Pharmazeutische Zeitung online
Tag der Pharmazie in Jena

Gesundheitshelden gesucht

04.10.2011
Datenschutz bei der PZ

Von Aline Rühtz / Der Tag der Pharmazie in Jena am 28. September war bis dato der Höhepunkt der neu gegründeten Nachwuchskampagne von Landesapothekerkammer und Thüringer Apothekerverband. Unter dem Motto »Helden der Gesundheit – Studier Pharmazie« luden Thüringer Apotheker und Pharmaziestudenten interessierte Schüler ein, den naturwissenschaftlichen Studiengang kennenzulernen.

Rund 500 potenzielle »Helden der Gesundheit« ließen sich von ihren Schulen freistellen und kamen an diesem Tag zur Friedrich-Schiller-Universität Jena. Mithilfe von Vorträgen und interaktiven Informationsständen konnten sie sich einen ersten Eindruck vom Studium der Pharmazie und dem Beruf des Apothekers verschaffen. Bereits der erste Beitrag des Abiturientenforums zum Thema »Wie werde ich Apotheker« lockte so viele Schüler aus den Klassenstufen 10 bis 12 in den Hörsaal der Universität, dass einige nur noch Platz auf den Treppenstufen fanden.

Nachdem die Jugendlichen über Aufbau und Ablauf des Studiums informiert wurden, folgte ein Vorgeschmack auf einige Vorlesungsinhalte. Unter dem Titel »Entdecken und erkennen, was gesund macht« nahmen die Jenaer Profes­soren Dr. Thomas Winckler (Pharmazeutische Biologie) und Dr. Oliver Werz (Pharmazeutische/Medizinische Chemie) die Zuhörer mit auf eine Reise von der Weidenrinde bis hin zur Acetylsalicylsäure. Anschließend verriet Apothekerin Silvia Grabs, wie man vom Arzneistoff zur Tablette kommt. »Ebenso, wie Wolle erst als Kleidung für den Menschen nutzbar wird, ist ein Arzneistoff auch erst in der entsprechenden Zubereitungsform von Nutzen«, beschrieb sie das Ziel der Galenik. Besonders gut kam bei den Jugendlichen eine Aktion von Dr. Antje Jelinek an. Anhand einer Fotostory veranschaulichte sie ein Beratungsgespräch in einer Apotheke und betonte, wie viel es dabei zu beachten gibt.

 

Pharmazie zum Anfassen

 

Anschaulichkeit und echtes Erleben spielten an diesem Tag eine große Rolle, um herauszustellen, wie Wissenschaft dazu beiträgt, gesund zu machen. Da die Veranstaltung auf ein Projekt der Fachschaft Pharmazie in Jena im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2011 zurückging, war jeder der elf Informationsstände auch mit mindestens zwei Studenten besetzt. Sie standen den Jugendlichen mit Rat und Tat zur Seite und halfen bei den praktischen Versuchen. Daneben profitierten die Schüler von der beruflichen Erfahrung und der Motivation der insgesamt 60 Apotheker, die ebenfalls an den Ständen anzutreffen waren.

Ein Quiz, das zu jedem Infoposten eine Frage beinhaltete, diente als roter Faden für die Teilnehmer und weckte ihre Neugier, sich mit jeder Station auseinander zu setzen.

 

»Mir gefielen alle Informationsstände sehr gut. Aber am besten fand ich persönlich den Stand »Arzneistoffprüfung«, wo man mit analogen und digitalen Refraktometern den Brechungsindex von verschiedenen Flüssigkeiten messen durfte«, berichtete der Zwölftklässler Daniel Käfer aus Arnstadt, der sich bereits für ein Pharmaziestudium entschieden hat. Auch aufseiten der Apotheker war die Begeisterung der Jugendlichen zu spüren. Sabine Kratky von der Markt-Apotheke Saalfeld betreute den Stand »Soziale Verantwortung« und sagte gegenüber der PZ: »Das Interesse war sehr groß. Auf Fragen ließen sich die Schüler gerne ein und oft kam es zu langen Gesprächen über den Apothekenalltag.«

Am Stand »Information und Beratung bei der Arzneimittelabgabe« versuchten die Abiturienten, Wechselwirkungen zwischen Arznei- und Nahrungsmitteln zu erraten und nutzen die Möglichkeit, sich über die korrekte Einnahme der Antibabypille zu informieren.

 

Mitmachen lohnte sich auch an all den anderen Infotheken, beispielsweise zum Thema »Arzneimittelherstellung«, »Besondere Arzneiformen« oder »Phytopharmaka«. An Letzterer galt es, die Inhaltsstoffe einer Teemischung zu identifizieren oder anhand des Geruchs Salbeiöl von Pfefferminzöl zu unterscheiden.

 

Zeit zum Aufklären

 

Am Nachmittag öffnete der Jenaer Campus seine Türen für alle Gesundheitsinteressierten und bot den Besuchern mehrere öffentliche Vorträge an. ABDA-Vizepräsident Friedemann Schmidt moderierte den Informationsnachmittag mit verschiedenen Beiträgen zu Doping, Rauchen und der Gefahr des Geschäftsmodells Kaffeefahrt. Am »Tatort Kaffeefahrt – Nur echt macht gesund«, schlüpfte Polizeikommissar Bernhard Stitz in die Rolle der Betrüger, um typische Methoden der Verbrauchertäuschung eindrucksvoll darzustellen.

Die Sportler unter den Zuhörern kamen anschließend bei Apothekerin Dr. Anja Scheiff auf ihre Kosten und erhielten Informationen über den regelgerechten Einsatz von »Arzneimittel(n) im Freizeitsport: Alles Doping oder was?«. Zum Abschluss bildeten die Frankfurter Professoren Dr. Theo Dingermann und Dr. Dieter Steinhilber eine Brücke zwischen Wissenschaft und Aufklärung mit ihrem Vortrag »Geh’n wir eine rauchen? – George Harrison: Opfer des Blauen Dunsts«.

 

Aufgrund der sehr großen und durchweg positiven Resonanz, planen die Veranstalter, den Tag der Pharmazie bald zu wiederholen. Um den Ausbau des Jenaer Instituts zu fördern und dem Nachwuchsmangel an Apothekern in Thüringen entgegenzuwirken, sei eine kontinuierliche Arbeit nötig. »Wir wollen Interesse am vielseitigen Studium, am Beruf des Apothekers und dessen abwechslungsreichen Tätigkeiten und Einsatzmöglichkeiten wecken«, fasst Danny Neidel, Geschäftsführer der LAK Thüringen, das Ziel der Informationskampagne zusammen. /

Mehr von Avoxa