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Deutscher Apothekertag 2019

Im Zeichen der Reform

Der diesjährige Apothekertag steht ganz im Zeichen der anstehenden Reform des Apothekenmarkts. Es dürfte wie schon im letzten Jahr ein streitbarer DAT werden. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ist wieder zu Gast. Die ABDA-Spitze setzt auf einen konstruktiven Dialog und zukunftsorientierte Diskussionen.
Ev Tebroke
04.09.2019
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Wenn die Delegierten des Deutschen Apothekertages (DAT) vom 25. bis 27. September 2019 im Congress Center Düsseldorf zusammenkommen, befindet sich das geplante Gesetz zur Stärkung der Vor-Ort-Apotheken (VOASG) aller Voraussicht nach in der heißen parlamentarischen Phase. Vor diesem Hintergrund erwartet ABDA-Präsident Friedemann Schmidt nach eigenen Angaben einen sehr streitbaren DAT. Aktuell gehe es schließlich um die größte Reform des Apothekenmarkts seit 2003/2004.

Anders als damals sieht Schmidt im aktuellen Prozess aber einen konstruktiven Ausgang. »Ich glaube, dass man sich letztlich einigen kann. Und die Chancen, die in dieser Reform stecken, auch nutzen will«, so der ABDA-Präsident gegenüber der PZ. »Es wäre mein Wunsch, den DAT nicht mit Rückwärtsbetrachtungen und Klagen über die Unvollkommenheit dieses Entwurfs zu verbringen, sondern dass wir auch den nächsten Schritt gehen und schauen, was machen wir nun daraus, wie können wir die großen Chancen tatsächlich nutzen.«

Inhaltlicher Höhepunkt des DAT wird sicher auch in diesem Jahr die Debatte mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) werden. Nach ABDA-Angaben hat sich der Minister für Freitagvormittag von 11 bis 12 Uhr auf der Hauptversammlung angekündigt. Nach einem etwa 20-minütigen Grußwort will Spahn dann mit den Delegierten diskutieren und Wortmeldungen aus dem Plenum beantworten. Insgesamt ist dafür etwa eine Stunde angesetzt. Bereits beim vergangenen DAT 2018 hatte der Minister in dieser Form seine Offenheit zur Debatte signalisiert. ABDA-Präsident Friedemann Schmidt wird zusammen mit dem Minister auf der Bühne stehen und den Meinungsaustausch moderieren.

Chancen nutzen 

Schmidt zeigt sich optimistisch, dass trotz kontroverser Diskussionen vom DAT ein positives Signal ausgehen wird: Das Signal, »dass wir die Chancen des Gesetzes auch als Chancen verstehen, nicht nur als Risiken. Dass wir die Bereitschaft erklären, uns weiterzuentwickeln«. Der Gesetzentwurf löse ja nicht nur ein altes Problem, sondern gebe auch viele Hinweise darauf, wie sich der Apothekerberuf in den nächsten Jahren weiterentwickeln soll. »Und wenn wir das einordnen in unser Strategiepapier 2030, dann sehe ich ganz viele Überschneidungen und Übereinstimmungen«, so der ADBA-Präsident. »Es wäre schön, wenn der DAT 2019 diese Übereinstimmungen auch sieht und das Beste daraus macht.«

Auch Fritz Becker, Vorsitzender des Deutschen Apothekerverbandes (DAV), geht von einem konstruktiven Ergebnis des DAT aus. »Ich erwarte eine zukunftsorientierte Diskussion zum Gesetzentwurf.« Spahn werde sich sicher nochmal klar zur Vor-Ort-Apotheke positionieren. Becker setzt nach eigenen Angaben darauf, »dass die Delegierten die positiven Ansätze des Gesetzes aufnehmen und in Zusammenhang mit dem Strategiepapier Apotheke 2030 klare Signale für die Zukunft aussenden«.

Für den Präsidenten der Bundesapothekerkammer, Andreas Kiefer, sind auf Anfrage der PZ zwei Aspekte wichtig. Zunächst hat er eine inhaltliche Erwartung an die Delegierten: »Ich wünsche mir, dass der DAT in einer – sicherlich kontroversen – Diskussion anerkennt, dass die Aspekte Globalisierung, Europa und mehr Freiheitsgrade für die Menschen auch implizieren, dass die eigenen nationalen Regelungen an Bedeutung verlieren. Sprich, dass wir mehr im europäischen Kontext denken«, so Kiefer.

Und zweitens: Es sei in diesem Kontext wichtig, die flächendeckende Versorgung durch die Vor-Ort-Apotheken zu stärken. Hier zeige das Gesetz mit der Entwicklung der honorierten pharmazeutischen Dienstleistung klare Chancen auf, den Apothekerberuf zukunftsfähig zu machen. Es biete die Möglichkeit, die selbstständige Tätigkeit des Heilberuflers in einem regionalen Prinzip zu stärken und ihm so im europäischen Kontext eine feste Position zu garantieren. An die Delegierten gewandt sagt er: »Ich erwarte, dass der DAT die Größe hat, die eigene Betroffenheit hinter das Ziel zu stellen, die Versorgung und somit den Berufsstand zu erhalten.«

Programmpunkte

Was das diesjährige Programm angeht, so wird der DAT am Mittwoch um 14 Uhr mit der Begrüßung und der Rede des ABDA-Präsidenten eröffnet. Die Hauptversammlung beginnt dann um 16.30 Uhr mit dem Bericht des ABDA-Hauptgeschäftsführers Sebastian Schmitz und anschließender Diskussion des Geschäftsberichts. Falls Zeit bleibt, soll bis 18 Uhr die Antragsberatung laufen, die auch in diesem Jahr bis einschließlich Freitag den roten Faden des DAT bildet. Insgesamt werden in diesem Jahr rund 70 Anträge zu beraten sein, unterteilt in fünf Kapitel. Einige inhaltlich ähnliche Anträge wurden gebündelt, sodass es sechs Leitanträge geben wird. Schwerpunktthemen sind in diesem Jahr unter anderem die Gleichpreisigkeit von verschreibungspflichtigen Arzneimitteln, Lieferengpässe und Digitalisierung.

Für Donnerstag ist von 14 Uhr bis 15.30 Uhr ein Themenforum mit dem Titel »Zukunftsperspektive pharmazeutische Dienstleistungen« angesetzt.

Die klassische politische Diskussionsrunde findet in diesem Jahr am Freitag statt, aller Wahrscheinlichkeit nach als letzter Programmpunkt nach Beendigung der Antragsberatungen. Da der diesjährige DAT auf eine Sitzungswoche fällt, war diese Terminanpassung nötig. Welche Politiker konkret auf dem Podium sitzen werden, war zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses noch offen.

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