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Neues Brustkrebsmittel

Beratungswissen zum Neuling Alpelisib

Seit Anfang des Monats ist mit Alpelisib ein neuer Wirkstoff für bestimmte Brustkrebspatienten im Handel. Hinsichtlich des Therapiemanagements gibt es auch für Apotheker wichtige Aspekte.
Sven Siebenand
04.09.2020  17:07 Uhr

Zugelassen ist das Alpelisib-haltige Präparat Piqray® in Kombination mit dem Antiestrogen Fulvestrant zur Behandlung von postmenopausalen Frauen und Männern mit Hormonrezeptor-positivem/HER2-negativem lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs mit einer sogenannten PIK3CA-Mutation bei Fortschreiten der Erkrankung nach alleiniger endokriner Therapie. Bei etwa 40 Prozent der Mammakarzinome mit den Eigenschaften HR+/HER- tritt im fortgeschrittenen Stadium eine solche Mutation auf, unter Umständen können bei einem Patienten sogar mehrere verschiedene davon vorliegen.

Die Phosphoinositid-3-Kinase (PI3K) reguliert einen wichtigen Stoffwechselweg im Körper. Kommt es im Gen für PIK3CA, einer katalytischen Untereinheit des Enzyms, zu einer Mutation, nimmt das daraus resultierende Protein die Eigenschaften eines Onkoproteins an, wodurch das Tumorwachstum beschleunigt wird. Alpelisib bindet an die mutierte α-Untereinheit der PI3K, hemmt die Funktion des Proteins und bremst damit nachfolgende Reaktionen im Signalweg.  Neben einer gesteigerten Proliferation und einer reduzierten Apoptose führt die PI3K-Aktivierung auch zur Translokation des Glucose-Transporters und einer gesteigerten Glucose-Aufnahme in die Zellen. Dieser Prozess wird unter Einnahme von Alpelisib ebenfalls gestört, was sehr häufig bei den Patienten den Blutzuckerspiegel deutlich ansteigen lässt.

Bei einer Pressekonferenz des Herstellers Novartis sprach Professor Dr. Tjoung-Won Park-Simon, Leiterin des Gynäkologischen Krebszentrums an der Medizinischen Hochschule Hannover, von einer zu erwartenden Zielmolekül-getriggerten Nebenwirkung. »Es kommt sozusagen zu einer therapieinduzierten Insulinresistenz«, fasste die Medizinerin zusammen. Daraus ergebe sich auch, dass die Patienten nicht mit Insulin oder einem insulinotropen Antidiabetikum behandelt werden sollten. Stattdessen plädierte Park-Simon dafür, bevorzugt Metformin einzusetzen, möglich seien zum Beispiel auch SGLT-2-Hemmer.

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