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Überflüssig

01.10.2013
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Keine Frage: Es ist gut, wenn Frauen die Pille danach möglichst unkompliziert bekommen, wenn sie sie brauchen. Es wäre deshalb richtig, wenn die Pille danach auch ohne Rezept von Apotheken abgegeben werden darf. Aber auch um jeden Preis und jenseits der Legalität?

 

Wenige Medikamente werden derart ideologisch bewertet wie die Pille danach. Die größte Aufmerksamkeit hatte sie Anfang des Jahres, als katho­lische Krankenhäuser in Köln einer vergewaltigten Frau die Pille danach verweigerten. Die Bundesregierung tut sich leider schwer, die Zugangs­schwelle für das Präparat zu senken. In rund 80 Ländern wird sie rezeptfrei abgegeben – in Deutschland nicht.

 

Das ist bedauerlich, rechtfertigt aber keinesfalls das brachiale Vorgehen der Betreiber von Ordermed. Gemeinsam mit den britischen Onlineärzten von DrEd versorgt die Versandplattform und ihre Partnerapotheken Frauen in Deutschland mit der Pille danach. Das Rezept wird von bri­tischen Ärzten für 25 Euro zusätzlich ausgestellt (lesen Sie dazu auch Pille danach: Ordermed kündigt Kooperation mit DrEd).

 

Die Pille danach soll ganz offensichtlich der wirtschaftliche Durchbruch für Ordermed und DrEd werden. Ob Apotheken tatsächlich gut beraten sind, einer Gruppe windiger Onlineärzte und einem Versandportal zum Erfolg zu verhelfen, ist eher fraglich. Es ist auch sicher keine gute Idee, die bei der Einnahme zeitkritische Pille danach im Versandhandel und ohne persönliche Beratung durch Ärzte und Apotheker anzubieten.

 

DrEd ist überflüssig, nicht innovativ und nur so lange attraktiv, bis sich die Regierung aufrafft, die Pille danach von der Rezeptpflicht zu entbinden, wie es vor zwei Wochen der Deutsche Apothekertag gefordert hat. DrEd ist ein Relikt aus vergangenen Jahren, in denen Arzneimittelversorgung erst dann smart war, wenn sie Apotheken-frei organisiert war.

 

In einer Zeit, in der sich die Apotheker in Deutschland intensive Gedanken darüber machen, welche Rolle sie als heilberuflicher Arzneimittel­experte in der Gesundheitsversorgung einnehmen wollen, sind DrEd und Ordermed Anachronismen. Sie bieten für keine der anstehenden Anforderungen an die Arzneimittelversorgung akzeptable Lösungen: nicht für den demografischen Wandel, nicht für das Nachwuchsproblem in den Heilberufen und nicht für die notwendige Vernetzung der Gesundheitsberufe. Niemand wird ihnen deshalb eine Träne nachweinen.

 

Daniel Rücker

Chefredakteur

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