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11.10.2011  18:15 Uhr

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Krebsrisiko bei Auto­immunkrankheiten erhöht

 

PZ / Die meisten Autoimmunerkrankungen führen zu einem erhöhten Krebsrisiko im Verdauungstrakt. Es gibt aber auch Ausnahmen: Patienten mit rheumatoider Arthritis beispielsweise haben ein niedrigeres Erkrankungsrisiko. Das haben Wissenschaftler um Kari Hemminki am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) he­rausgefunden (doi: 10.1093/annonc/mdr333). Sie hatten mithilfe des schwedischen Krebsregisters die Daten aller Personen ausgewertet, die dort nach 1964 im Krankenhaus wegen einer Autoimmunerkrankung behandelt wurden und bis zum Jahr 2008 an Krebs erkrankten. Den Ergebnissen zufolge haben zum Beispiel Patienten, die an Myasthenia gravis leiden, ein fast dreifach erhöhtes Risiko für Speiseröhrenkrebs. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, systemischen Lupus erythematodes und Psoriasis brachten die Forscher mit mehreren Krebsarten des Verdauungstraktes in Verbindung. Eine mögliche Ursache für die beobachteten Korrelationen sehen die Forscher in der Medikation der Patienten. So könne eine Behandlung mit immunsuppressiven Arzneimitteln das Krebsrisiko erhöhen. Antiphlogistische Arzneistoffe wie Acetylsalicylsäure könnten hingegen einer Krebserkrankung vorbeugen.

 

Viren stammen wahrscheinlich von Zellen ab

 

PZ / Wissenschaftler haben ein neues Virus entdeckt, das über das bisher größte sequenzierte virale Genom verfügt. Während das Genom des bislang als größtes Virus geltenden Mimivirus 979 Proteine kodiert, sind es beim neu entdeckten Megavirus chilensis mutmaßlich 1120. Bei der Sequenzierung stellten die Forscher fest, dass fast ein Viertel der kodierten Proteine keine Ähnlichkeiten mit denen anderer Megaviren hat. Trotzdem zeigt Megavirus chilensis ähnliche Genomcharakteristiken wie das Mimivirus, inklusive einiger Gene, die für Zellen charakteristisch sind. Als solche gelten Viren nicht. Das Mimivirus wurde als erstes Riesen­virus im Jahr 2003 entdeckt. Seitdem diskutieren Forscher, ob Riesenviren sich die zellulären Gene angeeignet haben oder ob sie selbst aus Zellen entstanden sind. Der Fund des neuen Virus spricht nun stark für letztere Theorie. Demnach könnte die urtümliche, komplexere Vorläuferzelle während ihrer Entwicklung zum Virus nach und nach Gene und Funktionen verloren haben. Ihre Hypothese veröffentlichten die Forscher um Chantal Abergel und Jean-Michel Claverie im Fachjournal »PNAS« (doi: 10.1073/pnas.1110889108).

 

Pausen im OP steigern die Leistung von Chirurgen

 

PZ/dpa / Wenn Chirurgen bei Operationen kurze Pausen einlegen, sind sie leistungsfähiger. Das hat eine Studie an der Medizinischen Hochschule Hannover ergeben. Die Operationszeit insgesamt verlängert sich nicht, das Team bleibt während der Kurzpausen im OP-Saal. Das Pausenschema von Bergsteigern inspirierte die Mediziner zu der Studie. Operateure, die alle 25 Minuten eine fünfminütige Auszeit einlegten, hatten deutlich weniger Stresshormone im Blut als Kollegen, die durcharbeiteten. Ihre Fehleranfälligkeit war zudem dreimal geringer. Ob die Pausen auch Auswirkungen auf die Patienten haben, soll eine weitere Studie klären.

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