Pharmazeutische Zeitung Online
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Da geht noch was

15.10.2013
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Online-Meldung: Rückruf:

Katadolon, „EurimPharm“
30 und 50 Hartkapseln
Alle Chargen

Die Firma EurimPharm Arzneimittel GmbH, 83416 Saaldorf-Surheim, bittet um folgende Veröffentlichung:

„Der Originalhersteller Teva ruft das Arzneimittel Katadolon zurück, da der Ausschuss für Pharmakovigilanz (PRAC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) die Rücknahme der Zulassungen von Flupirtin-haltigen Arzneimitteln empfohlen hat.
Wir schließen uns dieser Maßnahme an und rufen alle Chargen des Produktes Katadolon (Flupirtin), 30 und 50 Hartkapseln (PZN 07779328 und 07779334), zurück.
Wir bitten Sie, Ihre Bestände zu überprüfen und noch vorhandene Packungen der genannten Charge zur Gutschrift ausreichend frankiert an die folgende Firmenadresse zurückzusenden (Portokosten werden erstattet):

EurimPharm Arzneimittel GmbH
EurimPark 8
83416 Saaldorf-Surheim.“

 

 

Zur Kenntnis genommen:

Bearbeiter:                     

Lagerbestand:               

 

 

 

 

 

 

 

 

Donnerstag, 8. März 2018, 11:44

23 000 Tote gehen jährlich in den USA auf das Konto von Infektionen mit multiresistenten Erregern. Diese Zahl nennt die CDC in ihrem aktuellem Bericht »Antibiotic Resistance Threats in the United States 2013« (www.cdc.gov/drugresistance/threat-report-2013).

 

Die Lage ist sehr ernst. Der Handlungsspielraum wird immer enger und selbst Reserveantibiotika werden zunehmend resistent. Die Verbreitung von Multiresistenzen kann sich bei manchen Bakterien mit enormer Geschwindigkeit vollziehen, so Steve Solomon, Direktor des CDC-Office of Antimicrobial Resistance in einer Pressemitteilung der CDC.

 

Der unkritische Einsatz von Antibiotika, der die Hauptschuld an der aktuellen Lage trägt, hat unterschiedliche Aspekte: Erstens erfolgen viele Verordnungen ohne kritische Indikationsstellung. Zweitens werden oft Fehler bei der Anwendung gemacht, das heißt, die antibakteriellen Wirkstoffe werden nicht konsequent und nicht lange genug eingenommen. Und drittens ist auch der inflationäre Einsatz dieser hochwirksamen Substanzen in der Tierhaltung ein Riesenproblem. Nicht selten werden Antibiotika hier prophylaktisch eingesetzt, um die Erträge zu steigern.

 

Allein 11 000 Todesfälle werden laut CDC jährlich durch MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) verursacht – ein Keim, der auch in Deutschland trotz rückläufigen Trends nach wie vor zu den relevanten Problemkeimen zählt. Als äußerst bedrohlich wird außerdem die Situation bei Carbapenem-resistenten Enterobakterien, bei Neisseria gonorrhoeae sowie bei Clostridium difficile eingestuft.

 

Bleibt die Frage, wie man das Problem in den Griff bekommen kann. Neben einer strengen Indikationsstellung ist auch die Kontrolle der Compliance ein wichtiges Anliegen der Experten. Zudem wird auf die Infektionspräven­tion durch einfache Hygienemaßnahmen fokussiert. Und letztlich setzen die Experten auf die Entwicklung innovativer antibakterieller Wirksubstanzen – auch das zeigt, wie eng es bereits geworden ist.

 

Dazu sinn­gemäß CDC-Direktor Tom Frieden auf einer Pressekonferenz der CDC: Wenn nicht rasch etwas passiert, stehen wir mit leeren Händen da und können lebensbedrohliche Infektionen nicht mehr therapieren. /

Nicht jeder nimmt die Diagnose Diabetes mit so viel Humor wie Oscar-Preisträger Tom Hanks. In einer US-Talkshow flachste er: »Ich war beim Arzt und der sagte mir ›Wissen Sie, diese hohen Blutzuckerwerte, mit ­denen Sie sich herumschlagen, seit Sie 36 sind? Sie sind aufgestiegen. Sie haben jetzt Typ-2-Diabetes, junger Mann.‹« Der Hollywood-Schauspieler erklärte, dass er zwar einige Kilo abgenommen habe, aber wohl immer zucker­krank bleiben werde, da er das von seinem Arzt gesteckte Ziel, ­wieder so schlank zu werden wie in der Schulzeit, niemals erreichen könne. »Lauf, Forrest, lauf«, möchte man ihm in Anlehnung an einen seiner bekanntesten Filme zurufen. Dann klappt es vielleicht doch, das Gewicht weiter zu reduzieren und die Krankheit in Schach zu halten.

 

Neue Wege, die Erkrankung zu therapieren oder bestenfalls sogar zu kurieren, wurden auf der Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes vorgestellt (lesen Sie dazu Diabetes-Konferenz: Neue Therapien im Gespräch und Typ-1-Diabetes: Lebenserwartung gestiegen). Im Mittelpunkt des Interesses standen vor allem die Inkretin-Mimetika, also GLP-1-Rezeptoragonisten und Hemmer des Enzyms Dipeptidylpeptidase-4 (DPP-4). Auf diesem Gebiet sind längst noch nicht alle Rätsel gelöst. Das therapeutische Potenzial ist hier womöglich noch nicht annähernd ausgeschöpft. Zum Beispiel gibt es Hinweise darauf, dass der DPP-4-Hemmer Linagliptin bei diabetischer Nephropathie helfen könnte.

 

Interessant ist auch die Vermutung, dass die subkutane Gabe von GLP-1-Rezeptoragonisten vielleicht gar nicht der beste Applikationsweg ist. Forscher testen bereits die inhalative Gabe von Wirkstoffen dieser Klasse. Zudem gibt es bei Exenatid, Liraglutid und Co. wichtige Unterschiede in der Wirkdauer. Das könnte zukünftig dazu führen, dass neue und alte Vertreter dieser Klasse viel stärker als heute an die individuellen Bedürfnisse des Patienten angepasst zum Einsatz kommen. Personalisierte Medizin ist also auch unter Diabetologen bei Weitem kein Fremdwort mehr.

 

Sehr spannend ist die Entdeckung, dass man GLP-1 und DPP-4 auch in menschlichen Inselzellen nachweisen konnte. Logisch, dass Wissenschaftler nun der Frage nachgehen, welchen Einfluss dieses lokale GLP-1-System auf die Pathophysiologie der Inselzellen hat. Kann womöglich die ­Hemmung dieser DPP-4-Aktivität einen direkten positiven Einfluss auf die Betazellen haben?

 

Last but not least wird sogar darüber diskutiert, GLP-1-Rezeptoragonisten auch bei Typ-1-Diabetes als Add-on zu Insulin einzusetzen. Auch dies ist noch Zukunftsmusik, und es gilt, die Ergebnisse größerer Studien ab­zuwarten. Eines ist jedoch sicher: Im Bereich Diabetes wird sich in den kommenden Jahren so einiges tun.

 

Sven Siebenand

Stellvertretender Chefredakteur

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