Pharmazeutische Zeitung online

Gastkommentar

24.09.2013
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Avanti dilettanti

Das neue Leitbild für Apotheker war das zentrale Thema dieses Apothekertages. Die Leitbild-Arbeitsgruppe der ABDA hat sicherlich Arbeit und Herzblut investiert. Allerdings blieb die Vorstellung der Ergebnisse in der – erstmals öffentlichen und per Livestream verbreiteten – Diskussion am Donnerstag vage. Ob aus strategischen Gründen, um niemanden vor vermeintlich vollendete Tatsachen zu stellen, oder weil tatsächlich noch keine konkreteren Formulierungen vorlagen, war schwer abzuschätzen. Überraschend war in jedem Fall, dass das Leitbild nur für die Kollegen in der öffentlichen Apotheke gedacht ist. Und die Standesführung hält es offensichtlich auch nicht für nötig, Vertreter der anderen Berufsfelder an der Entwicklung zu beteiligen. Schade, denn auch diese sollten ja die künftige Rolle des Offizinapothekers mittragen.

 

Damit sind wir bei einem weiteren Kritikpunkt, der von Adexas Erster Vorsitzender Barbara Neusetzer angemahnt wurde: Warum hat eigentlich niemand daran gedacht, von Beginn an die angestellten Apotheker einzubeziehen? Immerhin ein Fortschritt, dass hier als Antwort nicht zu hören war »Warum? Das macht doch keinen Unterschied«, sondern »Ja stimmt, das war ein Fehler«. Dies soll nun berücksichtigt werden, versprach ABDA-Vize Mathias Arnold, der die Arbeitsgruppe leitet.

 

Dabei stellt sich die nächste Frage: Wie wird die Diskussion weitergehen, um möglichst konstruktive Ergebnisse zu erzielen und auf dem DAT 2014 in München konsensfähig zu sein? Apotheker sind Fachleute für Arzneimittel, aber nicht unbedingt für die Entwicklung von Leitbildern. Will man nach dem Motto »avanti dilettanti« ohne professionelle Unterstützung zu solch einer langfristig tragfähigen Vision und deren Formulierung kommen? Hätte eine externe Unterstützung nicht auch die bereits angesprochenen Prozessfehler lückenhafter Beteiligung vermeiden können?

 

Schade auch, dass die Diskussion in Düsseldorf immer wieder ganz vom Thema Leitbild abschweifte und andere, sicherlich auch wichtige Fragen, aber auch zum Teil ermüdende Statements einzelner Selbstdarsteller zu thematischen Brüchen führten. Insgesamt aber ein Lob für dieses Mehr an Transparenz und Offenheit, das unbedingt fortgeführt werden sollte!

Bei der Antragsberatung waren aus Sicht der Angestellten insbesondere die Anträge zur Nachwuchsgewinnung interessant, davon zwei aus Sachsen: Hierzu muss noch einmal betont werden: Der potenzielle Nachwuchs orientiert sich auch am Vorhandensein und der Höhe gültiger und angewandter Tarifverträge! Wer meint, auf diese Standards verzichten zu können, darf sich über mangelndes Interesse nicht wundern. Zusätzliche Studienplätze sind zwar sicherlich zu begrüßen, aber ohne gute Rahmenbedingungen wandern die ausgebildeten Jungpharmazeuten in andere Bereiche ab. Schade auch, dass beim Antrag zur Ausbildung in Arzneimitteltherapiesicherheit im praktischen Jahr der Satz »Auch die Akkreditierung von Ausbildungsapotheken sollte geprüft werden« gestrichen wurde. Wenn der Berufsstand eigene Anstrengungen zur Verbesserung der Ausbildung vermeidet, aber bei Politik und Hochschulen Forderungen aufstellt, erzeugt das kein glaubwürdiges Bild.

 

Ein Antrag zur Wahl des nächsten ABDA-Präsidenten durch die Hauptversammlung auf dem Apothekertag wurde diesmal erstaunlich breit diskutiert und durch prominente Unterstützer wie die Kammerpräsidenten aus Nordrhein und Niedersachsen aus der Querulanten-Ecke geholt. Auch wenn das Ergebnis eine mehrheitliche Ablehnung war, macht dies zusammen mit anderen strukturellen Neuerungen Mut, dass sich der Berufsstand stärker öffnet, Verkrustungen hinterfragt und künftig auch die eine oder andere aufbricht. Und trotz des hohen Zeitdrucks war dieser Apothekertag insgesamt diskussionsfreudiger und hat sich auch mit unbequemen Anträgen angemessen befasst.

 

Damit angestellte Apothekerinnen und Apotheker beim DAT und im Bewusstsein der Berufspolitik künftig mehr Gewicht bekommen, möchten wir alle nichtselbstständigen Kolleginnen und Kollegen ermuntern: Engagieren Sie sich in den Kammern, lassen Sie sich als Delegierte aufstellen. Es bereichert und stärkt Sie selbst ebenso wie unsere berufsständische Demokratie!

 

Elfriede Hoffmann

ADEXA-Landesvorsitzende Baden-Württemberg, Delegierte der LAK BW

 

Ellen Oetterer

ADEXA-Landesvorstand Westfalen-Lippe, Delegierte der AK WL

 

Eva-Maria Plank

ADEXA-Fachgruppe ApothekerInnen/Landesvorstand Bayern, Delegierte der BLAK

Kontakt

ADEXA-Fachgruppe ApothekerInnen

E-Mail: fachgruppe-apotheker(at)adexa-online.de

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