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Pille danach

Empathie in der Beratung

07.10.2015  10:04 Uhr

Bei der Abgabe von Notfallkontrazeptiva ist eine Beratung der besonderen Art nötig: Sie sollte strukturiert und vor allem em­pathisch sein. Das machte Dr. Franz Bossle, Apothekenleiter aus Dittelbrunn, in seinem Vortrag im Rahmen der Pharma World deutlich. Eine Dokumenta­tion der Beratung sei aber nur in Einzelfällen notwendig.

 

Als die Pille danach aus der Rezeptpflicht entlassen wurde, sei die Verunsicherung unter Kollegen groß gewesen. »Nun hat sich alles zum Guten gewendet«, sagte Bossle. Trotz anfäng­licher Kritik an der Beratung von Apothekern müssten diese sich nicht verstecken. 

Wichtig sei ein strukturiertes Vorgehen: Einige Daten wie Zeitpunkt des ungeschützten Geschlechtsverkehrs, Alter der Frau, aktuelle Verhütungssituation und eventuelle chronische Erkrankungen müssten immer abge­fragt werden. Zudem sei auf verschiedene Dinge hinzuweisen, etwa auf die möglichst rasche Einnahme, auf die zusätzliche Verhütung für den restlichen Zyklus und die wiederholte Einnahme nach Erbrechen.

 

Hilfreich sei es, einen Beratungsstandard aufzustellen und im QM-System festzuhalten. Hierzu kann das Apothekenteam den Beratungsleitfaden der Bundesapothekerkammer verwenden oder eine eigene, an diesen angelehnte Checkliste entwickeln. In seinem Team habe er einen eigenen Beratungsablauf festgelegt, der auch die Grenzen der Selbstmedikation aufzeigt, so Bossle. So sollten Frauen an den Arzt verwiesen werden, wenn der ungeschützte Geschlechtsverkehr mehr als 120 Stunden zurückliegt, wenn sie jünger als 14 Jahre sind, chronische Erkrankungen eine Kontraindikation darstellen oder Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten zu befürchten sind. Auch wenn ein Verdacht auf eine vorliegende Schwangerschaft, auf mögliche Gewaltanwendung oder sexuell übertragbare Erkrankungen besteht, sollte die Betroffene einen Arzt aufsuchen. Ganz wichtig in der Beratung sei, dass man Empathie zeige. »Die Frauen befinden sich in einer Notsituation«, erinnerte Bossle.

 

Er dokumentiere nicht jede Beratung bei Abgabe der Pille danach, da »80 bis 90 Prozent normal verlaufen«. In kritischen Fällen, in denen der Apotheker die Frau etwa an einen Arzt verweist oder wenn der Eindruck entstanden ist, dass die Betroffene nicht alles verstanden hat, dokumentiere er die Beratung. Der Referent riet dazu, Frauen anzusprechen, bei denen ein Dauergebrauch zu vermuten ist. So habe eine seiner Apothekenmitarbeiterinnen eine Frau, die regelmäßig Notfallkontrazeptiva kaufte, durch Verweis auf die Kosten zum Besuch eines ­Gynäkologen motivieren können, um sich über eine reguläre Verhütung aufklären zu lassen. /

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