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Implantat fängt wandernde Tumorzellen

15.09.2015  15:34 Uhr

Von Christina Hohmann-Jeddi / Eine Art Falle für wandernde Krebszellen haben US-amerikanische Forscher entwickelt: Sie stellten ein Implantat her, das Tumorzellen aus dem Blut anlockt und bindet. Diese können dann nachgewiesen werden, um eine Krebserkrankung frühzeitig zu entdecken.

Bei Mäusen wurde das System bereits erfolgreich getestet, berichten die Forscher um Professor Dr. Samira Azarin von der University of Minnesota in Minneapolis und Professor Dr. Lonnie Shea von der University of Michigan in Ann Arbor im Fachjournal »Nature Communications« (DOI: 10.1038/ncomms9094).

Krebserkrankungen bleiben häufig lange Zeit unentdeckt und zum Teil werden sie erst erkannt, wenn Metastasen die Funktion von Organen wie Gehirn oder Lunge schädigen. Aus diesem Grund entwickelten Azarin und ihre Kollegen das tablettengroße Implantat, das eine starke Anziehungskraft für wandernde Krebszellen im Blut besitzt. Wandernde Tumorzellen siedeln sich nicht irgendwo im Körper an und bilden Metastasen aus, sondern sie bevorzugen bestimmte Stellen, die ein geeignetes Mikromilieu bieten. Dieses bereiten spezielle Immunzellen des Körpers für die Tumorzellen vor. Dies nutzten die Forscher für ihre Falle aus, indem sie das Implantat aus biokompatiblem, porösem Material mit dem Signalmolekül CCL21 überzogen. Das Molekül lockt Immunzellen an, die sich dort festsetzen und eine attraktive Nische für die Tumorzellen bilden. Dies lockt wiederum Tumorzellen an und bindet sie, wie Untersuchungen an Mäusen zeigen.

 

Die Forscher verwendeten Tiere, die an einer stark streuenden Form von Brustkrebs litten. Bereits nach zwei Wochen befanden sich Krebszellen in den Implantaten unter der Haut der Tiere, was die Forscher von außen mithilfe der optischen Kohärenz-Tomografie nachweisen konnten. Es zeigte sich auch, dass Mäuse mit Implantat deutlich seltener Metastasen entwickelten als Tiere aus der Kontrollgruppe. Die Falle fange zwar nicht ausreichend viele wandernde Krebszellen ab, um eine Meta­stasenbildung vollständig zu verhindern, vermuten die Forscher. Doch das Implantat könne in der Früherkennung von Erkrankungen und Rezidiven eingesetzt werden und zumindest die Zahl der Metastasen senken. /

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