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Wie Feinstaub das Herz belastet

25.09.2007
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Wie Feinstaub das Herz belastet

Von Christina Hohmann

 

Bei hohen Feinstaub-Konzentrationen in der Umwelt treten vermehrt Schlaganfälle und Herzinfarkte auf. Wie aber die in der Lunge gefangenen Teilchen das Herz schädigen, blieb bislang unklar. Jetzt entdeckten Forscher den entscheidenden Zusammenhang.

 

An Tagen mit erhöhten Schadstoffkonzentrationen in der Luft steigt für vorbelastete Personen das Risiko für Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen oder Schlaganfall. Um die pathogene Wirkung von Feinstaub für das Herz zu untersuchen, verwendeten Gökhan Mutlu von der Northwestern University Feinberg School of Medicine in Chicago und seine Kollegen ein Tiermodell. Sie verdünnten Feinstaub, der in einer Messstation gesammelt worden war, mit Kochsalzlösung und injizierten die Lösung Mäusen in die Lungen. Die Schmutzpartikel führten zu einer Entzündung in den Lungen. Im entzündeten Gewebe produzierten Makrophagen verstärkt Interleukin-6, dessen Konzentration innerhalb von 24 Stunden um den Faktor 15 anstieg, berichten die Forscher im »Journal of Clinical Investigation« (Doi: 10.1172/JCI30639).

 

Als Folge der hohen Interleukin-6-Werte stieg die Gerinnbarkeit des Blutes: die Blutungszeit verkürzte sich, die Plasma-Gerinnungs-Zeit nahm ab, der Fibrinogenspiegel stieg und die Aktivität der Gerinnungsfaktoren II, VIII und X nahm zu. Die verstärkte Blutgerinnung erhöht bei Personen mit koronarer Herzkrankheit, Herzinsuffizienz oder zurückliegenden Infarkten das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.

 

»Das ist das entscheidende fehlende Puzzleteil«, sagt Mutlu. Die Inhalation von Feinstaub führt zu einer Entzündung der Lungen, die wiederum die Gerinnbarkeit des Blutes steigert. Vorgeschädigte Personen sollten sich zu Zeiten mit hohen Schadstoffbelastungen möglichst in geschlossenen Räumen aufhalten, rät der Mediziner. Die höchsten Feinstaubkonzentrationen finden sich in der Nähe großer Straßen und Autobahnen. Sport im Freien erhöht das Risiko für kardiale Probleme zusätzlich, weil das Atemvolumen bei Anstrengung zunimmt. Im Sitzen atmet ein Mensch etwa sechs Liter Luft pro Minute ein und aus, sagt Mutlu. Beim Joggen seien es dagegen 20 bis 25 Liter.

 

Mutlu weist außerdem daraufhin, dass schon geringe Feinstaubkonzentrationen das Risiko für kardiale Komplikationen erhöhen. Er hofft, dass seine Studienergebnisse Umweltbehörden dazu bewegen, die Grenzwerte für Schadstoffe zu senken.

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