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Natürliches Tramadol entdeckt

08.10.2013
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Von Sven Siebenand / Das synthetische Opioid Tramadol kommt in großen Mengen in einer afrikanischen Pflanze vor. Das fand ein Forscherteam um Dr. Michel De Waard am Institut für Neurowissenschaften in Grenoble heraus. In »Angewandte Chemie« sind die Ergebnisse veröffentlicht (doi: 10.1002/anie.201305697).

 

Wie einer Pressemeldung zu entnehmen ist, konnten die Wissenschaftler das Vorhandensein von Tramadol in der Wurzelrinde von Nauclea latifolia bestätigen. Die Konzentration des Opioids in Extrakten aus getrockneter Rinde lag zwischen 0,4 und 3,9 Prozent. In den oberen Pflanzenteilen ließ sich das Molekül nicht nachweisen.

 

Tramadol wurde in den 1970er-Jahren von Grünenthal entwickelt und unter dem Präparatenamen Tramal® in den Handel gebracht. Nach Angaben der französischen Forscher ist dies das erste Mal, dass ein vollsynthetisch hergestellter Wirkstoff in so hoher Konzentration in einer natürlichen Quelle gefunden wurde. Zur Bestätigung testeten die Wissenschaftler mit verschiedenen Methoden die Echtheit des natürlichen Ursprungs. Drei unabhängige Labors kamen zudem zu denselben Ergebnissen. Um die Möglichkeit einer unbeabsichtigten Verunreinigung der Proben durch synthetisches Tramadol auszuschließen, entnahmen die Forscher frisches Material aus dem Inneren der Wurzeln. Auch hier konnten sie das Vorhandensein des Moleküls bestätigen.

 

Nauclea latifolia gehört zu den Rubiaceen und wird in Afrika auch als Pin Cushion Tree bezeichnet. Die immergrüne Pflanze ist in der Sub-Sahara weit verbreitet und wird vor allem in Kamerun in der traditionellen Medizin als Heilpflanze eingesetzt, zum Beispiel bei Epilepsie, Fieber, Malaria und nicht zuletzt bei Schmerzen. Da bis zu zehn verschiedene Arten dieses Strauchs in Afrika bekannt sind, wollen die Forscher nun untersuchen, in welchen Gattungen sich das Analgetikum Tramadol noch nachweisen lässt. /

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