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BioPharma-Wettbewerb

Geldspritze für den Sprung in den Markt

07.10.2008
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BioPharma-Wettbewerb

Geldspritze für den Sprung in den Markt

Von Uta Grossmann, Berlin

 

Drei unternehmerisch geführte Konsortien aus Wissenschaft, Pharmaindustrie und Finanzinvestoren haben den BioPharma-Wettbewerb des Bundesforschungsministeriums gewonnen. Die Industrieverbände loben die Initiative. Kritik an der »fetten Millionenspritze für Pharmaunternehmen« kommt von der Linken.

 

Die Grundlagenforschung an deutschen Instituten ist »exzellent«, findet Professor Dr. Frieder Meyer-Krahmer. Der Staatssekretär im Bundesforschungsministerium vertrat bei der Preisverleihung an die Gewinner des BioPharma-Wettbewerbs vorige Woche seine Ministerin Dr. Annette Schavan (CDU), die kurzfristig absagen musste.

 

Damit aus den Ideen der Forscher auch Medikamente und Therapien werden, muss die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft besser werden. Dazu soll der Wettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung Impulse geben.

 

Der BioPharma-Wettbewerb ist Teil der von Ministerin Schavan angestoßenen Pharma-Initiative, für die bis 2011 über 800 Millionen Euro in die Gesundheitsforschung und Biotechnologie fließen sollen. Aus diesem Budget bekommen die drei Sieger-Konsortien des BioPharma-Wettbewerbs je 20 Millionen Euro. In drei Jahren werden je nach Stand der Projekte weitere 60 Millionen Euro verteilt.

 

Die prämierten Konsortien haben gemeinsame Strategien von Biotechnologiefirmen, Pharmaunternehmen, Forschungseinrichtungen, Kliniken und Finanzinvestoren vorgelegt, um die Entwicklung von Medikamenten voranzubringen. Schließlich soll Deutschland, wenn schon nicht die, so doch zumindest wieder eine der wichtigsten Apotheken der Welt werden, wie Staatssekretär Meyer-Krahmer formulierte. Er wandte sich auch an die Teilnehmer, die keinen Preis gewonnen hatten: »Sie sind die Frontrunner im Innovationsbetrieb der Pharmaindustrie«, sagte er. »Wir brauchen solche Treiber, die hartnäckig sind, auch mal Rückschläge wegstecken und sich trotzdem nicht von ihrem Ziel abbringen lassen.«

 

2007 trugen Medikamente aus Biotechnologie-Laboren mit vier Milliarden Euro zu 15 Prozent des Gesamtumsatzes der Pharmaindustrie in Deutschland bei. Dr. Peter Heinrich, Vorstandsvorsitzender der Biotechnologie-Industrie-Organisation BIO-Deutschland, wies auf die Bedeutung der kleinen und mittleren Biotech-Firmen hin. Sie seien extrem wichtig für Innovationen, doch häufig fehle das Kapital. Wenn dann ein Großunternehmen Finanzhilfe anbiete, bestehe die Gefahr, dass es die Idee des Kleinen abschöpfe und den Gewinn einstreiche.

 

Anders die Konsortien im Wettbewerb. Hier arbeiten Forschungsinstitute, Mittelständler und Großindustrie zusammen, und zwar auf Augenhöhe. Das soll den schwierigen Technologietransfer von der Wissenschaft in den Arzneimittelmarkt effektiver bewerkstelligen helfen.

 

Die drei Sieger-Konsortien haben solche Kooperationen entwickelt, um Medikamente gegen Alzheimer und Parkinson, Multiple Sklerose, Krebs und Diabetes zur Marktreife zu bringen. Das Max-Planck Drug Discovery & Development Center will dazu beitragen, dass kommerziell interessante therapeutische Forschungsprojekte in einem frühen Stadium gefördert werden, wenn sie für die Pharmaindustrie oder private Investoren noch nicht interessant genug sind. Konkret geht es um die Entwicklung von kleinen chemischen Molekülen (small molecules) zur Behandlung von weit verbreitenen Krankheiten wie Krebs, Alzheimer und Diabetes.

 

Das Konsortium »Neue Wirkstoffe gegen neurologische Erkrankungen« will die Behandlung neurodegenerativer Prozesse bei Patienten mit Multipler Sklerose verbessern. Die Finanzierung erfolgt über einen Fonds, der sich aus privatem Geld speist.

 

Die NeuroAllianz will therapeutische und diagnostische Ansätze zur Behandlung neurodegenerativer Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson von der Forschung zur Marktreife bringen.

 

Deutschland ist Europameister

 

Der stellvertretende Vorsitzende des Bundesverbandes der Pharmazeutischen Industrie (BPI), Dr. Richard Ammer, lobte die BioPharma-Initiative: »Ergebnisse der Grundlagenforschung müssen effektiver und schneller in Produkte umgesetzt werden. BioPharma setzt hier die richtigen Impulse. Der Wettbewerb zeigt, dass biopharmazeutische Innovationen auch am Standort Deutschland möglich sind, besonders wenn die richtigen Partner kooperieren.«

 

Bei der Produktion von Biopharmazeutika sei Deutschland Europameister und weltweit die Nummer zwei nach den USA, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA), Cornelia Yzer. »Gerade die vielen jungen Unternehmen haben es aber schwer, die langen und risikoreichen Entwicklungszeiten durchzuhalten, die für neue Arzneimittel nötig sind.« Eine Kooperation dieser Firmen mit den großen Pharma- und Biotechunternehmen sei sinnvoll.

 

Dagegen fand die Bundestagsfraktion der Linken, dass die Entwicklung lukrativer Biotech-Medikamenter keiner Subventionierung bedürfe. Die forschungspolitische Sprecherin der Fraktion, Petra Sitte, kritisierte die »fette Millionenspritze für Pharmaunternehmen« und das »Verschenken« von Steuergeld. Für nichtkommerzielle klinische Studien wende die Bundesregierung nur 20 Millionen Euro auf. »Das Missverhältnis zu den 100 Millionen der Pharmainitiative ist unübersehbar«, heißt es in der Mitteilung der Linken.

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