Pharmazeutische Zeitung online

Gastkommentare

07.10.2015  10:04 Uhr

Leistungsgerechte Vergütung – für wen?

Mit der Honorierung von Apothekenleistungen – den bestehenden (Fixpauschale, BtM, Rezeptur) wie den künftig auszubauenden (Medikationsmanagement) – hat sich der Deutsche Apothekertag 2015 ausführlich beschäftigt. Sie war Thema der Eröffnungsreden, der Diskussionsrunde mit den drei Vertretern der Landes- und Bundespolitik und zahlreicher Anträge der Hauptversammlung. Ja, und auch die Mitarbeiter wurden erwähnt, denen man als Apothekeninhaber gerne eine höhere Vergütung zukommen lassen wolle …

 

Wenn es dann aber etwas konkreter wurde, wie im Antrag zur tariflichen Entlohnung von Fachapothekern, wurde es der Hauptversammlung zu heiß. Letztlich kein Wunder, denn nach der Zahlenlogik der ABDA-Struktur sind 2015 mehr als zwei Drittel der Delegierten selbstständig. Dabei ging es ja gar nicht um die Festlegung auf bestimmte Summen, sondern um ein Signal an diejenigen, die durch entsprechende Qualifizierung einen besonderen Beitrag an der Apothekenleistung haben. Fakt ist: Ein großer Teil der Anträge beim DAT hat im Grunde nur einen Appell-Charakter – und genauso war auch dieser Antrag zu verstehen. Solch ein Appell hätte der Hauptversammlung mit Blick auf die geforderte Ausweitung der pharmazeutischen Kompetenzen sehr gut zu Gesicht gestanden. Die Kritik, dass sich die Delegierten damit in die Tarifautonomie einmischen würden, ist salopp gesagt totaler Humbug. Genau wie bei Anträgen an den Gesetzgeber oder an die Krankenkassen wäre es auch hier die Sache der Tarifparteien gewesen, diesen Appell in ihren Verhandlungen zu würdigen oder auch nicht. Besonders unfair empfinde ich es, dass der Antragstellerin nicht einmal die Gelegenheit gegeben wurde, den Antrag zunächst zu begründen. Dies ist schade, denn ansonsten war der Umgang miteinander sachlich und von guter Diskussionskultur geprägt. Es bleibt leider der bittere Nachgeschmack, dass zwar stundenlang über alle Einzelheiten der Honorierung der Apotheker gesprochen wird, aber die Angestellten dabei weitgehend außen vor bleiben.

 

Auch die von ABDA-Vize Mathias Arnold als »Foto-Finish« bezeichnete Abstimmung über Maßnahmen zur besseren Transparenz von in den Ausschuss verwiesenen DAT-Anträgen machte deutlich, dass der Föderalismus in der Standespolitik oft eher Hemmschuh ist als Innovationsmotor. Statt eine einheitliche Lösung für alle 34 Mitgliedsorganisationen anzubieten, wird nun jede MO das Rad neu erfinden dürfen, um das Informationsbedürfnis der Delegierten (und von interessierten nichtdelegierten Mitgliedern) zu befriedigen. Ja, es gibt Kammern, die dies schon in Angriff genommen haben. Aber nicht jede Kammer und jeder Verband hat die gleichen Ressourcen, nicht alle auch das gleiche Transparenzverständnis. Aus Solidarität mit den weniger gut Informierten wäre eine Annahme des Antrags sinnvoll gewesen. Das gilt auch deshalb, weil die Zahl von Anträgen zugenommen hat, die nicht vom Vorstand einer Kammer beziehungsweise eines Verbandes kommen, sondern von engagierten einzelnen Delegierten gestellt werden. Diese Tendenz ist im Übrigen sehr zu begrüßen. Mein Wunsch: Wenn sich 49,5 Prozent der Delegierten für solch eine zentrale Verbesserung aussprechen und 50,5 Prozent dagegen, sollte man sich als ABDA nicht auf der hauchdünnen Mehrheit zurücklehnen, sondern Anstrengungen unternehmen, um das Votum der anderen Hälfte aufzunehmen.

 

Elfriede Hoffmann 

Delegierte der LAK Baden- Württemberg

Adexa-Landes­vorsitzende Baden-Württemberg

Schwarze Schafe

Diesmal gibt es gleich drei positive Bilanzen: Die Expopharm, mit knapp 500 Ausstellern, darunter 115 aus dem europäischen Ausland und Übersee, hat mit rund 28 000 Besuchern aus Apotheken und Industrie einen neuen Besucherrekord aufgestellt. Gleichzeitig kamen über 3000 Teilnehmer zum 75. Weltapothekerkongress nach Düsseldorf. Und auf dem Deutschen Apothekertag diskutierten 313 Delegierte als Interessenvertreter von über 51 000 Apothekern über die Zukunft des Berufsstandes. Dabei forderten sie vor allem auch eine stärkere Einbindung der bei der im E-Health-Gesetz vorgesehenen Erstellung von Medikationsplänen.

 

Es ist nach wie vor wichtig, dass alle Bundesbürger im Krankheitsfall gegenüber der Gesetzlichen Krankenversicherung Anspruch auf eine optimale Versorgung haben, unabhängig davon, wo sie wohnen. Zwischen Garmisch und Flensburg, zwischen Aachen und Cottbus gilt der gleiche Preis für Rx-Medikamente. Bei nicht verschreibungspflichtigen Arzneimitteln ist das anders. Obwohl hier die Gefahr, sich durch die falsche Einnahme von Medikamenten zu schädigen, relativ gering ist, sollte man nie vergessen, dass Arzneimittel keine Konsumwaren sind.

 

Selbstverständlich bleibt es jedem Bürger unbenommen, bei einem Apothekenbesuch zusätzlich Hustenbonbons oder Vitamintabletten zu kaufen. In keiner Weise zu billigen ist jedoch eine aufdringliche und schrille Werbung für dieses sogenannte Nebensortiment, weil das von der eigentlichen Aufgabe und dem Selbstverständnis des Berufsstandes ablenkt. In letzter Zeit sind – wie in anderen Berufen auch – unter den Apothekern schwarze Schafe zu finden, die das hohe Ansehen des Berufsstands durch unangemessene, marktschreierische Werbung schädigen. Wenn eine Apotheke mit »Top-Preisen« und »bis zu 43 Prozent Rabatt« wirbt, dann ist das unseriös. Diese Apotheker mögen zwar ihren Umsatz kurzfristig erhöhen, setzen dabei aber ihre Glaubwürdigkeit aufs Spiel. Es dominiert dann Monetik über Ethik.

 

Apotheker können vom Arzt verschriebene Medikamente in ausreichender Menge und – falls ein Arzneimittel sehr selten verordnet wird und deshalb nicht vorrätig sein sollte, kurzfristig liefern. Selbstverständlich geben Apotheker den Patienten auch gern kostenlos Auskunft darüber, ob es bei der gleichzeitigen Einnahme von mehreren Medikamenten zu Interaktionen kommen kann. Das ist die bessere Werbung.

 

Siegfried Löffler 

Freier Journalist

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