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Alopezie

Den Haarausfall stoppen

14.10.2008  13:46 Uhr

Alopezie

Den Haarausfall stoppen

Von Brigitte M. Gensthaler, München

 

Etwa die Hälfte der Männer und jede zehnte Frau vor den Wechseljahren plagt eine androgenetische Alopezie. Viele haben ohne Erfolg diverse Mittel probiert, bevor sie fachlichen Rat suchen. Der Apotheker kann sich als sachkundiger Lotse profilieren.

 

»Die Apotheke ist eine wichtige Anlaufstelle für Menschen mit Haut- und Haarproblemen«, sagte Apotheker Dr. Joachim Kresken, Vorsitzender der Gesellschaft für Dermopharmazie, auf einer Pressekonferenz von Johnson & Johnson. Zur Diagnosesicherung und Ursachenabklärung solle man den Kunden zunächst aber an den Arzt verweisen.

 

Denn übermäßiger Haarausfall kann auf ernste Erkrankungen wie Eisenmangel, Hyperthyreose oder Syphilis hinweisen. Mitunter lohnt sich auch eine  Arzneimittelanamnese. Heparin kann einen vorzeitigen Übergang der Haare von der Wachstums- in die Ruhephase (Anagen- und Telogenphase) auslösen. Zwei bis vier Monate später macht sich dies als verstärkter Haarausfall bemerkbar. Auch bei Infektionen und immunologischen Erkrankungen wie Lichen ruber oder Lupus kann die Haarpracht schwinden. Die weitaus häufigste Form ist jedoch die erblich bedingte: die androgenetische Alopezie.

 

Erfahrungsgemäß kann man medikamentös bei 90 Prozent der Männer und Frauen den Haarausfall stoppen, bei mehr als der Hälfte gelingt die optische Verdichtung des Haarkleids. Für diese Indikation zugelassen sind Finasterid 1 mg Tabletten, die inzwischen auch generisch angeboten werden (nur für Männer), und die lokale Anwendung einer Minoxidil-Lösung auf der Kopfhaut (5-prozentig für Männer, 2-prozentig für Frauen). Nach etwa drei Monaten ist ein Effekt sichtbar, nach einem halben Jahr der Maximaleffekt erreicht. Sofern eine betroffene Frau orale Kontrazeptiva einnimmt, kann ihr der Arzt eine antiandrogen wirksame Pille verordnen, die zugleich das Haarproblem lindert.

 

Eine rezeptfrei erhältliche Haartinktur mit Alfatradiol (17α-Estradiol) erwies sich in einer Vergleichsstudie mit 75 Frauen mit androgenetischer Alopezie der Minoxidil-Lösung deutlich unterlegen. Peroralia mit Mikronährstoffen oder Vitaminen können unterstützend hilfreich sein, wenn ein Mangel vorliegt. Zum Haarewaschen sollte der Kunde Shampoos mit möglichst geringer Irritationswirkungen verwenden, zum Beispiel mit Ethercarbonsäuren, Alkylpolyglucosiden oder Sulfosuccinaten als Tensid.

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