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Bundeswehr-Apotheker

Vom Abitur zum Sanitätsoffizier

04.10.2011
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Von Aline Rühtz / Eine Karriere mit Führungsverantwortung und nicht alltäglichen Herausforderungen: Offizier im Sanitätsdienst. Leander Plato hat sich im Jahre 2006 für 17 Jahre verpflichtet und gibt der PZ einige Einblicke in seinen Werdegang zum Sanitätsoffizier Apotheker.

»Entschieden gut. Gut entschieden.« So lautet der Leitspruch des Arbeitgebers Bundeswehr und deutet bereits an, dass es sich bei einer Verpflichtung um eine verantwortungsvolle und weitreichende Entscheidung handelt.

In der zwölften Klasse des Gymnasiums erfuhr Plato zum ersten Mal von der Möglichkeit, eine Laufbahn im Sanitätsdienst der Bundeswehr einzuschlagen. Ein Wehrdienstberater informierte über sämtliche Studienmöglichkeiten. Die Bundeswehr sei trotz der in den Medien vorherrschenden Diskussion weiterhin ein Arbeitgeber, der auch zukünftig einen hohen Personalbedarf in allen Laufbahnen habe. Der Bedarf an Zeit- und Berufssoldaten werde in den nächsten Jahren jährlich bei 12 000 bis 15 000 Neueinstellungen liegen. »Gut fand ich, dass sofort deutlich gemacht wurde, dass Auslandseinsätze kein Problem darstellen dürfen und man ein hohes Maß an Flexibilität mitbringen sollte. Auch wenn ich zu dem Zeitpunkt erst 17 war, hatte ich das Gefühl, genug Eigenverantwortung zu besitzen, um so eine wichtige Entscheidung zu treffen«, erklärt der heute 24-Jährige gegenüber der PZ.

 

Allerdings entwickelt man in der Studienzeit seine Persönlichkeit oftmals stark weiter, und so befinden sich auch im Bekanntenkreis von Leutnant Plato zwei Kameraden, die nicht mehr zu 100 Prozent überzeugt sind und Schwierigkeiten mit der Fremdbestimmtheit haben. »Aber für mich persönlich kann ich nach vier Jahren Studium sagen, dass es genau die richtige Entscheidung war.«

 

Erste Hürde

 

Nach einer schriftlichen Bewerbung wurde seine Eignung in einem zweitägigen Prüfungsmarathon an der Offizierbewerberprüfzentrale in Köln getestet. Die Zulassung der zukünftigen Offizieranwärter wird anhand von charakterlichen, geistigen und körperlichen Eigenschaften bestimmt. Die Bewerber mit den besten Ergebnissen können sich dann zum Beispiel aus einer vorgegebenen Auswahl von Universitäten einen Studienort aussuchen. Interessierte, die schon die ersten Tests nicht bestehen, müssen das Eignungsfeststellungsverfahren allerdings vorzeitig wieder verlassen. Auch für Plato war das Auswahlverfahren eine nicht ganz einfache Hürde: »Am schwierigsten fand ich das persönliche Gespräch. Ich sollte beispielsweise entscheiden, wie ich vorgehe, wenn ein verwundeter deutscher und ein verwundeter feindlicher Soldat vor mir liegen und ob beziehungsweise welche Prioritäten ich setzen würde.« Seine fachliche Eignung wurde zum Beispiel mit Fragen nach der Summengleichung der Photosynthese oder dem Haber-Bosch-Verfahren überprüft.

