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Generikamarkt

Harter Wettbewerb mit Folgen

24.09.2013  17:49 Uhr

Rabattverträge haben den Preiswettbewerb im Generikamarkt deutlich verschärft, mit spürbaren Folgen für die Unternehmen. Auf Dauer könnte das exzessive Sparen die Arzneimittelversorgung der Bevölkerung gefährden.

»Das Geschäftsmodell von Generika ist der Preiswettbewerb«, sagte Bork Bretthauer, Geschäftsführer von Pro Generika, auf einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Pharma World. Nachahmerprodukte sparen den Krankenkassen jedes Jahr 13 Milliarden Euro, dadurch dass sie billiger sind als Originalpräparate. Rabattverträge verschärfen den ohnehin bestehenden Preiswettbewerb.

»Zwei Drittel des gesamten Generikamarkts sind derzeit unter Rabattverträgen«, so Bretthauer. Durch diese werden pro Jahr zusätzlich etwa 2,1 bis 2,4 Milliarden Euro an Einsparungen erzielt. Mittlerweile sei der Druck so exzessiv, dass er die nachhaltige Arzneimittelversorgung der Bevölkerung gefährde. 10 bis 20 Prozent der Generika könne man mittlerweile nicht mehr kostendeckend anbieten, so Bretthauer. Die Hersteller reagierten mit Personalabbau und Verlagerung der Produktion ins Ausland.

 

Hersteller sprechen von staatlicher Regulation

 

Lothar Guske von der Stada AG stimmte Bretthauer zu: »Wir haben keinen Wettbewerb mehr, sondern staatliche Regulation.« Generikaunternehmen würden bereits aus finanziellen Gründen der Expopharm fernbleiben.

 

Aus Sicht der Apotheker gab ABDA-Vizepräsident Mathias Arnold zu bedenken, dass Rabattverträge einen erheblichen Mehraufwand bedeuten, wodurch für die Kernaufgaben der Apotheker wie Beratung zu Arzneimitteln keine Zeit mehr bliebe. Außerdem gebe es bei einigen Arzneimittel fachliche Bedenken gegen einen Austausch, zum Beispiel bei starken Schmerzmitteln.

 

Dem Deutschen Apothekerverband (DAV) sei die Aufgabe übertragen worden, zusammen mit dem GKV-Spitzenverband eine Aut-idem-Liste zu erstellen. Die Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker (AMK) habe eine wissenschaftlich begründete Liste von Wirkstoffen erstellt, die nicht ausgetauscht werden dürfen. Der GKV-Spitzenverband habe sich zu keiner Einigung durchringen können, weil auf der Liste Wirkstoffe vertreten waren, zu denen einzelne Kassen bereits Rabattverträge abgeschlossen hatten. »Der Verband hatte finanzielle Gründe für die Ablehnung und keine wissenschaftlichen«, sagte Arnold. Das sei kein zielführender Standpunkt. Die Verhandlungen wurden abgebrochen. Am 2. Oktober soll es eine erste Verhandlung bei der Schiedsstelle geben. Dieser Stillstand sei eine große Enttäuschung für die Patienten, sagte Bretthauer.

 

Ein Problem für die Unternehmen sei die Mehrfachausschreibung bei Rabattverträgen, erklärte Guske. Sie verschlechtere die Planbarkeit und berge zudem ein erhebliches Risiko: Wenn beispielsweise bei einer Dreifachausschreibung ein oder zwei andere Ausschreibungsgewinner ausfielen, müsste der dritte das gesamte Volumen der Kasse zu diesem Wirkstoff bedienen. Wenn die Kapazitäten dafür nicht ausreichen, drohen Vertragsstrafen. Diese Schadenersatzzahlungen belaufen sich oft auf ein Vielfaches des potenziellen Gewinns, berichtete Bretthauer. »Da überlegt man es sich mehrmals, ob man noch an einer Ausschreibung teilnimmt.«

 

Pharmazeutische Vielfalt steht auf dem Spiel

 

»Noch haben wir eine pharmazeutische Vielfalt und einen funktionierenden Markt«, sagte Guske. Doch in drei bis fünf Jahren könnte das anders aussehen. Generika wären nicht einfach plötzlich da, sondern müssten über Jahre entwickelt werden. »Wichtige Generikaentwicklungen stehen derzeit aus Kostengründen auf dem Prüfstand«, so Guske. Die Krankenkassen seien sich nicht darüber im Klaren, dass der Spardruck die Zukunft der Generika bedrohen könnte.

 

Besonders deutlich sei dies bei Biologika, deren Patente in den kommenden Jahren nach und nach auslaufen werden, machte Bretthauer deutlich. Die Entwicklung von entsprechenden Biosimilars würde etwa acht Jahre dauern und 200 Millionen Euro kosten. »Dafür müssen wir rechtzeitig Weichen stellen.« Außerdem müssten die Unternehmen die Chance bekommen, die Entwicklungskosten wieder einnehmen zu können. /

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