Pharmazeutische Zeitung online
Modellprojekt PRIMA

Apotheker und Ärzte zufrieden mit E-Medikationsplan

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist nicht glücklich damit, dass der Bundeseinheitliche Medikationsplan derzeit noch analog gepflegt wird. Wie Apotheker und Arzt enger elektronisch zusammen arbeiten können, untersucht die PRIMA-Studie. Einige Ergebnisse wurden jetzt in der »Deutschen Medizinischen Wochenschrift« veröffentlicht.
Daniela Hüttemann
01.10.2019
Datenschutz bei der PZ

PRIMA steht dabei für »Primärsystem-Integration des Medikationsplans mit Akzeptanzuntersuchung«. Genau diese Akzeptanz eines elektronischen Medikationsplans wurde im Rahmen des ARMIN-Projekts untersucht, gefördert von der Bundesregierung. In Sachsen und Thüringen haben elf Arzt-Apotheker-Teams die neuen elektronischen Medikationspläne für insgesamt 196 Patienten getestet.

Anfangs habe es vor allem technische Probleme gegeben, schreiben Mitarbeiter des Geschäftsbereichs Arzneimittel der ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände sowie der Klinischen Pharmazie in Heidelberg in der aktuellen Ausgabe der »Deutschen Medizinischen Wochenschrift«. »Da Arzt und Apotheker verschiedene Software benutzen, sahen die Medikationspläne auf ihren Bildschirmen unterschiedlich aus«, heißt es in einer Pressemitteilung zum Bericht. Verwendet wurden ein Arzt- und vier Apothekenverwaltungssysteme sowie unterschiedliche Arzneimitteldatenbanken.

Manchmal sei nur eine Zeile verrutscht gewesen, ein anderes Mal fehlte ein Eingabefeld oder der Handelsname des Medikaments. Gravierender war laut Erstautorin Dr. Christiane Eickhoff, wenn die gleiche Dosierung unterschiedlich angezeigt wurde. So kam es beispielsweise vor, dass der Arzt 0,1 mg eines Schilddrüsenhormons verordnete, auf dem Bildschirm des Apothekers aber 100 µg erschienen – das ist fachlich korrekt, kann aber zu Missverständnissen führen. Diese technischen Anfangsprobleme konnten laut Eickhoff mittlerweile beseitigt werden.

Zum Abschluss des Projekts PRIMA , das von Oktober 2014 bis März 2017 lief, äußerten sich die teilnehmenden Apotheker und Ärzte vorwiegend positiv. Insgesamt 60 Prozent stimmten den Abläufen insgesamt zu, berichtet Eickhoff. Etwa 80 Prozent der Ärzte und 63 Prozent der Apotheker seien mit den ihnen zugedachten Aufgaben zufrieden gewesen. Die meisten Ärzte waren damit einverstanden, dass die Apotheker ihre Verordnungen vor dem Hintergrund der Gesamtmedikation der Patienten noch einmal abschließend prüfen.

Gemeinsamer Medikationsplan verbessert Überblick für alle

»Beide Seiten betrachteten den elektronischen Medikationsplan als Chance für eine bessere fachliche Zusammenarbeit«, so das Resümee. 70 Prozent der Ärzte gaben an, sie hätten durch die Zusammenarbeit mit dem Apotheker einen besseren Überblick über die Gesamtmedikation des Patienten erhalten, denn auch die Selbstmedikation wurde vom Apotheker erfasst. 88 Prozent der Apotheker freuten sich über einen Wissenszuwachs zum Gesundheitszustand der Patienten.

Alle befragten Ärzte und Apotheker stimmten zu, dass ihre Zusammenarbeit die Qualität des Medikationsplans verbessern kann. Da es im Behandlungsalltag sehr häufig sei, dass Patienten ihren ausgedruckten Medikationsplan weder bei Arzt, noch beim Apotheker vorzeigten, böte die elektronische Variante des Medikationsplans große Vorteile und Chancen. Prozesse und Verantwortlichkeiten bei der Erstellung und Aktualisierung von Medikationsplänen müssen dafür eindeutig geregelt werden. »Die in ARMIN vereinbarten Verantwortlichkeiten von Arzt und Apotheker wurden als sinnvoll und praktikabel bewertet«, so das Fazit der Autoren. Das ARMIN-Projekt wird noch bis mindestens März 2022 fortgeführt.

Bereits seit Oktober 2016 haben alle gesetzlich Krankenversicherten, die länger als 28 Tage mehr als drei verschreibungspflichtige Medikamente einnehmen, Anspruch auf einen Medikationsplan. Dieser wird derzeit in der Regel vom Arzt erstellt und dem Patienten in Papierform ausgehändigt. Dieser kann ihn seinem Apotheker vorlegen, der eine Medikationsanalyse inklusive selbstgekaufter Präparate vornehmen kann. Dies geschieht laut Autoren aber bislang eher selten. »Die Zustimmung des Patienten vorausgesetzt, sollen Arzt und Apotheker die Daten künftig elektronisch austauschen können«, heißt es in der Pressemitteilung. »Sowohl Ärzte als auch die Apotheker prüfen die Gesamtmedikation nach pharmazeutischen und medizinischen Gesichtspunkten auf mögliche Risiken und tauschen sich bei Bedarf dazu aus.« Wann der elektronische Medikationsplan bundesweit eingeführt wird, steht allerdings bislang noch nicht fest. 

Mehr von Avoxa