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ABDA-Spitze

»Uns gibt es nur im Doppelpack!«

24.08.2016
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Von Christina Müller und Daniel Rücker, Berlin / Nach vier Jahren wählt die Mitgliederversammlung der ABDA im Dezember erneut ihre Spitze. ABDA-Präsident Friedemann Schmidt und sein Vize Mathias Arnold kandidieren wieder. Im Gespräch mit der PZ bekennen sie öffentlich Farbe.

PZ: Im Dezember endet die Wahlperiode der ABDA. Wie fällt Ihre persönliche Bilanz aus?

 

Schmidt: Es waren vier aufregende und spannende Jahre. Insbesondere die ersten Monate waren für mich eine Achterbahnfahrt. Der Start mit dem vermeintlichen Datenklau im BMG war sehr turbulent. Zudem gab es eine Vertrauenskrise zwischen der ABDA und ihren Mitgliedern. Mit intensiver Arbeit ist es uns gelungen, eine neue Vertrauensbasis zu schaffen.

 

PZ: Werden Sie den Schwung aus den vergangenen vier Jahren mitnehmen und erneut kandidieren?

 

Schmidt: Darüber habe ich lange nachgedacht. Eine erneute Kandidatur hat Konsequenzen für mich, für meine eigene Apotheke und auch für meine Familie. Außerdem bedeutet sie das unwiderrufliche Aus meiner Arbeit für den Mitteldeutschen Rundfunk, die ich vor vier Jahren zunächst ruhen lassen musste. Ich habe mich dennoch aus vollem Herzen für eine neuerliche Kandidatur als ABDA-Präsident entschieden. Voraussetzung ist natürlich, dass mich meine eigene Mitgliedsorganisation noch einmal aufstellt. Für eine kleine Kammer wie die sächsische ist es eine große Herausforderung, wenn ihr Präsident zugleich an der Spitze der ABDA steht und deshalb für die Kammer nur begrenzt zur Verfügung steht. Dennoch stehen die Chancen gut.

 

Arnold: Auch mein Leben hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Zeit ist ein knappes Gut geworden. Ich bin aber gerne ABDA-Vize, mir macht die Arbeit richtig Spaß. Daher werde ich ebenfalls wieder kandidieren. Es reizt mich sehr, weiterzumachen. Wir haben noch einige Baustellen, da möchte ich noch einiges bewegen.

 

Schmidt: Wir treten im Grunde gemeinsam an. Mathias Arnold und ich haben uns ein gutes Netzwerk aufgebaut und sind ein eingespieltes Team. Uns gibt es nur im Doppelpack!

 

PZ: Auch beim Deutschen Apothekerverband (DAV) und der Bundesapothekerkammer (BAK) enden im Dezember die Wahlperioden. Wie wird es dort personell weitergehen?

 

Schmidt: Ich würde mich freuen, wenn wir in der Führungsmannschaft der ABDA insgesamt Kontinuität behalten. Der DAV-Vorsitzende Fritz Becker hat ja schon erklärt, dass er wieder kandidieren wird. Andreas Kiefer hat sich noch nicht festgelegt, ob er noch einmal zur Wahl zum BAK-Präsidenten antritt. Ich hoffe es aber sehr. Die Zusammenarbeit funktioniert gut, das Vertrauen ist da.

 

PZ: So harmonisch ging es bei der ABDA nicht immer zu. Wie bereits erwähnt, war das Verhältnis zwischen dem Verband und seinen Mitgliedsorganisationen in der Vergangenheit nicht gerade einfach. Wie bewerten Sie die momentane Situation?

 

Schmidt: Das Verhältnis hat sich deutlich verbessert. Wir haben das Vertrauen vor allem der Landesapothekerkammern wiedergewinnen können. Durch die besondere Doppelstruktur der ABDA haben wir es niemals leicht. Einerseits vertreten wir die wirtschaftlichen Interessen der Apotheker und ihrer Verbände, andererseits stehen wir mit den Kammern aber auch für den regulierenden Teil der Selbstverwaltung. Dies zusammenzufügen ist ein wesentlicher Teil unserer Arbeit. In diesem Punkt haben wir seit einiger Zeit sehr stabile Verhältnisse. Und das ist wichtig. Wir dürfen nicht vergessen, dass die ABDA unsere Lebensversicherung ist. Ohne diese einheitliche Organisationsform hätte der Berufsstand vermutlich keine Chance, seine Interessen durchzusetzen. Wir brauchen eine starke und stabile Vertretung.

 

Arnold: Ich sehe das ganz ähnlich. Die ABDA wird immer dann gut sein, wenn sie als Team auftritt. Das hat in den vergangenen Jahren nicht immer funktioniert, im Laufe der Zeit aber immer besser. Das liegt sicher auch daran, dass Leitung und Mitgliedsorganisationen der ABDA enger zusammengerückt sind.

 

PZ: Das im Perspektivpapier »Apotheke 2030« aufgegangene Leitbild war eines der wichtigsten Ergebnisse Ihrer Amtszeit. Verantwortlich dafür waren Sie, Herr Arnold. Was hat das Papier bewirkt?

