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Perspektivpapier

Das klare Ergebnis ist sehr wichtig

23.09.2014
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Am 18.September hat die Hauptversammlung der Deutschen Apotheker in München das Perspektiv­papier 2030 verabschiedet. Für ABDA-Vizepräsident Mathias Arnold war dies zwar ein großer Augenblick, aber am Ende doch nur eine Momentaufnahme.

PZ: Die Delegierten des Deutschen Apothekertags haben das Perspektivpapier 2030 mit nur wenigen Gegenstimmen und Enthaltungen angenommen. Haben Sie ein so eindeutiges Votum erwartet?

 

Arnold: Ich habe mir ein klares Ergebnis gewünscht, aber natürlich war ich vorher schon etwas nervös. Ein so deutliches Votum war nicht sicher.

 

PZ: Macht das eindeutige Ergebnis den weiteren Prozess einfacher?

 

Arnold: Natürlich, der Ausgang der Abstimmung stärkt uns intern den Rücken und ist gleichzeitig ein klares Signal an Politiker, Krankenkassen und Ärzte: Wir sind entschlossen, diesen Weg weiter zu gehen. Für die Außenwirkung ist dies von großer Bedeutung. Aber auch für den Berufsstand selbst ist der Beschluss der Hauptversammlung ein wichtiger Meilenstein in einem internen Konsensbildungsprozess. Er hat eine konstruktive Diskussionskultur gefördert und aus meiner Sicht ein positives Wir-Gefühl erzeugt, das wir vorher so nicht hatten.

 

PZ: Wie wird die Umsetzung des Perspektivpapiers weitergehen?

 

Arnold: Wir haben ja schon auf dem Apothekertag, unmittelbar nach dem Beschluss, mit der Anschlussdiskussion zur strategischen Umsetzung des Papiers begonnen. Mit Professor Gerd Glaeske, Andreas Köhler und dem Kollegen Professor Hartmut Derendorf hatten wir Sparringspartner, die uns wichtige Impulse gegeben haben. Jetzt werden wir die Eckpunkte für den weiteren Prozess festlegen und uns im Einzelnen über die Arbeit für die drei strategischen Themenkreise verständigen, die aus dem Papier resultieren.

 

PZ: Welche sind das?

 

Arnold: An erster Stelle steht das Medikationsmanagement. Das ergibt sich aus dem Perspektivpapier. Wir müssen aber zweitens auch über die Anforderungen an die Qualifikation von Apothekern und ihren Mitarbeitern nachdenken. Und drittens geht es um die zukünftige Struktur der Versorgung. Da­raus ergeben sich die Prioritäten für die nächsten Schritte. Hier sind die ABDA-Gremien und die hauptamtlichen Mitarbeiter in Berlin entscheidend.

 

PZ: Für viele Apotheker dürften die Inhalte des Perspektivpapiers jetzt noch ziemlich abstrakt sein, weil sie noch wenig mit dem Alltag in der Offizin zu tun haben. Welche Konsequenzen aus dem Perspektivpapier werden zuerst in der Apotheke ankommen?

 

Arnold: Medikationsanalyse und Medikationsplan werden schon bald in Apotheken angeboten werden. Die Medikationsanalyse haben wir im Sommer definiert und werden sie nun bei ARMIN in Sachsen und Thüringen testen. Wir werden aber auch die AMTS-Projekte in Niedersachsen, Westfalen-Lippe und Nordrhein nutzen, um Bausteine des Medikationsmanagements zu testen. Außerdem werden wir Software-Module für das Medikationsmanagement in Apotheken auf ihre Alltagstauglichkeit testen. Apotheker werden auch über Verträge von Landesapothekerverbänden und Krankenkassen mit Teilen des Medikationsmanagements in Kontakt kommen. Ansätze davon gibt es heute schon beim Vertrag mit der Techniker Krankenkasse über die Betreuung von Diabetikern. Er enthält auch schon Bausteine des Medikationsmanagements.

 

PZ: Die Ärzte sind nicht sonderlich glücklich über das Perspektivpapier. Wie wollen Sie die auf Ihre Seite ziehen?

 

Arnold: Uns war bewusst, dass es Widerstände gibt. Wir können bei der Entwicklung einer für den Berufsstand so wichtigen Strategie aber nicht schon im Vorhinein alle möglichen Probleme ausschließen. Wir haben unser Konzept zuerst intern abgestimmt und suchen jetzt den Dialog mit unseren Partnern. Dabei spielen die Ärzte eine ganz besondere Rolle.

 

PZ: Wie groß ist die Gefahr, dass die Aufmerksamkeit der Apotheker für das Perspektivpapier 2030 jetzt nach der Entscheidung nachlässt, weil erstmal nicht so viel passiert?

 

Arnold: Die Gefahr besteht schon. Die nächsten Schritte sind nicht so auf­regend, dass täglich darüber berichtet wird. Es wird viele interne Gesprächsrunden geben; wir werden mit Vertretern der anderen Gruppen im Gesundheitswesen reden und wir werden die einzelnen Bausteine des Medikationsmanagements entwickeln. Es wird eine große Aufgabe aller Beteiligten sein, die Aufmerksamkeit der Apotheker hochzuhalten.

 

PZ: Dann ist der Weg, der jetzt vor Ihnen liegt, größer als der, den Sie bereits zurückgelegt haben?

 

Arnold: Auf jeden Fall. Es wird jetzt noch schwieriger werden, da bin ich mir sicher. Der Zeitplan für das Perspektivpapier war transparent und nachvollziehbar, weil wir ihn vollständig selbst bestimmen konnten. Das wird bei den nächsten Schritten nicht immer so sein, weil wir auf Zusammenarbeit mit unseren Partnern angewiesen sind. Das lässt sich nicht so einfach planen. /

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