 

Der Weg zum Sanitätsoffizier Apotheker besteht im Wesentlichen aus dem Pharmaziestudium und einem sich daran anschließenden Studium der Lebensmittelchemie. Dieses muss aufgrund der vorherigen pharmazeutischen Ausbildung jedoch nur in verkürzter Form absolviert werden. Das Gesamtstudium ist in der Mindeststudienzeit von 17 Semestern abzuschließen. Im Anschluss erfolgt die sogenannte postuniversitäre Ausbildung. Sie beinhaltet überwiegend militärische und bundeswehrspezifische Aspekte, wie einen Lehrgang zum Thema »Krisen- und Konfliktverhütung« oder einem standardisierten NATO-Englischkurs. Verzögert sich der Abschluss des Studiums, verlängert sich die Dienstzeit entsprechend.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Studienfächern, die an den Universitäten der Bundeswehr in Hamburg und München angeboten werden, findet die Ausbildung zum Sanitätsoffizier, ob nun Humanmediziner, Zahnarzt, Veterinärmediziner oder eben Apotheker, an zivilen Universitäten in ganz Deutschland statt.

 

Das Studium beginnt bereits als Gefreiter nach einer dreimonatigen allgemeinmilitärischen Basisausbildung. In einer der ersten drei Semesterferien erfolgt ein Offizierlehrgang, bei dem die angehenden Sanitätsoffizieranwärter lernen sollen, Menschen zu führen und auch unter außergewöhnlichen Belastungen verantwortungsvoll zu handeln und sichere Entscheidungen zu treffen. Für Plato war dies jedoch nicht genug: »Ich habe ich mich zusätzlich für freiwillige Truppenpraktika während der Semesterferien gemeldet. Ich wollte die Truppe auch außerhalb von Lehrgängen kennenlernen. Denn Offiziere des Sanitätsdienstes sind nicht nur als Spezialist ihres Fachgebietes gefordert, sondern auch als Manager und militärische Führer.«

 

Während des Studiums sind die Sanitätsoffizieranwärter beurlaubt und sind dadurch zum Beispiel nicht verpflichtet, in einer Kaserne zu wohnen. Sie erhalten unentgeltliche truppenärztliche Versorgung und bereits zu Beginn des Studiums ein Ausbildungsgehalt von derzeit circa 1560 Euro netto (Stand 2011).

 

»Verwendung auf Dienstposten«

 

Je nach Bedarf gibt es pro Jahr zwischen 10 und 15 Plätze für Pharmaziestudenten bei der Bundeswehr. Plato begann seinen Werdegang mit sieben weiteren Pharmaziestudenten. Als Sanitätsoffizier muss er regelmäßig mit Auslandseinsätzen rechnen. »Als ich anfing, lag das noch in weiter Ferne. Auch heute ist es noch immer schwer vorstellbar. Aber ich war mir ja von Anfang an darüber im Klaren und stehe jetzt auch dazu.« Die Aufgaben als Apotheker und Lebensmittelchemiker im Auslandseinsatz unterscheiden sich dabei nicht wesentlich von denen in Deutschland. Es gilt, eigene Sanitätskräfte ebenso zu beraten und mit Arzneimitteln, Medizinprodukten oder Medizingeräten zu versorgen wie die Sanitätseinrichtungen der Bündnispartner. Darüber hinaus zählen verschiedenste Logistikaufgaben zum Arbeitsalltag eines Stabsapothekers. Und schließlich werden Lebensmittel- und Trinkwasserkontrollen durchgeführt und die Einhaltung der Hygiene sichergestellt.

 

Der Sanitätsdienst der Bundeswehr verfügt unter anderem über Krankenhäuser, Bundeswehrapotheken, wissenschaftliche Institute, Sanitäts- und Lazarettregimenter sowie das Kommando Schnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst (KSES). Das KSES ist in der Lage, innerhalb kürzester Zeit an jedem Ort der Welt eine funktionsfähige mobile Sanitätseinrichtung zu betreiben. Es ist daher ein wesentliches Element, um schnell und flexibel bei Krisensituationen Hilfe leisten zu können.

 

Der Verteidigungsminister Thomas de Maizière stellte erst kürzlich fest, dass der Sanitätsdienst international einen sehr guten Ruf habe: »Andere Armeen beneiden uns um diese Fähigkeit, und darauf können wir stolz sein.« Dies ist Lob und Verpflichtung zugleich. /

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