Arnold: Sehr viel, denn schon der Prozess zu seiner Verabschiedung war ein beeindruckendes Stück gelebter Verbandsdemokratie. Einer der Höhepunkte war dabei für mich der Konvent in Berlin. Das war ein unglaubliches Erlebnis mit tollen Diskussionen, konzentrierter Arbeit und einem Ergebnis, das den Berufsstand vorwärtsgebracht hat. Das Perspektivpapier 2030 hat sich zu einer Richtschnur für all das entwickelt, was wir in Zukunft erreichen wollen. Das gilt nicht nur berufsintern, sondern auch für unsere Bewertung von gesetzgeberischen und politischen Prozessen, etwa für das E-Rezept und alle Entwicklungen, die unter den Begriff E-Health fallen. In Anträgen zum Deutschen Apothekertag werden immer häufiger Themen des Perspektivpapiers aufgegriffen. Das ist ein klares Indiz dafür, dass es in der Berufsöffentlichkeit angekommen ist.

 

PZ: Was ist Ihnen in den vergangenen vier Jahren darüber hinaus besonders gut gelungen?

 

Schmidt: Das ist eine schwierige Frage. Zufriedenheit passt nicht in ein Amt dieser Größe. Man ist niemals wirklich am Ziel und sollte sich dort auch nicht wähnen. Ich habe versucht, das Amt etwas kleiner und menschlicher zu gestalten. Es ist nicht mehr so präsidial, wie es vorher war. Dafür ist es moderner und zeitgemäßer geworden. Das gilt auch für die Zusammenarbeit von Hauptamt und Ehrenamt. Ich denke, dass mir das gut gelungen ist.

 

Arnold: Ein Meilenstein war zudem die Entscheidung für das neue Haus der ABDA. Wir haben den Beschluss Schritt für Schritt sachlich und transparent vorbereitet, und wirklich alle Mitgliedsorganisationen haben an einem Strang gezogen. Wir haben eine weitreichende Entscheidung für die Zukunft getroffen und sind überzeugt, damit das Richtige getan zu haben. Auch die ABDA-Imagekampagne ist aus meiner Sicht ein großer Erfolg.

 

PZ: Das Apothekenhonorar war ebenfalls ein großes Thema. Wie zufrieden sind Sie in diesem Punkt?

 

Schmidt: Daran müssen wir noch arbeiten. Es ist uns bisher nicht gelungen, den Geburtsfehler des Honorarmodells von 2004 zu beheben. Bis heute gibt es keinen fixen Anpassungsmechanismus, der uns Planungssicherheit gibt. Umso bemerkenswerter ist es deshalb, dass wir in den vergangenen Jahren das Honorarvolumen der Apotheker um mehrere Millionen Euro Schritt für Schritt anheben konnten, etwa über den Nacht- und Notdienstfonds. Im Moment konzentrieren wir uns darauf, die geplante Erhöhung der Vergütung für Rezepturen und Betäubungsmittel sicher durch den Gesetzgebungsprozess zu bekommen. Wenn es gelingt, wird sich auch das spürbar für die Apotheken auswirken. In der kommenden Legislaturperiode muss aber dennoch eine vernünftige Regelung für unsere Honorierung gefunden werden. Es steht außer Frage, dass wir keine weiteren vier Jahre warten können, bis dieses Problem gelöst ist. Noch wichtiger als die Honoraranpassung ist jedoch die aktuelle ordnungspolitische Stabilität. Sie hat für uns große Bedeutung. Seit Beginn der Legislaturperiode gab es kein Gesetzesvorhaben, das die öffentlichen Apotheken gefährdet hätte.

 

Arnold: Und dass derzeit niemand daran denkt, das Fremd- und ­Mehrbesitzverbot abzuschaffen, ist auch eine Leistung, die sich ABDA und Mitgliedsorganisationen auf die Fahnen schreiben können. Es ist noch gar nicht so lange her, dass dies unsere größte Sorge war. Wer die Situation der Apotheker in anderen EU-Ländern betrachtet, der weiß, wie schnell eine vermeintlich stabile Struktur komplett zerstört werden kann.

 

PZ: Welche Themen werden neben dem Apothekenhonorar und der ebenfalls zuvor angesprochenen Digitalisierung in Zukunft wichtig sein?

 

Arnold: Offen bleibt, wie sich die Europäische Union entwickelt. Obwohl die Gesundheitsversorgung der Staaten national geregelt ist, lässt die EU-Kommission keine Gelegenheit aus, sich dort einzumischen. Wir müssen wachsam bleiben, was Deregulierungs­tendenzen aus Brüssel angeht.

 

Schmidt: Oberste Priorität hat nach wie vor der ordnungspolitische Rahmen. Ich hoffe, dass keine Systemveränderung auf die politische Agenda kommt, und dass das auch so bleibt. Ein weiteres Ziel muss es sein, den Menschen nahezubringen, dass Apotheker in unserer Gesellschaft noch einige zusätzliche Aufgaben zum Nutzen der Bevölkerung erbringen könnten. Die Entwicklungen in Pharmazie und Medizin spielen uns dabei in die Karten. Vor uns liegen Jahre mit einer großen Zahl neuer Arzneimittel. Antikörper, Enzyme und Gentherapeutika verbessern die Behandlungsoptionen für viele Patienten. Mit unserem naturwissenschaftlichen Hintergrund sind wir diejenigen, die ihnen Wirkweise und Anwendung erklären können. Als Apotheker sehe ich deshalb mit großer Zuversicht in die Zukunft. /

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