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Translation

Hemmnis Informationstechnik

08.10.2014  10:22 Uhr

Von Werner Kurzlechner, Berlin / Zu wenige Innovationen aus den Hochschulen kommen in deutschen Kliniken an. Experten machen unzureichende IT-Systeme als Achillesferse bei der Translation aus. Sie fordern zudem ein Prüfgremium für förderwürdige Forschungskonzepte.

Um Täler zu überwinden, muss man Brücken bauen. Und das wird teuer, wenn die Kluft sehr groß ist. Also darf man sich eigentlich auf die gewohnten Forderungen nach mehr Geld gefasst machen, wenn über die Überbrückung des »Todestales« Translation diskutiert wird. Beim Herbstforum des Vereins Deutsche Hochschulmedizin vergangene Woche in Berlin war dies dezidiert nicht der Fall.

 

Konstruktive Vorschläge

 

Zur Verbesserung der Lage mahnte Professor Heyo K. Kroemer, Präsident des Medizinischen Fakultätentags bessere Informationstechnologie an. Professor Otmar D. Wiestler, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg, machte sich für ein neues Expertengremium stark, das gezielt förderungswürdige Translationsprojekte auswählen soll. Kroemer nahm den Ball auf und signalisierte Bereitschaft, ein derartiges Gremium mitzugestalten.

 

»Wir müssen die Fortschritte in der Forschung schneller in die Anwendung bringen«, sagte Kroemer. Die Voraussetzungen dafür seien seitens der Hochschulmedizin an sich gut, wenngleich es einige Defizite gebe. »Das größte Hemmnis in der deutschen Universitätsmedizin ist die vollkommen unzureichend entwickelte IT«, beklagte Kroemer. Das wolle er aber nicht als Wehklagen über fehlendes Geld verstanden wissen, sondern als konzeptuelle Frage. »Ich habe es hierzulande nur selten erlebt, dass etwas am Geld scheitert, wenn das Konzept gut ist«, so Kroemer. Die Probleme lägen in der Zersplitterung der häufig verinselten Computer­lö­sun­gen an den einzelnen Standorten, im Fehlen von standortüber­greifenden IT-Konzepten und in der IT-Finanzierung über Projektmittel.

 

Ein sinnvoller Ansatz sei die Verknüpfung von IT-Forschungsplattformen auch mit Biodatenbanken. In den USA gebe es dafür gute Beispiele, etwa für das Feststellen seltener Krankheitsverläufe. Das strikte deutsche Datenschutzgesetz dürfe nicht als Ausrede für fehlende Anstrengungen herhalten, so Kroemer – auch wenn im Detail Regelungsbedarf herrsche. Man müsse versuchen, aus den strengen Vorgaben einen Vorteil zu machen. Das Datenschutzgesetz schaffe eine Vertrauensbasis dafür, mehr Patientendaten in übergreifende Datenbanken aufnehmen zu könnten.

 

Die IT sei zwar entscheidende Achillesferse bei der Translation, pflichtete Wiestler bei. Es versandeten aber auch gute Ansätze beim Übergang von der universitären Grundlagenforschung in die klinische Prüfung. So werde in München an der genetischen Disposition für Typ-1-Diabetes geforscht, was als Grundlage für präventive Impfungen dienen könnte. »Leider ist es schwer, Firmen wie etwa Pfizer für derartige Projekte zu begeistern«, kritisierte Wiestler. Jürgen Bieberstein, Manager Access Hospital bei Pfizer Deutschland, entgegnete, dass in seiner Branche das Blockbusterdenken überwunden sei. »Das Problem ist aber, dass die Entwicklungskosten für ein neues Arzneimittel gleich sind – egal ob es 100 000 oder 10 Millionen Menschen hilft«, sagte Bieberstein.

 

Konzepte herausfiltern

 

Laut Wiestler ließe sich die Lücke zwischen Forschung und Anwendung mit vergleichsweise niedrigen Summen von 25 bis 50 Millionen Euro überbrücken. Hilfreich wäre ein Gremium, das besonders förderwürdige Konzepte herausfiltere. Ansonsten sei eine Stärkung der Kooperation geboten – auch international. Dafür stünden die Chancen nicht schlecht. Wiestler: »Houston wird niemals mit Dallas zusammenarbeiten, eher schon mit Heidelberg.« /

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