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Porträt

Apotheker im Bundestag

25.09.2007
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Porträt

Apotheker im Bundestag

Von Uta Grossmann, Berlin 

 

Juristen und Lehrer gibt es viele im Deutschen Bundestag, aber Dr. Wolf Bauer ist mit seinem Beruf ein Exot. Er ist Apotheker und macht seit zwanzig Jahren als Abgeordneter der CDU Gesundheitspolitik, nicht zuletzt auch als Fürsprecher seiner Zunft.

 

143 Juristen vertreten im Parlament die Interessen der Deutschen, aber nur zwei Apotheker. Einer von ihnen ist Dr. Wolf Bauer. Ein Glücksfall für den Berufsstand der Pharmazeuten, denn Bauer ist ein in Wissenschaft und Praxis beschlagener Vertreter der Zunft. Er war der letzte Doktorand des inzwischen verstorbenen Pharmaziehistorikers Professor Rudolf Schmitz an der Marburger Universität. Die Arbeit befasste sich mit ausgewählten Aspekten der Apothekenbetriebsordnung.

 

Mit der Praxis ist Bauer auch vertraut, von der Pike auf, sozusagen. »Ich habe in der Ausbildung in der Apotheke vor dem Examen noch gelernt, Staub zu wischen und die Standgefäße sauber zu machen«, erinnert sich Bauer. Es fällt nicht leicht, sich den stattlichen Mann mit dem schlohweißen Haar und den buschigen Augenbrauen als Vorexaminierten in einer Landpotheke vorzustellen, in der es damals noch als unanständig galt, Kondome abzugeben.

 

Wurzeln in der Kommunalpolitik

 

Seitdem hat sich die Welt verändert und der Mikrokosmos Apotheke in ihr. »Es ist ein hartes Brot geworden«, sagt Bauer. Nun könnte man meinen, ein Bundestagsabgeordneter in seinem Parlamentarierbüro im Jakob-Kaiser-Haus hinter dem Berliner Reichstag sei Welten entfernt vom Berufsalltag des Apothekers, der sich mit den Auswirkungen der Gesetze herumquält, die in den Berliner Ministerien ersonnen werden. Doch so einfach ist es nicht. Bauer mag seit vielen Jahren den Apothekerkittel mit dem Politikerjackett getauscht haben, doch seine Familie und sein kommunalpolitisches Engagement sorgen dafür, dass er die Verbindung zum Apothekenalltag und den Sorgen der Menschen nicht verliert.

 

Seine eigene, 1968 in Euskirchen eröffnete Apotheke betreibt zwar inzwischen seine Tochter, doch wenn er hin und wieder in der Offizin hinterm Handverkaufstisch gesichtet wird, kann er sicher sein, von den Kunden erkannt und auf die Probleme der Politik im Allgemeinen und des Gesundheitssystems im Besonderen angesprochen zu werden. Man kann ihn als CDU-Abgeordneten in der großen Koalition für die jüngste Gesundheitsreform samt ihren für die Apotheker beschwerlichen Auswirkungen durch die Rabattverträge verantwortlich machen, und er leugnet nicht, dass die »an sich nicht schlechte Idee« der Rabattverträge in der Umsetzung einen unglücklichen Start hatte. Welchen Ärger sie in der Apotheke verursacht haben, erzählte ihm seine Frau brühwarm beim Abendessen. Sie ist ebenso Apothekerin wie die beiden erwachsenen Kinder.

 

Frustration gehört dazu

 

Grundsätzlich hält Bauer das Modell der Zielpreisvereinbarung, wie es der Deutsche Apothekerverband vorgeschlagen hat, im Vergleich zur jetzigen Form der Rabattverträge für die bessere Alternative. Durchgedrungen ist er damit in seiner Fraktion jedoch nicht. Noch nicht. Denn was nicht ist, kann ja noch werden ­ »Politik«, sagt Wolf Bauer mit Max Weber, »ist das beharrliche und ausdauernde Bohren dicker Bretter.« Frustration gehört dazu, »wenn man unter Frustration leidet, sollte man nicht in die Politik gehen«.

 

Natürlich sei es manchmal mühsam, immer wieder auf dieselben Probleme hinzuweisen, zumal wenn das Gegenüber mit der komplexen Materie nicht vertraut ist. Ihm persönlich wäre eine schwarz-gelbe Koalition lieber, doch das heiße nicht, dass die große Koalition nicht einiges erreicht habe. »Es hätte schlimmer kommen können«, lautet das vorläufige Fazit eines Politikers, der in vielen Abgeordnetenjahren Gelassenheit gelernt hat ­ und die Fähigkeit zum Kompromiss, solange der nicht faul ist.

