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Aflibercept

Angiogenesehemmer gegen Diabetes?

24.09.2013
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Von Ulrike Viegener / Forscher der kalifornischen Stanford University haben einen molekularen Mechanismus identifiziert, der beim Diabetes eine wichtige Rolle spielt. Im Tiermodell entdeckten sie zudem, dass der Angiogenesehemmer Aflibercept genau an dieser Stelle regulierend eingreifen kann. Ihre Ergebnisse veröffentlichten sie im Fachmagazin »Nature Medicine« (doi: 10.1038/nm.3295).

Mehrere für die Aussprossung von Blutgefäßen relevante Wachstumsfaktoren werden durch Aflibercept inhibiert. Der Angiogenesehemmer legte in den letzten Monaten eine erstaunliche Karriere hin: Erst wurde im Dezember 2012 Eylea bei der feuchten Makuladegeneration zugelassen, dann folgte die Zulassung von Zaltrap beim metastasierenden Kolonkarzinom und jetzt zeichnet sich in tierexperimentellen Studien eine mögliche Wirkung bei Diabetes ab.

Wie das Team um Professor Dr. Calvin J. Kuo berichtet, wurde bereits vor einigen Jahren an Mäusen die Beobachtung gemacht, dass Angiogenesehemmer den Blutzucker senken können. Dazu passen einzelne Berichte über eine verbesserte Kontrolle der Stoffwechsellage bei Diabetikern, die wegen einer gleichzeitig bestehenden Krebserkrankung mit einem Angio­genesehemmer behandelt wurden. Der neu identifizierte Wirkmechanismus liefert eine Erklärung für diese Beobachtung: Es gibt offenbar eine Art Notprogramm, das bei Hypoxie zu einer gesteigerten Glucoseaufnahme in die Zellen führt. Das unter hypoxischen Bedingungen induzierte Protein HIF-2α stimuliert die Expression des Proteins IRS2 (Insulin Rezeptor Subs­trat 2), das bei der Aktivierung des Insulinrezeptors maßgeblich ist und die Ansprechbarkeit von Zellen auf Insulin erhöht.

 

Vor allem in der Leber kommt dieser Effekt zum Tragen: Unter Aflibercept ist am Tiermodell in der Leber eine Regression von Blutgefäßen und eine Zunahme hypoxischer Zellen zu beobachten. Die dadurch ausgelöste Aktivierung des Insulinrezeptors hat einen gesteigerten Glucoseumsatz zur Folge. Es wird vermehrt Glucose aus dem Blut abgezogen, der Blutzucker sinkt.

 

Sowohl beim Typ-1- als auch beim Typ-2-Diabetes könnte sich dieser neu entdeckte Wirkmechanismus günstig auf die Stoffwechsellage auswirken. Klinische Studien werden zeigen müssen, inwieweit das auch beim Menschen funktioniert und ob dieses Therapiekonzept eine ausbalancierte Nutzen-Risiko-Relation besitzt. /

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