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Aggression im Schlaf kündigt Parkinson an

02.10.2012  11:56 Uhr

Von Daniela Biermann, Hamburg / Wer nachts im Schlaf spricht und um sich schlägt, hat ein 60- bis 70-prozentiges Risiko, in den folgenden zehn bis 30 Jahren an Parkinson zu erkranken. »Genau diese Patienten müssen wir finden, um sie für klinische Studien zu gewinnen«, sagte Professor Dr. Wolfgang H. Oertel beim Neurologen-Kongress in Hamburg.

Ziel einer möglichst frühzeitigen Intervention sei es, den Verlauf von Parkinson zu verlangsamen oder sogar aufzuhalten. Dafür gebe es fünf viel­versprechende Arzneistoffkandidaten.

Die typischen Parkinson-Symptome Tremor, Rigor und Bradykinesie treten erst auf, wenn die Degeneration dopaminerger Neurone in der Substantia nigra schon weit fortgeschritten und unumkehrbar ist. Mittlerweile weiß man, dass zuerst Nervenzellen im Riechkolben und anschließend im Schlafzentrum untergehen – Jahre bis Jahrzehnte, bevor die Neurone in der Substantia nigra betroffen sind. Daher wollen Wissenschaftler Menschen mit reduziertem Geruchssinn und Störungen des REM-Schlafs im Rahmen von Studien untersuchen. In diesem Schlafstadium träumen Erwachsene normalerweise, führen aber im Gegensatz zu Kindern keine Bewegungen aus.

 

»Wenn jemand nachts von seinem schlafenden Partner attackiert wird, sollte er nicht in ein anderes Zimmer umziehen, sondern mit dem Partner zum Neurologen«, mahnte Oertel. Im Moment gebe es zwar noch keine Therapie für REM-Schlaf-Verhaltensstörungen. Doch in klinischen Studien hätten die Patienten zumindest eine Chance auf eine wirksame Therapie.

 

»Solche Studien müssen über mindestens fünf bis zehn Jahre laufen – das kostet viel Geld«, so Oertel. Pharma­firmen würden hier nicht investieren. Daher sei die öffentliche Hand gefragt. »Wir brauchen jährlich 5 Milliarden Euro, um Neuroprävention zu erforschen«, forderte der Direktor der Klinik für Neurologie in Marburg. Nur so ließen sich Volkskrankheiten wie Alzheimer und Parkinson wirksam verhindern. / 

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