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DAT-Eröffnung

Von Angesicht zu Angesicht

20.09.2017
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Das Menschliche stand im Mittelpunkt des Lageberichts von ABDA-Präsident Friedemann Schmidt anlässlich der Eröffnung des Deutschen Apothekertags. Für eine verantwortungsvolle Versorgung ist ­der ungefilterte persönliche Kontakt mit dem Patienten unverzichtbar. Automatisierung und Digitalisierung dürften kein Selbstzweck sein.

Eine ganze Reihe berufspolitischer Forderungen sind in den letzten vier Jahren Realität geworden, sagte Schmidt. Es fehlten zwar noch einige besonders wichtige, so Schmidt, und spielte damit auf das Versandhandelsverbot mit ­rezeptpflichtigen Medikamenten an. Aber es sei inzwischen ein gutes und stabiles Vertrauensverhältnis zum Bundesgesundheitsministerium und zu vielen Gesundheits­politikern der Fraktionen im Bundestag aufgebaut worden, das von Zuverlässigkeit und gegenseitiger Wertschätzung geprägt sei. Das sei keine Selbstverständlichkeit, betonte Schmidt.

 

Auch die gesellschaftliche Wahrnehmung des Berufsstandes habe sich zum Positiven entwickelt. Als Indikator führte Schmidt an, dass die Zahl der ­Bewerber für das Pharmaziestudium wieder auf einem stabilen Niveau angekommen sei. Als weiteres Beispiel nannte der ABDA-Präsident die Modellprojekte zur Erprobung neuer apothekerlicher Dienstleistungen, die auf ­einem guten Weg seien. Zwar sei das politische Projekt Medikationsplan aus dem ersten E-Health-Gesetz in seiner schriftlichen Phase nicht ganz so erfolgreich gewesen. Das liege aber schlichtweg daran, dass die Apotheker nicht als Fürsprecher und Sachwalter voll mit an Bord waren: »Ein wirklich praktikabler Medikationsplan wird mit den Apothekern kommen, oder er wird gar nicht kommen.«

 

Der Plan soll nun bald auf eine elektronische Version umgestellt werden. Hierfür sei erforderlich, dass die Apotheker einen umfassenden Lese- und Schreibzugriff inklusive einer Kommentarfunktion erhalten, zudem sei eine vollständige Interoperabilität mit allen Apotheken- und Praxisverwaltungssystemen nötig und vor allem eine Rechtsgrundlage, um notwendige Dienstleistungsverträge mit der Gesetzlichen Krankenversicherung zu schließen. »Denn eines muss klar sein: Wir ­werden die Aufgabe der Erstellung und Aktu­alisierung eines elektronischen Medikationsplanes nicht kostenlos machen können und wollen«, sagte der ABDA-­Präsident.

 

Vergütungssystem neu ordnen

 

Die angemessene Vergütung aller Leistungen rund um den Medikationsplan könne auch ein Einstieg in eine Neuordnung des apothekerlichen Vergütungssystems sein. Diese sei jedoch kein Selbstzweck: »Wir wollen eine Verbesserung und zwar eine Verbesserung für alle«, betonte Schmidt. Er forderte, dass Planungssicherheit, Zukunfts­fähigkeit und Leistungsgerechtigkeit diesen Prozess bestimmen sollten.

 

So müsse sich die Politik zum einen dafür einsetzen, die Digitalisierung im Gesundheitswesen voranzutreiben. »Wenn entsprechend schnell gehandelt wird, schaffen wir den Durchbruch bei bundeseinheitlichem Medikationsplan und elektronischer Patientenakte in den nächsten vier Jahren«, so Schmidt. Wenn dies nicht rasch geschehe, entstünde eine Reihe von Insellösungen, die hauptsächlich den Interessen der Anbieter und nicht denen der Patienten dienten.

