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Herz-Rhythmus-Störungen

Wenn Viren aufs Herz schlagen

25.09.2008
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Herz-Rhythmus-Störungen

Wenn Viren aufs Herz schlagen

Von Daniela Biermann

 

Schon länger war bekannt, dass Virusinfektionen Herz-Rhythmus-Störungen auslösen können. Aber wie? Das fehlende Puzzleteil scheint ein Rezeptor mit bisher unbekannter Funktion zu sein.

 

CAR nennt sich ein Protein, über das Viren ins Herz eindringen können. Die Abkürzung steht für den Cosackievirus-Adenovirus-Rezeptor, benannt nach eben diesen Viren. Er sitzt zwischen den Zell-Zell-Kontakten (Tight Junctions) spezialisierter Herzmuskelfasern. Welche Funktion er allerdings im gesunden Organismus hat, war bisher unbekannt.

 

Um das herauszufinden, schalteten die Berliner Wissenschaftler um Professor Dr. Michael Gotthardt das CAR-Gen in Mäusen aus. Die Labortiere entwickelten daraufhin eine Herz-Rhythmus-Störung. «Das ist eine interessante Beobachtung», sagt Gotthardt, «da diese speziellen Zell-Zell-Kontakte bisher nicht mit Herz-Rhythmus-Erkrankungen in Verbindung gebracht worden sind.» Laut den Forschern funktioniert die Übertragung des elektrischen Signals von den Vorhöfen auf die Herzkammern bei den Knock-out-Mäusen nicht mehr. CAR scheint also eine entscheidende Rolle bei der Weiterleitung zu spielen.

 

Im nächsten Schritt überprüfen die Forscher, ob sich das Experiment von Mäusen auf Menschen übertragen lässt und gehen den umgekehrten Weg. Sie wollen bei Patienten mit Herz-Rhythmus-Störungen untersuchen, ob die CAR blockiert sind. Ist dies der Fall, könnten Viren die Ursache sein. «Die Störungen müssen jedoch nicht immer mit einer Virusinfektion zusammenhängen», sagt Gotthardt. «Auch körpereigene Antikörper, die sich gegen CAR richten, könnten die Krankheit auslösen.» Ihre Ergebnisse haben die Wissenschaftler im Fachjournal «Journal of Experimental Medicine» veröffentlicht (Doi: 10.1084/jem.20510iti3).

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