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Eröffnung Apothekertag

Mut zur Veränderung

23.09.2014
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Von Christina Hohmann-Jeddi / Der Berufsstand sollte Mut zur Veränderung zeigen und seine Zukunft selbst gestalten. Diesen Appell richtete ABDA-Präsident Friedemann Schmidt zur Eröffnung des Deutschen Apothekertags an die Delegierten. Erste Schritte in eine Zukunft mit mehr Freiheit und Verantwortung seien bereits getan, nun müsse der Weg konsequent weiter­gegangen werden.

Entscheidend sei, wie man in die Zukunft blickt – voller Hoffnung oder voller Furcht, machte Schmidt in seiner Rede deutlich. Und er präferiert die Hoffnung und die Zuversicht. »Wer alle Risiken meiden will, vergibt auch alle Chancen.« Der Berufsstand habe einigen Grund zur Zuversicht, denn er hat das Privileg, die eigenen Angelegenheiten selbst debattieren und regeln zu dürfen. Wenn man sich die Situation der Apotheker als Waage vorstelle, stünden einigen großen und kleineren Problemen in der einen Schale eine Reihe von Lösungen, Erfolgen und Fortschritten in der anderen gegenüber, so Schmidt.

 

Als Probleme nannte er die überbordende Bürokratie, die Versorgungsprobleme schaffe und Kosten verursache. »Unsere erstklassige Arzneimittelversorgung droht durch überbordende Komplexität ernsthaft Schaden zu nehmen«, warnte Schmidt. An die Vertreter der Krankenkassen richtete er zudem den Appell: »Beenden Sie Ihre Politik der kleinlichen Blockade und geben Sie uns mehr Bewegungsfreiheit!« Die Forderung nach einem Abbau überflüssiger Bürokratie, mehr fachlichen Entscheidungsmöglichkeiten sowie einer angemessenen und sicheren Honorierung sei nicht nur im Sinne der Patienten, sondern auch zur Zukunftssicherung des Berufstands nötig – gerade auch in Hinsicht auf das schwindende Vertrauen junger Kollegen in die Selbstständigkeit.

 

Die Politik müsse für die Apotheker einen Rahmen schaffen, der zur Selbstständigkeit motiviert und nicht entmutigt. Immer weniger Apotheker würden junge Pharmazeuten finden, die ihre Betriebe übernehmen wollen, sagte Schmidt. Das sei die größte Herausforderung der Zukunft. In den vergangenen Jahren hänge eine Apotheken­schließung weniger mit dem eigenverantwortlichen Erfolg oder Miss­erfolg eines Apothekers zusammen. »Der anhaltende Rückgang der Apothekenzahlen ist vielmehr Ausdruck geschwundenen Vertrauens der jungen Apothekergeneration in die selbstständige Existenz«, so Schmidt. Die Politik, aber auch die Apotheker selbst müssten dieser Tendenz entgegenwirken.

 

Apotheker gestalten ihre Zukunft

 

Ein weiterer Aspekt seien Veränderungen in der Gesellschaft, die auf die Apotheker zurückwirken und auf die sich der Berufsstand sinnvoll einstellen müsse. »Verweigerung der Anpassung kann schnell zu einer existenziellen Bedrohung werden, nämlich wenn es nicht mehr gelingt, gesellschaftliche Akzeptanz für ein tradiertes Berufs­modell herzustellen«, sagte Schmidt. Auch gute Systeme wie das Arzneimittelversorgungssystem in Deutschland seien keine Selbstläufer, ihre Effizienz und Qualität müssten regelmäßig hinterfragt werden. Veränderungen in der Gesellschaft zu leugnen, sei verantwortungslos. Trotz notwendiger Anpassungen müsse an zentralen Werten festgehalten werden.

 

Mit der Leitbilddebatte des vergangenen Jahres hat die Apothekerschaft einen wichtigen Schritt in die richtige Richtung getan, machte Schmidt deutlich. »Wir sind alle gefordert, Zukunft zu gestalten, und wir haben die Herausforderung angenommen.« Das Ergebnis der Diskussion über die Zukunft der öffentlichen Apotheke, das »Perspektivpapier Apotheke 2030« wurde am Donnerstag in der Haupt­versammlung vorgestellt und zur Abstimmung vorgelegt (lesen Sie dazu Perspektivpapier: Ein klares Ja zum Leitbild).

 

Heilberufliches Netzwerk

 

Drei Punkte aus dem Perspektivpapier sind für Schmidt inhaltlich besonders bedeutend. Der erste ist das klare Bekenntnis zur Arbeit im heilberuflichen Netzwerk. Dies eröffne »den Weg in ein neues Gesundheitswesen, welches weniger als heute von Wettbewerb unter­einander und von Sektorierung und Segregation geprägt sein wird.« Durch eine funktionierende Kooperation zwischen den einzelnen Heilberufen verbessere sich auch die Versorgung der Pa­tienten. »Niemand hat Verständnis für Abschottung und Kompetenzgerangel.«

 

Ein zweiter wichtiger Punkt des Per­spektivpapiers sei das Bekenntnis zur Weiterentwicklung der Aus-, Fort- und Weiterbildung. Ein wissenschaftliches Hochschulstudium sei die Grundlage für alle Berufsfelder von Pharmazeuten, doch für die Arbeit in der öffent­lichen Apotheke müsse das Fach Klinische Pharmazie einen höheren Stellenwert bekommen. Es sei deshalb richtig, dass im Perspektivpapier die besondere Bedeutung von Therapiebegleitung und Medikationsmanagement für die Zukunfts­sicherung der öffentlichen Apotheke eine zentrale Position einnimmt, so Schmidt.

 

Ein weiterer wichtiger Punkt in dem Dokument sei die grundsätzliche Evidenzbasierung der Beratungs- und Empfehlungstätigkeit. Diese Formulierung sei häufig kritisiert worden, so Schmidt, doch er könne die Bedenken nicht teilen. »Als Naturwissenschaftler können wir gar nicht anders als evidenzbasiert zu beraten.« /

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