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Interview

Apotheker sind verlässliche Partner

21.09.2007
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Interview

Apotheker sind verlässliche Partner

Von Daniel Rücker 

 

Das GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz ist seit April in Kraft. Im Gespräch mit der PZ zeigt sich Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt mit dem Erfolg des Gesetzes höchst zufrieden.

 

PZ: Vor gut vier Monaten ist das GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz in Kraft getreten. Sind Sie bislang mit der Umsetzung, vor allem bei Arzneimitteln zufrieden?

Schmidt: Im Arzneimittelbereich hat das Gesetz sehr viel schneller als erwartet Wirkung gezeigt. Dieser Wettbewerb bei den Arzneimittelpreisen wird dringend gebraucht, um die Versorgung der Versicherten mit Arzneimitteln auf einem hohen und zugleich bezahlbaren Niveau für die Zukunft zu sichern. Die stetige Erschließung von Wirtschaftlichkeitsreserven ist eine unverzichtbare Voraussetzung, damit teure und hochinnovative Medikamente auch weiterhin allen Versicherten zur Verfügung stehen.

 

Kassen, die solche Verträge abschließen, bezahlen weniger als den bisher üblichen Preis. Davon profitieren alle Versicherten. Die Zuzahlung kann sich dabei verringern oder sogar ganz entfallen. Für die Apotheken bedeutet dies, dass sie künftig noch mehr als bisher als Partner der Versicherten Garant für eine wirt-schaftliche Arzneimittelversorgung sind.

 

PZ: Die Apotheker haben Probleme mit den Rabattverträgen zwischen Pharmaherstellern und Krankenkassen. Die rabattierten Medikamente sind nicht in ausreichendem Maß verfügbar. Patienten müssen deshalb auf Ihre Arzneimittel länger warten. Halten Sie dies für vertretbar?

Schmidt: Gewisse Anlaufschwierigkeiten sind vorbei. Der Versorgungsanspruch der Versicherten hat eindeutig Vorrang. Ist ein Arzneimittel nicht lieferbar, erfolgt die Versorgung mit dem Präparat eines anderen Anbieters. Wir haben uns von Anfang an dafür eingesetzt, dass die Selbstverwaltung entsprechende Regelungen trifft, um den Anlaufschwierigkeiten zu begegnen. Gefordert sind die einzelnen Kassen mit guten Verträgen, die gemeinsame Selbst-verwaltung von Apotheken und Krankenkassen mit vernünftigen Rahmenregelungen, die Software-Anbieter mit einer vollständigen und richtigen Kennzeichnung in der Apothekensoftware und die einzelnen Apotheken, denen sich die Herausforderung eines anspruchsvolleren Beratungsbedarfs stellt.

 

Zur Vermeidung von Lieferengpässen wurde die »Friedenspflicht« zwischen Apotheken und Krankenkassen vereinbart, die bis zum 30. September 2007 verlängert wurde. Krankenkassen können auch Verträge mit pharmazeutischen Unternehmen wieder kündigen, wenn diese ihre Lieferverpflichtungen nicht einhalten.

 

Ich begrüße das Engagement des Apothekerverbandes, der sich für eine reibungslose Umsetzung der Regelungen zum Wohl der Versicherten einsetzt. Die Apotheken sind und bleiben verlässliche Partner der Patientinnen und Patienten.

 

PZ: Die Apothekerverbände schlagen zur Ergänzung oder als Alternative zu den Rabattverträgen Zielpreisvereinbarungen zwischen Kassen und Verbänden vor. Dann müssten diese zumindest gleichberechtigt neben den Rabattverträgen stehen. Was halten Sie von diesem Vorschlag?

Schmidt: Die Gleichwertigkeit der Möglichkeit von Rabattverträgen und Zielpreisvereinbarungen steht als Option bereits im Gesetz. Die Verantwortung, dies auch umzusetzen, liegt allein bei den Vertragsparteien. Das Ministerium kann und will weder entscheiden noch moderieren, welche Option in welcher Form genutzt wird.

Keine Aussage zum Fremdbesitz

Die PZ hatte Ministerin Ulla Schmidt natürlich auch Fragen zum EuGH-Vorlageverfahren im Rechtsstreit zwischen DocMorris/Celesio und Apothekern und deren Berufsorganisationen gestellt. Voraussichtlich in der zweiten Jahreshälfte 2008 wird der Europäische Gerichtshof entscheiden, ob das deutsche Fremdbesitzverbot EU-Recht entspricht. In ihrer Stellungnahme hatte dies die Bundesregierung eindeutig bejaht. Zu den Aussichten des Verfahrens, der Stellungnahme der Bundesregierung und möglichen Konsequenzen des Urteils für die Arzneimittelversorgung in Deutschland wollte die Ministerin jedoch keine Aussagen machen.

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