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Arzneiverordnungsreport

Reformen wirken nur kurzfristig

16.10.2007  17:16 Uhr

Arzneiverordnungsreport

Reformen wirken nur kurzfristig

Von Uta Grossmann

 

Die Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für Arzneimittel sind 2006 um 1,8 Prozent auf 25,9 Milliarden Euro gestiegen. Ein moderater Zuwachs im Vergleich zu fast 17 Prozent 2005. Die Herausgeber des Arzneiverordnungs-Reports führen den Rückgang auf die Wirkung des AVWG zurück. Doch der Effekt ist nicht nachhaltig.

 

Das Gesetz zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit der Arzneimittelversorgung (AVWG) war am 1. Mai 2006 in Kraft getreten. Der Heidelberger Pharmakologe Prof. Dr. Ulrich Schwabe nannte als Hauptursache für den Ausgabenrückgang gesunkene Arzneimittelpreise. Allerdings sind die Ausgaben im August dieses Jahres wieder um 11,3 Prozent gestiegen. Schwabe und der Vorsitzende der AOK Schleswig-Holstein, Dr. Dieter Paffrath, sind die Herausgeber des Arzneiverordnungs-Reports (AVR), den sie am Dienstag in Berlin vorstellten. Der Report gibt auf der Basis von 685 Millionen Verordnungen für gesetzlich Versicherte im Jahr 2006 einen Überblick über die Entwicklung der Arzneimittelausgaben. Vor allem die Preise für Generika wurden massiv gesenkt. Am effektivsten griff die Einführung des zehnprozentigen Kassenabschlags für generikafähige Medikamente. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sehen die Report-Autoren aber noch Spielraum für weitere Preissenkungen. Pro-Generika-Geschäftsführer Peter Schmidt warf ihnen vor, »wider besseres Wissen« an dem »Klischee« festzuhalten, dass deutsche Generika überteuert seien.

 

Insgesamt geht der Arzneiverordnungs-Report von einem Einsparpotenzial im Arzneimittelmarkt von 3,3 Milliarden Euro. Dr. Hans Jürgen Ahrens, Vorsitzender des AOK Bundesverbandes, lobte die Sparwirkung der Rabattverträge. Allerdings sind diese Einsparungen in den Daten des Reports nicht berücksichtigt, weil sie nur den Rabattvertragspartnern, also Kassen und Herstellern, bekannt sind.

 

Der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie warf den Report-Autoren vor, die Pharmaindustrie als «Kostentreiber des Gesundheitswesens« zu brandmarken. Der Verband Forschender Arzneimittelhersteller nannte die Annahmen des Reports unrealistisch, es gebe ein Sparpotenzial in Milliardenhöhe.

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