einigen Jahren?

 

Schmidt: Ich möchte hier Kordula Schulz-Asche zitieren. Sie hat nach der politischen Diskussion auf dem Apothekertag zu mir gesagt, die Apotheker hätten sich mit dem Perspektivpapier berechenbarer gemacht. Es ist uns gelungen, einen innerberuflichen Konsens herzustellen, der unsere politische Marschrichtung vorgibt. Die Politik hat verstanden, wohin wir wollen. Wir ernten damit die Früchte des anstrengenden Weges, den wir in den vergangenen Jahren gegangen sind.

 

PZ: Die Antragsberatung ist ein wichtiger Teil des Apothekertages. In diesem Jahr ist deren Zahl erheblich zurückgegangen. Welche Erklärung haben Sie dafür?

 

Schmidt: Es gibt mehrere Faktoren, die eine Rolle spielen. Ein wichtiger Punkt ist die steigende Zahl umfassender Anträge. Etwa den zur Nichtlieferfähigkeit. Früher wären Aspekte dieses Themas in mehreren Anträgen behandelt worden. Jetzt wurden sie in einem Antrag zusammengefasst.

 

Die Zahl der Anträge ist mir aber gar nicht so wichtig. Entscheidend ist, dass alle für uns relevanten Themen mit Anträgen abgedeckt sind.

 

PZ: Welcher Antrag war für Sie der wichtigste?

 

Schmidt: Im Grunde ist jeder Antrag für die Positionsbestimmung des Berufs­standes wichtig. Aber es gibt natür­lich immer Anträge, die heraus­ragen.

 

Was die Wirkung Richtung Politik und Öffentlichkeit angeht, gilt das für den Leitantrag zur Planungssicherheit und die Resolution zum Verfahren beim Europäischen Gerichtshof.

 

Aus der verbandsinternen Perspektive gilt das zum Beispiel für den Antrag der LAK Thüringen, der sich mit der Transparenz bei der Umsetzung von DAT-Beschlüssen befasst. Er war zwar für den Geschäftsführenden Vorstand nicht einfach, aber er war auch sehr wichtig. Der Beschluss beendet eine mehrjährige, wiederkehrende Diskus­sion. Die Argumente waren auch alle ausgetauscht. Ich bin froh, dass wir die Entscheidung haben. Wir haben hier voneinander gelernt.

 

PZ: Hat Sie etwas am Apothekertag überrascht?

 

Schmidt: Ja, das klare Bekenntnis aller Politiker zu den ordnungspolitischen Eckpfeilern unserer Arzneimittelversorgung im Vorfeld des Urteils am Europäischen Gerichtshof. Sie haben alle deutlich gemacht, dass sie bei einem negativen Ausgang schnell handeln und unser System mit allen Mitteln verteidigen würden. Diese große Deutlichkeit hätte ich nicht erwartet. /

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