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Vorbestellungen

Kritik an WhatsApp-Apothekern

19.10.2016  09:37 Uhr

Vorbestellungen von Arznei­mitteln über Onlinedienste wie WhatsApp zu tätigen, ist mittlerweile gängige Praxis. Aus Datenschutzgründen ist dies nicht erlaubt, dabei gibt es sichere und ­legale Alternativen.

»Wir haben in Apotheken eine Defektquote von etwa 10 Prozent«, erklärt ­Carlos Thees, Leiter des Fachbereichs Vertrieb und Marketing der Verrechnungsstelle Süddeutscher Apotheker (VSA) gegenüber der PZ. Um Patienten einen unnötigen Weg zu sparen, bieten immer mehr Apotheken an, dass Pa­tienten das Rezept per Smartphone abfoto­grafieren und über WhatsApp oder andere Messengerdienste an die Apotheke übermitteln können, um die benötigten Arzneimittel vorzubestellen. 

 

»Das entspricht nicht den deutschen Datenschutzkriterien«, kritisiert Tobias König, Apotheker aus Haar. Gerade bei WhatsApp, das von Facebook gekauft wurde, hätte man keine Übersicht, wo die Daten hingelangen und gespeichert werden. Schlag­zeilen zu dieser Praxis könnten das Vertrau­en der Bevölkerung in die Apothekerschaft insgesamt beschädigen. »WhatsApp-Apotheker gefährden den Berufsstand«, sagt König.

 

Weil er eine sichere Alternative zu kommerziellen Messengerdiensten haben wollte, entwickelte er zusammen mit einem Kollegen eine eigene App. Diese hat er zusammen mit dem Rezeptabrechnungs-Unternehmen VSA weiterentwickelt. »Call my Apo« heißt die Applikation, die König auf der Expopharm in München am Stand der VSA vorstellte. Sie kann im Prinzip das gleiche, was WhatsApp auch kann: Rezept abfotografieren und an die Apotheke übersenden. Dort geht dann eine Nachricht ein, die von der Apotheke beantwortet wird. Der Vorteil ist, dass die App weder auf die Kontaktdaten, noch auf die Galerie zugreift. Im Gegensatz zu manchen kommerziellen Messengerdiensten ist der Zugang zu CallmyApo über ein apotheken-individuelles Zertifkat gesichert, die Datenübertragung erfolgt verschlüsselt. Außerdem werden alle Daten nach Abschluss des Vorgangs unwiederbringlich gelöscht, betont Thees.

 

»Die Idee ist nicht neu«, erklärt er. Auch andere Anbieter, etwa Wort & Bild, bieten ähnliche Applikationen an. Der Vorteil von »Call my Apo« sei aber die Einfachheit. Die Applikation könne nichts außer Vorbestellen. »Was wie ein Nachteil klingt, ist aber ein Vorteil«, so Thees. Die Handhabung sei dadurch einfach und intuitiv. VSA- und ALG-Anwender können diesen Dienst buchen. Für den Patienten ist die App kostenfrei. Beim Herunterladen muss er sich einmal auf eine Apotheke festlegen, bei der die Bestellungen eingehen sollen. /

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