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Digitalisierung

»E-Rezept ist ein Game Changer«

Das E-Rezept wird den Gesundheitsmarkt tiefgreifend verändern. Welche Chancen und Risiken der Wandel mit sich bringt und wie die Apothekerschaft ihn mitgestalten kann, war Thema auf dem PZ-Managementkongress in Palma de Mallorca. Eins steht fest: Für Pessimismus gibt es keinen Grund.
Caroline Wendt
08.04.2019
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Digitalisierung bedeutet mehr als die bloße Überführung analoger Datensätze in digitale Systeme. »Digitalisierung ist derzeit auch ein politischer Kampfbegriff«, erklärte ABDA-Präsident Friedemann Schmidt. Sie kann auch eine politische Strategie zur Strukturveränderung sein. Aus verschiedenen Richtungen werde der Berufsstand derzeit mit Veränderungen konfrontiert: Aus Brüssel werde weiterhin Druck ausgeübt, in der EU einen einheitlichen Wirtschaftsraum zu schaffen. Und auch die zunehmende Digitalisierung verändere sowohl das Selbstverständnis der jungen Pharmazeuten als auch die Anspruchshaltung der Patienten. Die junge Generation sei »optionsgetrieben«, sie sei daran gewöhnt, Dienstleistungen oder Produkte auf unterschiedlichen Wegen zu erhalten und jeden Tag neu darüber entscheiden zu können. »Diese Vorstellung kollidiert mit unserer zentralen Auffassung, dass Arzneimittelabgabe nur von Mensch zu Mensch stattfinden kann«, betonte der ABDA-Präsident. Auch die jungen Kollegen seien zunehmend vernetzt, was dem Bild des Apothekers als Einzelkämpfer in seiner Apotheke entgegenstehe.

Hinzu komme, dass mit Jens Spahn (CDU) ein äußerst innovationsfreudiger und erneuerungswilliger Bundesgesundheitsminister auf einen eher konservierenden  Berufsstand mit defensiver Strategie trifft. »Daher müssen wir uns fragen, ob unsere Strategie noch trägt«, sagte Schmidt. Die Digitalisierung sei in vollem Gange und Spahn habe die Apotheker vor die Wahl gestellt, die damit verbundenen Veränderungen entweder mitzugestalten oder sie zu erleiden. Deshalb sei es wichtig, aktiv zu werden und eigene Konzepte zu entwickeln. Dies trifft besonders auf das E-Rezept zu, was ein »Game Changer« sein wird. »Es wird alles verändern«, so Schmidt. Am Ende des Prozesses werden die in Apotheker in einer wettbewerbsorientierteren Welt leben als heute, ist sich der ABDA-Präsident sicher. Doch diese Tatsache sei kein Grund zu Fatalismus: »Die Welt geht deshalb nicht unter«.

Auch Hans-Peter Hubmann, Stellvertretender Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbands (DAV), sieht optimistisch in die Zukunft. Die Apothekerschaft gelte zwar als konservativ, dabei sei die Offizin schon seit Langem durchdigitalisiert. Und auch bei dem wichtigen Thema E-Rezept gestalte der Berufsstand aktiv mit. »Wir haben bereits einen Bauplan für das E-Rezept entwickelt, nun gilt es dieses Projekt mit Elan anzugehen.«. Wie genau dieses Konzept aussieht, wird beim DAV-Wirtschaftsforum, das vom 8. bis 9. Mai 2019 in Berlin stattfindet, bekannt gegeben. Hubmann betonte aber, dass Digitalisierung kein Selbstzweck sein dürfe, im Zentrum müsse immer die Verbesserung der Patientensicherheit stehen. Diese Möglichkeit erlaube das E-Rezept. Und auch für Apotheker biete die neue Form des Rezeptierens mehr Sicherheit: »Die Zeit von Formfehlern oder fehlenden Arzt-Unterschriften ist damit vorbei«, erklärte Hubmann.

»Die alleinige Umstellung von Papier auf Strom reicht allerdings nicht aus«, postulierte Roman Schaal, Mitglied der Geschäftsführung der Noventi HealthCare. Veränderung bringen auch immer neue Impulse mit sich. »Wir müssen uns fragen, welchen Mehrnutzen wir generieren wollen und welche Chancen daraus entstehen können«. Dazu gehöre auch die Wahrnehmung der Kundenwünsche. Und auch für Schaal steht fest: Die Wahlfreiheit des Patienten ist neben der Sicherstellung von Versorgung und Beratung ein zentraler Punkt. Arzneimittelversorgung müsse auch »bequemer und gut in den Alltag zu integrieren sein«. »Das E-Rezept ist bereits seit 2006 im Gesetz verankert, es kann nicht sein, dass die Patienten immer noch darauf warten müssen«, so der Referent. Jetzt nehme die Veränderung aber an Fahrt auf. Schaal ist überzeugt, dass die Entwicklung die tradierten Abläufe im Gesundheitswesen umfassend infrage stellen wird.

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