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Molekulare Bildgebung

Berlin und Bayer treiben Forschung an

21.09.2010
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Von Nils Franke, Berlin / Radioaktive Stoffe können die Bildgebung für die Diagnostik revolutionieren. Das Unternehmen Bayer Schering will in Berlin dafür ein Zentrum zur klinischen Erforschung errichten. Darauf hofft auch das Land Berlin, das die Gesundheitswirtschaft aktiv unterstützt.

Das Pharmaunternehmen Bayer Schering will sich in der diagnostischen Bildgebung stärker aufstellen. In Berlin sei ein Zentrum zur klinischen Forschung geplant, sagte Vorstandsmitglied Professor Dr. Andreas Busch bei einer Veranstaltung des Unternehmens gemeinsam mit der Wirtschaftsfördergesellschaft Berlin Partner.

Die Bildgebung zur Diagnose, insbesondere mit soge­nann­ten Tracern, sei ein wichtiges künftiges Standbein des Unternehmens. Der am weitesten entwickelte Stoff sei Florbetaben gegen Alzheimer. Florbetaben binde an die Beta-Amyloid-Plaques im Gehirn und mache diese in der Positronen-Emissions-Tomografie (PET) sichtbar. Es befindet sich in Phase III der Entwicklung. »Ich hoffe, dass wir es bald zu einer Zulassung bringen können«, sagte Busch. Bereits 2011 sollen alle zulassungsrelevanten Daten vorliegen. Das Unternehmen erwartet Spitzenum­sätze zwischen 250 und 500 Millionen Euro.

 

Professor Dr. Gustav K. von Schulthess von der Universi­tät Zürich erklärte, die molekulare Bildgebung bilde eine Schnittstelle zwischen Technologie und Pharmazeutik. Ein Computertomograf könne zwar die Morphologie zeigen, nicht aber die Funktionen der Organe. Dies könnten Stoffwechselspione, welche ein PET sichtbar mache. Insbesondere leicht radioaktive Substanzen leisteten hier gute Dienste, da sie in millionenfach kleineren Mengen als andere Kontrastmittel eingesetzt werden könnten.

 

Radioaktives Jod in der Schilddrüse

 

Radioaktives Jod sammle sich etwa in einem Knoten der Schilddrüse und mache ihn sichtbar. Teilweise sei es sogar möglich, auf dem gleichen Wege auch zu therapieren. So könne ein veränderter Jod-Tracer in einem zweiten Schritt den Knoten in der Schilddrüse zerstören.

 

Professor Dr. Peter Schlag von der Charité Berlin unterstrich die Bedeutung der Tracer für die Onkologie. Die Metastasierung und Entwicklung von Tumoren seien mit bisherigen Tomografen nicht ausreichend feststellbar. Leider sei die PET für viele Karzinome in Deutschland nicht zugelassen, da Studien noch nicht gezeigt hätten, dass durch die bessere Erkennung auch die Lebenszeit der Patienten verlängert werde.

 

Noch sei die molekulare Bildgebung kein komplett etabliertes Verfahren im medizinischen System, erläuterte Busch. Es müsse sichergestellt werden, dass alle Akteure im Gesundheitswesen auf diesem Gebiet zusammenarbeiten. »Dieses Gebiet wird unsere Gesundheitsfürsorge, die Diagnose und die Therapie vehement nach vorne treiben.« Die Pharmaindustrie sei allerdings »ein bisschen am Sterben in Deutschland«, warnte Busch mit Blick auf die aktuelle Gesundheitspolitik. Derzeit gibt Bayer nach eigenen Angaben rund eine Milliarde Euro jährlich in Deutschland für Forschung und Entwicklung aus. »Wir sind die Deutsche Forschungsfirma. Wir sind sicherlich diejenigen, die hier am meisten ausgeben«, sagte Busch. Bayer forscht an den drei Standorten Berlin, Wuppertal und San Francisco. Der Konzern konzentriert sich neben der Diagnostischen Bildgebung auf die Gebiete Onkologie, Frauenheilkunde und Kardiologie.

Das Land Berlin hoffe sehr auf die geplante Innovationsplattform für molekulare Bildgebung, sagte die Staatssekretärin für Wirtschaft in der Berliner Senatsverwaltung, Almuth Nehring-Venus. Ein Antrag auf Fördergeld beim Bund mache deutlich, dass Bayer Schering viel Geld für das Zentrum in die Hand nehmen wolle.

 

Die Hauptstadt tut was

 

Berlin nehme auf diesem Gebiet bereits jetzt eine hervorgehobene Position in Deutschland und auch im internationalen Maßstab ein. Mit dem Zusammen­schluss der radiologischen und der nuklearmedizinischen Einrichtung der Charité habe die Stadt die größte Einrichtung dieser Art in Europa. 2004 sei das Imaging Sciences Institut durch die Charité und die Siemens AG eröffnet worden. Berlin Buch beherberge das Experimental and Clinical Research Center mit einem der weltweit stärksten Magnetresonanztomografen. Bayer Schering Pharma forsche bereits seit 1930 an der Bildgebung. Das Land Berlin habe deshalb vor drei Jahren das Imaging Netzwerk Berlin gegründet, dem Wissenschaftseinrichtungen sowie kleine und große Unternehmen angehörten.

 

»Wir haben gemeinsam viel vor. Wir wollen endlich einmal in der Gesundheitsforschung einen Spitzencluster-Wettbewerb gewinnen«, kündigte Nehring-Venus an. Das Land Berlin werde die Gesundheitswirtschaft kräftig vorantreiben und dafür auch Fördermittel bereitstellen. /

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