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Optimum verpasst

05.10.2016
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Es ist schon bemerkenswert: Endlich gibt es den lang erwarteten Medikationsplan, die Freude darüber ist aber verhalten. Dabei bestreitet wohl kaum jemand, dass ein Medikationsplan sinnvoll ist. Immer mehr Patienten nehmen regelmäßig drei oder mehr verordnete Arzneimittel ein.

 

Warum also die mäßige Zufriedenheit von Ärzten, Apothekern und anderen Gesundheitsexperten? Vermutlich liegt es daran, dass die meisten Beteiligten den Medikationsplan zwar grundsätzlich begrüßen, gleichzeitig aber glauben, dass hier das mögliche Optimum verpasst wurde. Die Arzneimittelinitiative Sachsen-Thüringen zeigt, was heute schon möglich und bald vermutlich Standard sein wird. Anstelle von ­Papier nutzen die an ARMIN beteiligten Apotheker und Ärzte gut ge­sicherte Festplatten als Speichermedium. Bei ARMIN arbeiten die beiden akademischen Heilberufe tatsächlich zusammen. Natürlich haben Ärzte und Apotheker jeweils unterschiedliche Aufgaben. Die Initiatoren haben aber zum Glück darauf verzichtet, ein hierarchisches Gefälle in ihre Zusammenarbeit einzubauen.

 

Beim Medikationplan dagegen haben die Ärzte das Zepter in der Hand. Nur sie werden für ihre Leistungen honoriert. Die Apotheker sind zwar dazu verpflichtet, den Plan auf Wunsch der Patienten zu ergänzen. Vergütet wird diese Dienstleistung aber nicht. Es kann sich deshalb ­niemand ernsthaft darüber wundern, wenn die Apotheker nur ihre Pflichten erfüllen und sich am gesetzlichen Minimum orientieren.

 

Spätestens seit der Forderung des Spitzenverbandes der Fachärzte, die Apotheker einzubinden, hätte das Ministerium aufmerksam werden müssen. Ärzte neigen nicht dazu, ohne Not um Apothekers Hilfe zu bitten. Beim Medikationsplan haben sie Zweifel, ob sie allein zurechtkommen. Das sollte die Bundesregierung hellhörig machen. Ein Medikationsplan, in dem Apotheker nur Juniorpartner sind, ist und bleibt Stückwerk.

Daniel Rücker

Chefredakteur

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