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Geschäftsbilanz

Kein Buch mit sieben Siegeln

28.09.2010  15:11 Uhr

Von Guido Michels / Die Geschäftsbilanz stellt zusammen mit der Gewinn- und Verlustrechnung den ökonomischen Erfolg eines Unter­nehmens dar. Um ihren Erkenntniswert zu erschließen, sollten Apotheker den Aufbau und die Struktur einer Bilanz kennen.

Die Bilanz stellt den Abschluss der Buchführung für ein Geschäftsjahr da. Sie wird für alle Unternehmen in einer einheitlichen Struktur dargestellt. Die linke Seite der Bilanz wird mit Aktiva, die rechte mit Passiva bezeichnet. Die Summe aller Positionen muss auf beiden Seiten gleich sein.

 

Die Abbildung zeigt das Aufbauschema einer Bilanz und ein Zahlenbeispiel. Auf der Aktivseite stehen die Vermögenswerte des Unternehmens, oder, anders interpretiert, wofür das Kapital verwendet wird. Zum Anlagevermögen gehören Gegenstände, die dem Unternehmen auf Dauer dienen. Bei einer Apotheke gehören zum Beispiel die Einrichtung, Kraftfahrzeuge oder der Firmenwert dazu. Das Umlaufvermögen hingegen setzt sich zusammen aus Gütern, die weiterveräußert werden sollen, beziehungsweise die schnell umgeschlagen werden. Das klassische Beispiel hierfür ist das Warenlager. Auch Forderungen, etwa Geldforderungen gegenüber dem Rechenzentrum, und Geldmittel zählen dazu. Naturgemäß ändert sich die Zusammensetzung des Umlaufvermögens ständig, in die Bilanz werden die stichtagsbezogenen Werte aufgenommen.

 

Die Passivseite zeigt das Kapital, mit dem das Unternehmen wirtschaftet. Nach Herkunft der Mittel wird in Eigenkapital und Fremdkapital unterschieden. Das Eigenkapital besteht vor allem aus dem vom Unternehmer eingebrachten Kapital. Es wird durch die erwirtschafteten Gewinne der Apotheke erhöht. Das Fremdkapital umfasst die Schulden bei Dritten. Hierbei werden noch langfristige Verbindlichkeiten wie langfristige Darlehen und kurzfristige Verbindlichkeiten wie Lieferanten­kredite unterschieden.

 

Kennzahlen bilden und verstehen

 

Mit Hilfe der Bilanz lassen sich einige Kenzahlen bilden, die weitergehende Informationen über die Wirtschaftlichkeit der Apotheke liefern. So gibt das Verhältnis von Eigen- oder Fremdkapital zum Gesamtkapital Anhaltspunkte für die Stabilität und die Kreditwürdigkeit der Apotheke. Eine weitere Kennzahl ist der Anlagendeckungsgrad. Dieser zeigt, wie viel Prozent des Anlagevermögens langfristig finanziert sind. Eine vollständige Deckung des Anlagevermögens durch das Eigenkapital würde eine weitgehende Unabhängigkeit von Kapitalgebern bedeuten. Dieser Fall kommt in der Praxis aber nur sehr selten vor. Außerdem muss für die Betriebsbereitschaft der Apotheke auch der größte Teil des Warenlagers langfristig finanziert sein. Sinnvoller ist also die Verwendung der Anlagendeckung II als Kennzahl. Anzustreben ist ein Wert von über 100 Prozent.

 

Liquiditätskennzahlen geben Auskunft über die Zahlungsfähigkeit. Bei der Liquidität 1. Grades werden die flüssigen Mittel von zum Beispiel Kasse und Bank und die kurzfristigen Verbindlichkeiten, zum Beispiel Kontokorrentkredit, Verbindlichkeiten gegenüber Lieferanten, ins Verhältnis gesetzt. Dies wird bei der Liquidität 2. Grades noch um die kurzfristigen Forderungen wie gegenüber den Rechenzentren ergänzt. Mangelnde Liquidität ist eine häufige Ursache von Insolvenzen, zu hohe Liquidität hingegen bedeutet Rentabilitätseinbußen. Da der Apotheker aber theoretisch jederzeit aus dem Privatvermögen dem Unternehmen Mittel zuführen kann, ist eine Gesamtaussage nur möglich, wenn Betriebs- und Privatbereich zusammen betrachtet werden.

 

Rentabilitätskennzahlen dienen zur Erfolgskontrolle. Bei der Eigenkapital- und Umsatzrentabilität werden die jeweiligen Werte ins Verhältnis zum Gewinn gesetzt. Der Apotheker erkennt anhand der Eigenkapitalrentabilität, ob seine eingesetzten Mittel mehr oder weniger rentabel sind als andere Kapitalanlagen. Die Umsatzrendite zeigt an, wie viel Gewinn von einem Euro Umsatz übrig bleibt. Ein Überblick über wichtige Kennzahlen findet sich im folgenden Kasten.

Kennzahlen im Überblick

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Eigenkapitalquote = Eigenkapital x 100 : Gesamtkapital

statischer Verschuldungsgrad = Fremdkapital x 100 : Eigenkapital

Anlagendeckungsgrad I = Eigenkapital x 100 : Anlagevermögen

Anlagendeckungsgrad II = (Eigenkapital + langfristiges Fremdkapital) x 100 : (Anlagevermögen + Warenlageranteil)

Liquidität 1. Grades = Zahlungsmittel x 100 : kurzfristige Verbindlichkeiten

Liquidität 2. Grades = (Zahlungsmittel + kurzfristige Forderungen) x 100 : kurzfristige Verbindlichkeiten

Eigenkapitalrentabilität = Gewinn x 100 : Eigenkapital

Umsatzrentabilität = Gewinn x 100 : Umsatz

 

In allen Fällen ist zu beachten: Bei Bilanzzahlen handelt es sich immer um eine statische Vergangenheitsbetrachtung. Die Situation kann sich vom Bilanzstichtag bis zum aktuellen Zeitpunkt verändert haben. Besonders für die kurzfristig orientierte Analyse der Liquidität müssen noch andere Instrumentarien genutzt werden. Auch ist festzuhalten, dass nicht nur die isolierte Kennzahl, sondern auch der Vergleich mit anderen Unternehmen dem Apotheker entscheidende Informationen liefert. Was einen »guten« oder »schlechten« Wert darstellt, ist von Apotheke zu Apotheke unterschiedlich. Letztlich müssen neben den Kennzahlen auch andere Quellen sowie die Situation im Betrieb und Privatbereich beleuchtet werden, will man ein Unternehmen beurteilen und Handlungsstrategien für die Zukunft entwickeln. /

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