Pharmazeutische Zeitung online
Makuladegeneration

Neues zur Therapie der AMD

26.09.2017
Datenschutz bei der PZ

Von Annette Mende, Berlin / Die Behandlung der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD) richtet sich nach der Unterform der Erkrankung. Während die feuchte AMD mit Injektionen von Hemmstoffen des Wachstumsfaktors VEGF in den Augapfel gut kontrollierbar ist, fehlen bei der trockenen Form wirksame Therapien. Bei beiden Formen gibt es aber Neuigkeiten in der Pipeline.

Eine AMD beginnt typischerweise mit leichten Sehstörungen; Patienten haben Schwierigkeiten beim Lesen, können Gesichter schlecht erkennen oder sehen gerade Linien leicht verzerrt. »Dies sind Warnzeichen, die Betroffene nicht auf ihr Alter schieben sollten, sondern die sie direkt zu ihrem Augenarzt führen sollten«, sagte Privatdozentin Dr. Monika Fleckenstein von der Universitäts-Augen­klinik Bonn bei einer Pressekonferenz im Vorfeld des Jahreskongresses der Deutschen Ophthalmologischen Gesell­schaft in Berlin. Im Frühstadium der AMD sieht der Ophthalmologe im Auge sogenannte Drusen, Zusammen­lagerungen von Zell-Abbauprodukten unter der Netzhaut, die charakteristisch für die Erkrankung sind.

Häufige Injektionen

 

Schreitet die AMD weiter fort, kommt es bei der feuchten oder auch exsudativen Form zu einer Neubildung von ­Gefäßen unter oder in der Netzhaut des Auges, aus denen Flüssigkeit in die Netzhaut eintritt. Die Gefäßneubildung lässt sich durch die Injektion von VEGF-Hemmstoffen verhindern, allerdings nur, wenn diese regelmäßig angewendet werden. »Bei den meisten Patienten muss die Therapie dauerhaft alle vier bis acht Wochen erfolgen«, sagte Fleckenstein. Die häufigen Termine beim Augenarzt stellen eine große Belastung für den Patienten selbst und für ihn begleitende Angehörige dar.

 

Größere Abstände zwischen den Injektionen wären also wünschenswert – und sind in vielen Fällen auch möglich. Das sogenannte Treat-and-Extend-­Behandlungsschema verfolgt diesen Ansatz. »Dabei verlängern wir die Intervalle zwischen den Behandlungen so lange, wie wir keine erneute Flüssigkeitsansammlung zwischen den Sinneszellen der Netzhaut sehen können«, informierte Fleckenstein. Die Resultate des zunehmend auch in Deutschland praktizierten Ansatzes entsprechen laut der Augenärztin denen der herkömmlichen Therapie.

 

Auch die Entwicklung von neuen Wirkstoffen hat das Ziel, die Anzahl der erforderlichen Injektionen zu verringern. Erreichbar sei dies etwa durch eine kleinere Molekülgröße und somit bessere Gewebegängigkeit, wodurch sich die Konzentration des Wirkstoffs am Zielort erhöht. Auch eine höhere Bindungsaffinität zum VEGF-Rezeptor kann die Wirkdauer verlängern. Fleckenstein nannte Brolucizumab (RTH258) von Novartis und Abicipar Pegol von Allergan als Arzneistoffkandidaten, die diese Prinzipien nutzen. Novartis habe kürzlich Daten veröffentlicht, wonach in Studien mit Brolucizumab gut die Hälfte der behandelten Patienten nur alle zwölf Wochen Injektionen benötigte.

 

In 85 Prozent der Fälle geht die Frühform der AMD allerdings nicht in die feuchte, sondern in die trockene Spätform über. Ihr Kennzeichen ist ein stellenweiser Pigmentverlust. »Er verleiht der Netzhaut das Aussehen einer Landkarte, weshalb man von einer geografischen Atrophie spricht«, erklärte Fleckenstein. Im weiteren Verlauf der Erkrankung sterben die Sinneszellen in diesen umschriebenen Arealen, die sich immer weiter ausdehnen, ab. »Damit verbunden ist eine zunehmende Einschränkung der zentralen Sehfähigkeit, die sich typischerweise als grauer Fleck im zentralen Gesichtsfeld äußert«, so die Expertin.

 

Noch kein Durchbruch

 

Trotz intensiver Forschung konnte bei der trockenen AMD bislang noch kein Durchbruch erzielt werden. »Primäres Ziel laufender Studien ist es, die Ausdehnung der geografischen Atrophie zu bremsen«, sagte Fleckenstein. Ein Ansatz hierzu sei etwa die Hemmung von Entzündungsreaktionen, die über das Komplementsystem vermittelt werden, das Teil des unspezifischen Immun­systems ist. Als Beispiel nannte Fleckenstein den Arzneistoffkandidaten APL-2 von Apellis, einen Inhibitor des Komplementfaktors C3.

 

Schon weiter in der Entwicklung ist Lampalizumab von Roche, ein gegen den Komplementfaktor D gerichtetes Antikörperfragment. »Hier gab es allerdings vor Kurzem enttäuschende Ergebnisse der Zwischenauswertung einer Phase-III-Studie.« Da der Wirkstoff in der SPECTRI-Studie den Wirksamkeitsendpunkt nicht erreichte, steht die Weiterentwicklung nun auf der Kippe. Sie hängt von den ­Ergebnissen einer weiteren Phase-III-­Studie mit Lampalizumab ab, die im ­November erwartet werden (lesen Sie dazu auch Trockene AMD: Lampalizumab enttäuscht in Phase III). /

Mehr von Avoxa