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Arzneiverordnungsreport

Apotheker helfen beim Kostendämpfen

22.09.2008
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Arzneiverordnungsreport

Apotheker helfen beim Kostendämpfen

Von Martina Janning, Berlin

 

Trotz Preissenkungen seien deutsche Generika noch immer sehr teuer, sagen die Herausgeber des Arzneiverordnungsreports 2008. Sie sehen bei den Nachahmerpräparaten weiteres Einsparpotenzial für die Kassen, ebenso wie bei den patentgeschützten Medikamenten.

 

Im Jahr 2007 haben die Krankenkassen deutlich mehr für Arzneimittel ausgegeben. Nachdem die Kosten im Jahr 2006 lediglich um 1,8 Prozent gestiegen waren, kletterten sie im vergangenen Jahr um 6,7 Prozent auf 27,8 Milliarden Euro. Sie trugen wie kein anderer Posten dazu bei, dass die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) um 3,7 Prozent auf 153,6 Milliarden Euro wuchsen, sagte Professor Dr. Ulrich Schwabe, Herausgeber des Arzneiverordnungsreports 2008 (AVR) bei dessen Präsentation in Berlin. Der Anteil der Arzneimittel an den GKV-Ausgaben hat sich laut der Analyse um 0,6 Prozentpunkte auf 18,1 Prozent erhöht.

 

Als wichtigste Ursache für den Kostenschub nannte AVR-Herausgeber Dr. Dieter Paffrath die hohen Preise bei patentgeschützten Arzneimitteln: »Sie wurden nicht mehr verordnet, sondern sind lediglich teurer geworden«, erläuterte Paffrath, der Vorstandsvorsitzender der AOK Schleswig-Holstein ist. Diese sogenannte Strukturkomponente machte im Jahr 2007 rund 4,5 Prozent oder 1,1 Milliarden Euro aus. Die erhöhte Mehrwertsteuer schlug zudem mit 763 Millionen Euro zu Buche. Generika verhinderten einen noch größeren Anstieg der Arzneimittelkosten, vor allem durch Preissenkungen bei den Festbeträgen. Während patentgeschützte Arzneimittel um 2,7 Prozent teurer wurden, sanken die Preise von Generika um 5,1 Prozent.

 

Dennoch: Deutsche Generika seien im internationalen Vergleich immer noch zu teuer, kritisierten die AVR-Herausgeber. »Wenn wir englische Generikapreise hätten, könnten wir mindestens 3,4 Milliarden Euro einsparen«, sagte Schwabe. Zum Beispiel koste ein preiswertes Generikum des Cholesterinsenkers Simvastatin in Deutschland 13,77 Euro, in Großbritannien aber nur 1,80 Euro. Der deutsche Preis sei größtenteils durch Steuern von 2,20 Euro und den Apothekenfestzuschlag von 8,10 Euro bedingt, erklärte der Pharmakologe. Aber auch ohne diese Kosten sei der verbleibende Preis von 3,47 Euro immer noch doppelt so hoch wie in Großbritannien. Schwabe: »Dagegen wirken die mit deutschen Generikapreisen berechneten Einsparungen von 996 Millionen Euro recht bescheiden.«

 

Großes Sparpotenzial

 

Der Report weist auch patentgeschützten Arzneien in Deutschland eine Spitzenposition im internationalen Preisvergleich zu. So kosteten TNF-Antagonisten zur Rheumatherapie hierzulande 66 Prozent mehr als in den USA und die neuen HPV-Impfstoffe gegen Gebärmutterkrebs seien fast doppelt so teuer wie in Amerika. »Wenn patentgeschützte Arzneimittel mit amerikanischen Preisen am Markt wären, ließen sich allein für zwei Arzneimittelgruppen 320 Millionen Euro sparen«, sagte Schwabe. Bei den Analogpräparaten betrügen die Einsparmöglichkeiten 1,3 Milliarden Euro.

 

Alles in allem kommt der Report auf ein Sparpotenzial von 5,6 Milliarden Euro. Dadurch ließen sich die Beitragssätze zur gesetzlichen Krankenversicherung um 0,6 Prozent senken, betonten die AVR-Herausgeber.

 

Um Preissenkungen bei patentgeschützten Arzneimitteln zu initiieren, forderten Schwabe und Paffrath eine »vierte Hürde« neben den Nachweisen für Sicherheit, Wirksamkeit und Qualität. Wie schon in anderen Ländern üblich, sollten Krankenkassen die Kosten neuer Arzneimittel erst erstatten, wenn zuvor eine Kosten-Nutzen-Bewertung stattgefunden hat. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) zeigte sich offen für diesen Vorschlag.

 

Als Vorbild verwies sie auf die Schweiz. Hier dürften Ärzte nur Arzneimittel mit nachgewiesenem Nutzen zu Lasten der gesetzlichen Kassen verordnen und Pharmafirmen müssen Geld zurückerstatten, wenn sich nach der Zulassung herausstellt, dass der Preis eines Medikaments im Vergleich zum Nutzen zu hoch angesetzt worden war. Für das Jahr 2009 erwartet Schmidt eine weitere Steigerung der Arzneimittelausgaben um 6,6 Prozent. Das entspricht zwei Milliarden Euro.

 

Die ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände hat anlässlich des Arzneiverordnungsreports 2008 darauf hingewiesen, dass die Apotheker in Deutschland erheblich dazu beigetragen haben, die Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenkassen zu dämpfen. Konkret nannte die ABDA das konsequente Umsetzen der Rabattverträge zwischen Kassen und Pharmafirmen sowie die Abgabe von preiswerten Generika.

 

Eine Studie des Deutschen Arzneiprüfungsinstituts belegt dies: Bei den fünf Volkskrankheiten Diabetes, Osteoporose, Depressionen, Herz-Kreislauf- und Magenerkrankungen nahm die Zahl der abgegebenen Packungen zwischen 2005 und 2007 um durchschnittlich sechs Prozent jährlich zu. Der Umsatz sank jedoch trotz Mehrwertsteuererhöhung im Schnitt um ein Prozent pro Jahr.

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