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DAT-Bilanz

»Wir sind mit der Politik im Gespräch«

07.10.2015
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Mit der schwachen Präsenz der Politik in Düsseldorf sind die Apotheker nicht zufrieden. ABDA-Präsident Friedemann Schmidt sieht das nicht so tragisch. Die Politik werde die Botschaften wahrnehmen, ist sich der ABDA-Präsident sicher. Dazu hat er mit einer ebenso impulsiven wie grundsätzlichen Rede beigetragen.

PZ: Was war für Sie der Höhepunkt beim Apothekertag?

 

Schmidt: Für mich persönlich war der Zuspruch zu meiner Rede zur Eröffnung des Apothekertages sehr beeindruckend. Es ist nicht selbstverständlich, die Stimmung der Delegierten so genau zu treffen.

 

PZ: Haben Sie sich zu dieser, in ihrem Stil doch eher ungewöhnlichen Rede, kurzfristig entschlossen?

Schmidt: Nein, ich konzipiere so wichtige Reden niemals kurzfristig. Die Leitidee für die Rede stand schon im Sommer. Aus meiner Sicht war es an der Zeit, die Zukunft der Freiberuflichkeit in einer grundsätzlichen Rede zu thematisieren. Auslöser dafür waren die Angriffe der EU-Kommission auf die Freiberuflichkeit und die aus meiner Sicht unzureichende Reaktion der deutschen Politik. Der endgültige Text zur Rede entstand dann aber erst kurz vor dem Apothekertag.

 

PZ: Welche Reaktionen haben Sie aus der Politik oder von den Marktpartnern bekommen?

 

Schmidt: So kurzfristig gibt es noch keine. Ich bin sehr gespannt, welche Reaktionen kommen werden. Ich hatte den Eindruck, dass die politische Diskussion bei Staatsekretär Lutz Stroppe schon Nachdenklichkeit ausgelöst hat. Jetzt warten wir die Signale aus der Politik ab. Es werden vermutlich viele kleine sein, die uns zeigen, was bei der Politik tatsächlich angekommen ist.

PZ: Hatten Sie Ihre Rede stärker nach innen oder nach außen orientiert?

 

Schmidt: Beides ist wichtig. Zum einen brauchte es ein starkes Signal an die Politik, zum anderen muss sich eine Rede auf dem Deutschen Apothekertag natürlich auch an die Apotheker richten.

 

PZ: Haben sich Ihre Erwartungen an den Apothekertag insgesamt erfüllt?

 

 

Schmidt: Ja. In diesem Jahr haben wir mit unserer großen Einigkeit ein sehr kraftvolles Signal gesetzt. Die Diskussion in der Hauptversammlung war sehr auf gemeinsame Lösungen gerichtet und deutlich weniger konfrontativ als in den Jahren zuvor. Das hat mich gefreut.

PZ: Woran liegt das?

 

Schmidt: Wir leben glücklicherweise seit einigen Jahren in einer Phase ordnungspolitischer Stabilität. Was den Apothekern derzeit allerdings fehlt, ist die Wertschätzung ihrer Leistung, sowohl gesundheitspolitisch als auch und vor allem wirtschaftlich. Wir sind uns in dieser Problemeinschätzung innerhalb des Berufsstandes sehr einig und das war auf dem DAT zu spüren.

 

PZ: Der Apothekertag hat in diesem Jahr ausführlich über E-Health diskutiert. Welche Schlüsse ziehen Sie aus der Diskussion?

 

Schmidt: Die Diskussion hat den Blick dafür geschärft, dass E-Health, wie alle technikgetriebenen Innovationen der letzten Jahrhunderte, Chancen und Risiken hat. Es geht darum die Chancen zu nutzen und die Risiken zu minimieren. Der größtmögliche Patientennutzen ist dabei der Dreh- und Angelpunkt.

 

PZ: Auf dem Apothekertag wurde mehrfach betont, die Apotheker wollten bei E-Health stärker mitmischen. Wenn dies so hervorgehoben wird, könnte es auch bedeuten, dass die Apotheker etwas zu spät auf den Zug aufspringen?

 

Schmidt: Das sehe ich so nicht. Wir haben im Perspektivpapier unsere Angebote zu kognitiven Dienstleistungen, Zusammenarbeit im therapeutischen Team, Medikationsmanagement und patientenorientierter Pharmazie gemacht. E-Health bietet für die Umsetzung dieser Angebote die technologische Basis. Von der Bundesregierung erwarten wir, dass sie unser Angebot aufnimmt und den technischen Prozess entsprechend unterstützt, über das E-Health-Gesetz und darüber hinaus. Dazu ist jetzt der richtige Zeitpunkt.

 

PZ: In diesem Jahr sind kaum Politiker zum Deutschen Apothekertag gekommen. Ist das ein Indiz dafür, dass die Apotheker den Kontakt zu der Politik verloren haben?

 

Schmidt: Ich schließe das aus. Wir sind weiterhin mit der Politik im Gespräch. Die Politik ist derzeit wegen der Flüchtlingskrise im Ausnahme­modus. Das müssen wir zur Kenntnis nehmen. Natürlich haben wir Vertreter der Regierungsfraktionen auf dem DAT vermisst. Ich denke aber, dass wir im kommenden Jahr wieder ein Podium haben werden, auf dem auch sie da sind.

 

PZ: Welcher Antrag in der Hauptversammlung war für Sie der wichtigste?

 

Schmidt: Der große Leitantrag zur Honorierung war für mich deshalb wichtig, weil wir damit der Hauptversammlung unsere Taktik für die nächsten zwölf Monate erklären konnten. Die Delegierten können jetzt besser unsere Strategie nachvollziehen. Wichtig ist auch, dass er mit sehr großer Mehrheit angenommen wurde. Davon abgesehen ist der Leitantrag zu E-Health inhaltlich der bedeutendste gewesen.

 

PZ: Parallel zum Apothekertag fand die Expopharm statt. Was hat Ihnen dort am besten gefallen?

 

Schmidt: Mit der Pharma World ist es uns gelungen, wieder mehr Arzneimittelhersteller auf die Messe zu bekommen. Das freut mich sehr. Die Expopharm hat sich in den vergangenen Jahren immer weiter vom Arzneimittel entfernt. Mit der Pharmaworld haben wir nun einen Kristallisationskeim, der die Pharmafirmen wieder zur Messe zurückkehren lässt. Und natürlich hat mir auch der Stand der ABDA, des Govi-Verlages und der anderen mit uns verbundenen Unternehmen gefallen. Da haben wir jetzt den richtigen Weg gefunden. /

 

»In diesem Jahr haben wir mit unserer Einigkeit ein kraftvolles Signal gesetzt.«

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