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COPD

Therapie auch ohne Steroide

23.09.2014
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Von Rolf Thesen / Werden Patienten mit einer schweren chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) gleichzeitig mit einem lang wirksamen β-2-Sympathomimetikum (LABA) und einem lang wirksamen Muskarin-Ant­agonisten (LAMA) behandelt, kann die Therapie mit inhalativen Stero­iden ausschleichend beendet werden, ohne dass es zu einer Zunahme der COPD-Exazerbationen kommt.

 

Das ist das Ergebnis einer randomisierten Studie, deren Ergebnisse im Fach­magazin »New England Journal of Medicine« veröffentlicht sind. Allerdings gibt es einen Wermutstropfen: Es kam zu einem allmählichen Abfall der Lungenfunktion (FEV1). An der WISDOM-Studie (Withdrawal of Inhaled Steroids during Optimized Bronchodilator Management) nahmen 2485 Patienten mit schwerer COPD teil. Studienziel war es, zu untersuchen, wie sich das allmäh­liche Ausschleichen einer Steroidtherapie auf die Exazerbationen bei der COPD auswirkt.

Alle Patienten erhielten zunächst über sechs Wochen eine inhalative Tripeltherapie, bestehend aus dem LAMA Tiotropium, dem LABA Salmeterol und dem Steroid Fluticason. In der anschließenden Randomisierungsphase setzte die eine Hälfte die Dreifachtherapie in der gleichen Dosierung fort, die andere Hälfte dagegen setzte das Steroid Fluticason langsam ab. Der primäre Endpunkt während der zwölfmonatigen Studiendauer war die Zeit bis zu den ersten mittelschweren oder schweren COPD-Exazerbationen.

 

In beiden Gruppen kam es zu keinem wesentlichen Anstieg der Exazerbationen. Jedoch fiel bei den Patienten ohne Corticoid nach dem Ende der Ausschleichphase von Fluticason (18. Woche) die Einsekundenkapazität (FEV1) um 38 ml ab und nahm im Verlauf der Therapie weiter ab. So wurde in der 52. Woche ein Abfall auf 43 ml gemessen. Das ist ein deutlicher Hinweis auf eine mögliche Verschlechterung der Lungenfunktion.

 

Individuell entscheiden

 

Bei COPD-Patienten mit häufigen Exazerbationen wird in der Regel eine Behandlung mit inhalativen Corticoiden in Kombination mit lang wirksamen Bronchodilatatoren empfohlen. Jedoch ist der Vorteil des inhalierten Corticoids neben zwei lang wirkenden Bronchodilatatoren nicht vollständig erforscht, so die Autoren der von Boehringer Ingelheim geförderten Studie.

 

Es gibt sicher Gründe, in manchen Fällen auf die Gabe eines Corticoids zu verzichten. So können, auch bei inhalativer Anwendung, insbesondere bei längerfristiger Gabe unerwünschte Wirkungen auftreten. Dazu gehören Candida-Infektionen, Veränderungen der Stimme und eine Verminderung der Knochendichte. Zudem ist nicht auszuschließen, dass Patienten unter der Therapie mit inhalativen Steroiden anfälliger sind für eine Pneumonie. Andererseits könnte, wie die Studie zeigt, durch das Weglassen des Corticoids die Lungenfunktion abnehmen, sodass im Einzelfall entschieden werden muss, ob das Corticoid auf Dauer weggelassen werden kann. /

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