 

Die Gesundheitsreform ist »nicht so schlecht, wie sie gemacht wird«. Und der Bundestag hat sich für den Erhalt des Fremd- und Mehrbesitzverbotes ausgesprochen. Das war auch ein persönlicher Erfolg des Abgeordneten Bauer.

 

Grundsätzlich, darauf legt er Wert, steht er auf der Seite der Apotheker. »Die inhabergeführte, mittelständische Apotheke hat Zukunft.« Daran glaubt er und darin bestätigen ihn auch die restlichen Apotheker in seiner Familie. Seine Frau, erzählt er, sei eine Art Institution in Euskirchen. Bei ihr holen sich die Kunden Rat in allen Lebenslagen. Bauer fände es »schade für unsere Gesellschaft«, wenn die klassische Apotheke anonymen, von Kapitalgesellschaften geführten Ketten weichen sollte. Und wenn seine Tochter ihm eines Tages eröffnen würde, sie steige bei DocMorris ein? »Das würde sie niemals tun«, antwortet Bauer wie aus der Pistole geschossen. Erst kürzlich habe sie ihm versichert, sie wolle eine »klassische Apothekerin« sein, die ihre Kunden kennt und intensiv berät und betreut.

 

Bauer ist durchaus für mehr Wettbewerb im Apothekensektor. Doch den Wettbewerb »will ich bei der Beratung und beim Service sehen«, sagt er. An erster Stelle steht für Bauer die Arzneimittelsicherheit. Die Versorgungsqualität, das zeigten relevante Studien, sei in Ländern mit reguliertem Apothekenmarkt allemal besser.

 

Für die Zukunft hat Bauer noch einiges vor. »Wir müssen international gleiche Wettbewerbsbedingungen schaffen«, sagt er. Es gehe nicht an, dass es in Belgien andere Einkaufsmöglichkeiten gebe als in Deutschland. Die Mehrwertsteuer sollte harmonisiert werden. Die Apotheker selbst sollten ihr Image stärken, indem sie die Beratungsqualität in den Vordergrund stellten und untereinander enger zusammenarbeiteten. Denn: »Der schlimmste Feind des Apothekers ist der Apotheker selbst«, sagt Bauer mit Blick auf Versandhandel und Discount-Apotheken, die von Apothekern betrieben werden.

 

Zwischen Wahlkreis und Bundestag

 

Wenn die Pflichten des Bundestagsabgeordneten ihn nicht nach Berlin rufen, wo er eine »Bude« zum Übernachten hat, fährt Bauer nach Hause, denn er ist ein heimatverbundener Mensch. Zwar ist er kein gebürtiger Rheinländer, sondern kam 1939 in Steinach am Südrand des Thüringer Waldes zur Welt. Doch Euskirchen ist längst seine Heimat geworden. Er kennt die 55\ 000-Einwohner-Stadt im Dreieick zwischen Aachen, Köln und Bonn besser als mancher hier Geborene. Und man kennt ihn. Denn Bauer war seit 1980 vierzehn Jahre lang Bürgermeister von Euskirchen.

 

Seit 1994 ist er Abgeordneter des Kreistages des Kreises Euskirchen. Diese Verbindung zwischen Bundes- und Kommunalpolitik ermöglicht es dem CDU-Politiker, die Auswirkungen der »großen« Politik auf den Alltag der Menschen zu erfahren.

 

Das erfordert einen Spagat, der mit vielen Terminen verbunden ist. Als Bauer sich mit der PZ trifft, ist er gerade aus seinem Wahlkreis nach Berlin geflogen, am Nachmittag wird der Haushalt des Gesundheitsministeriums besprochen wird. Als Direktkandidat, sein Wahlkreis umfasst den Kreis Euskirchen und die Städte Brühl, Erftstadt und Wesseling, ist Bauer bereits fünfmal in den Bundestag gewählt worden. Seit 1987 ist er Abgeordneter der CDU mit Schwerpunkt Gesundheitspolitik. Er ist Mitglied des Gesundheitsausschusses und des Ausschusses für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

 

Außerdem ist er stellvertretender Vorsitzender der deutsch-zentralasiatischen Parlamentariergruppe. Zu erklären, wie es dazu kam, hieße, bei der Kindheitsbegeisterung für die Seidenstraße beginnen und bei der Ehrenbürgerschaft der russischen Stadt Astrachan und der Präsidentschaft der Deutsch-Usbekischen Gesellschaft noch längst nicht aufhören. Doch das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.

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