 

Politische Lösungen seien auch bei den Lieferengpässen erforderlich, die inzwischen die Versorgungsqualität merklich senken und daher auch als Versorgungsengpässe bezeichnet werden könnten. »Wir sind uns mit den ärztlichen Kollegen einig, dass es so nicht weitergehen kann«, sagte Schmidt. Er forderte, dass kurzfristig eine erweiterte Meldepflicht eingeführt wird, um eine Art Notstands­bewirtschaftung zu ermöglichen, auch wenn das der Industrie nicht gefalle. Bislang müssen Hersteller drohende Versorgungsausfälle nur gegenüber Klinikapotheken melden. Aber auch Apotheker in der Offizin müssten informiert werden. Mittelfristig brauche es eine erweiterte Rolle der Bundesoberbehörden. Langfristig sei auf politischer Ebene dafür zu sorgen, dass ein versorgungssicherndes Mindestmaß an pharmazeutischer Produktion in ­Europa erhalten bleibt beziehungs­weise wiederhergestellt wird.

 

Der ABDA-Präsident forderte zudem, dass die künstliche Verknappung und Kontingentierung von Arzneimitteln umgehend aufhören müsse, denn diese Praxis beeinträchtige die Arzneimittelversorgung fast ebenso wie die Lieferengpässe. Dementsprechend müsse auch die Beteiligung von einigen Apothekern am Export von Arzneimitteln aufhören, die den Herstellern als Begründung dient. Das Verhalten sei zwar legal, aber unkollegial und gefährde die Glaubwürdigkeit des Berufsstands.

 

Im Weiteren ging Schmidt auf das persönliche Gespräch als Grundlage für die Abgabe von Arzneimitteln ein. »Menschen sind sehr unterschiedlich«, betonte der ABDA-Präsident. Sie unterschieden sich intellektuell, emotional, psychisch und physisch. Daher brauche man, um Menschen zu erkennen, die persönliche Begegnung. »Das klingt trivial, ist aber die Grundlage unseres ­regulatorischen Systems.« Der direkte Kontakt von Patient und Apotheker sei daher für ein zeitgemäßes Verständnis von Arzneimittelversorgung unverzichtbar.

 

Versorgen statt beliefern

Schmidt ist der Überzeugung, wer seine Patienten nicht sieht und nicht mit ihnen spricht, kann diese zwar beliefern, aber nicht verantwortungsvoll versorgen. Zurzeit sei der Versandhandel die Ausnahme, die Arzneimittel­abgabe in der Apotheke die Regel. Dies könne sich aber durch ökonomischen Druck ändern. Dann müssten sich auch die politisch Verantwortlichen die Frage der Glaubwürdigkeit stellen. »Wie glaubwürdig ist ein Regulierungssystem, das so leicht umgangen werden kann?«

 

Schmidt fordert die deutschen ­Gesundheitspolitiker auf, mit allen Mitteln der trivial-ökonomischen Betrachtungsweise des Europäischen Gerichtshofs entgegenzutreten und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, um den einheitlichen Abgabepreis für verschreibungspflichtige Arzneimittel zu sichern. Ein Gesetzgebungsverfahren müsse unverzüglich beginnen, sagte Schmidt, da es bislang keine wirksame Alternative zum Versandhandelsverbot von Rx-Arzneimitteln gebe. Der Entwurf müsse umgehend in das neue Parlament eingebracht werden. Das häufig vorgebrachte Argument, ein Verbot des Fernhandels sei im Zeitalter der Digitalisierung nicht machbar, ließ er nicht gelten. Wer dies behaupte, habe »weder die Arzneimittelversorgung noch die Digitalisierung richtig verstanden«, so Schmidt. »Digitalisierung ist kein Wert an sich, sondern muss dem Menschen dienen, besonders im Gesundheitswesen.«

 

Schmidt: »Wenn die Politik uns solide, berechenbare und nachhaltige Rahmenbedingungen bereitstellt, dann garantieren wir unsererseits eine sichere, moderne und menschliche Arzneimittelversorgung zu vernünftigen Bedingungen für alle Menschen überall in Deutschland.« /

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