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Krankenhaussektor

Kassen drängen auf Finanzreform

15.10.2013
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Von Stephanie Schersch, Berlin / Die Krankenkassen fordern eine grundlegende Reform im Kliniksektor. Demnach soll sich die Vergütung künftig stärker an der Qualität der Leistungen orientieren. Unwirtschaftliche Krankenhäuser sollen vom Markt verschwinden.

Johann-Magnus von Stackelberg hält eine Reform der Krankenhauslandschaft für überfällig. »Der Versicherte steht derzeit nicht mehr im Mittelpunkt der Versorgung«, kritisierte der Vizevorstand des GKV-Spitzenverbands vergangene Woche in Berlin. Das müsse sich dringend ändern. Aus Sicht der Kassen gibt es in Deutschland zu viele Krankenhäuser. Dabei gehe es weniger um Kliniken auf dem Land, als vielmehr um zahlreiche kleinere Häuser in Ballungsgebieten, so von Stackelberg.

Um Überkapazitäten abzubauen, setzen die Kassen auf mehr Wettbewerb. So sollen die einzelnen Krankenkassen selbst entscheiden können, mit welcher Klinik sie einen Versorgungsvertrag schließen und ihre Entscheidung an Qualitätsmerkmalen festmachen. Krankenhäuser mit schlechter Qualität würden dann vom Markt verschwinden, so das Kalkül. Bislang sind Kassen dazu verpflichtet, mit jedem Krankenhaus in Deutschland abzurechnen.

 

Viele Operationen

 

Dass in den mehr als 2000 deutschen Kliniken deutlich häufiger operiert wird als in vielen anderen Ländern, hatte im Frühjahr eine OECD-Studie offengelegt. Der GKV-Spitzenverband macht dafür auch überhöhte Preise verantwortlich. Die Kliniken bekommen heute eine Pauschale je Fall. Sie wird regelmäßig an die Kostenentwicklung angepasst. Die Kassen halten das für unzureichend und fordern, dass künftig auch die Produktivitätsentwicklung eine Rolle spielt. Arbeiten die Kliniken effektiver, soll sich das in der Preisgestaltung widerspiegeln. »Sinken die Kosten je Fall, dürfen die Preise nicht steigen«, sagte Wulf-Dietrich Leber, Kli­nikexperte beim GKV-Spitzenverband. Langfristig soll zudem die Qualität eine größere Rolle bei der Honorierung spielen. Dazu müssten jedoch zunächst verlässliche Qualitätsindikatoren aufgestellt werden, so Leber.

 

Nachbesserungsbedarf sehen die Kassen auch bei der Verteilung der Gelder, die aufgrund der sogenannten Mehrleistungsabschläge gespart werden. Krankenhäuser, die besonders viel operieren und zum Beispiel die zuvor vereinbarte Zahl an Kniegelenk-OPs überschreiten, erhalten für zusätzliche Eingriffe weniger Geld. Über die Abschläge kommen laut GKV-Spitzenverband pro Jahr etwa 500 Millionen Euro zusammen. Bislang wird dieses Geld gleichmäßig auf alle Krankenhäuser in Deutschland verteilt. Leber hält das für den falschen Weg. »Wir müssen zielgerichteter vorgehen«, sagte er. So könnte das Geld etwa systematisch Kliniken auf dem Land zugutekommen.

 

Dass sich die neue Bundesregierung mit dem Thema Klinikversorgung befassen wird, gilt als wahrscheinlich. Insgesamt 14 Forderungen haben die Kassen in einem Positionspapier aufgestellt. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) reagierte empört. Die Vorschläge würden die Versorgung der Patienten verschlechtern und noch mehr Krankenhäuser in die roten Zahlen treiben, sagte DKG-Chef Georg Baum. /

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