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Pille danach

Absatzplus regional sehr unterschiedlich

10.06.2015
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Von Stephanie Schersch / Mit der Freigabe der Pille danach ist der Absatz deutlich gestiegen – allerdings nicht ganz so stark wie zwischenzeitlich vermutet. Das geht aus aktuellen Verkaufszahlen für die Monate März und April hervor. In den verschiedenen Regionen kommt das Absatzplus demnach sehr unterschiedlich zum Tragen.

Nach Zahlen des Informationsdienstleisters IMS Health gaben Apotheker im März und April 2015 rund 108 000 Packungen der Pille danach ab und damit rund 30 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum (83 000 Packungen). Ähnliche Daten liefert das Marktforschungsinstitut Insight Health, das für März und April 105 000 Packungen ausweist (Vorjahreszeitraum: 81 000 Packungen).

 

Seit 14. März ist die Pille danach in Deutschland offiziell verschreibungsfrei. Zunächst erhielten Frauen in der Apotheke allerdings nur Ellaone® mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat ohne Rezept. Levonorgestrel-haltige Notfallkontrazeptiva hatten Apotheker vorerst weiterhin nur bei Vorlage einer Verordnung herausgegeben. Hintergrund war das Design der Arzneimittelpackungen, das entsprechende Präparate noch als rezeptpflichtig auswies. Mitte April kam schließlich die erste Pille danach mit Levonorgestrel als OTC auf den Markt.

 

Mehr Aussagekraft

 

Nach der Freigabe hatten erste Zahlen zunächst einen noch deutlicheren Anstieg beim Absatz der Pille danach suggeriert. Laut IMS hatten Apotheker in der Woche vor Freigabe des Präparats 9500 Packungen abgegeben, in der Woche darauf waren es bereits 13 500 gewesen – ein Plus von 42 Prozent. Die nun vorliegenden Monatszahlen erlauben den direkten Vergleich mit dem Vorjahr und haben damit mehr Aussagekraft.

 

In einigen Bundesländern ist der Absatz der Pille danach rasant gestiegen. Am deutlichsten zeigt sich das laut IMS in Brandenburg. Dort gingen im März und April 1500 Packungen über den HV-Tisch, das sind 64 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum (900 Packungen). In Sachsen-Anhalt waren es immer noch stolze 53 Prozent mehr, gefolgt von Bremen (plus 51 Prozent), Hamburg (plus 50 Prozent) und Sachsen (plus 38 Prozent). In Berlin fiel der Anstieg mit 16 Prozent am geringsten aus.

 

Auch Insight Health hat sich mit dem Absatz der Pille danach in den verschiedenen Regionen befasst, kommt dabei teilweise allerdings zu etwas anderen Ergebnissen. Die Marktforscher haben die Anzahl der abgegebenen Packungen ins Verhältnis zur Einwohnerzahl gesetzt. Demnach liegen die Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen mit der höchsten Pro-Kopf-Abgabe vorn, Schlusslicht war Brandenburg. Laut Insight Health stieg der Absatz der Pille danach dort allerdings so stark wie in kaum einer anderen Region (plus 85 Prozent). Noch deutlicher machte sich die Freigabe der Pille danach nur in Thüringen bemerkbar. Hier hat sich der Absatz mehr als verdoppelt.

 

Meist ohne Rezept

 

Nach dem Ende der Verschreibungspflicht gehen inzwischen die meisten Frauen direkt in die Apotheke und besorgen sich das Arzneimittel ohne Rezept. Während der Anteil der Selbstmedikation Insight Health zufolge im März noch bei 46 Prozent gelegen hatte, gaben die Apotheker im April bereits 78 Prozent der Packungen ohne Verordnung ab.

 

In den meisten Fällen wurden dabei die Präparate Ellaone und Pidana® von HRA Pharma verkauft. Der Absatz von Ellaone hat sich in den vergangenen sechs Monaten mehr als verdoppelt. Bei Pidana fiel der monatliche Absatz im selben Zeitraum hingegen um mehr als ein Drittel. Hintergrund ist vermutlich der verzögerte Vertriebsstart für das Levonorgestrel-haltige Pidana im OTC-Design. Profitieren konnte davon vor allem Ellaone. /

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