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Wahlradar Gesundheit

Fraktionschefs melden sich zu Wort

12.09.2017  10:04 Uhr

Von Stephanie Schersch / Knapp zwei Wochen vor der Bundestagwahl nimmt der ABDA-Wahlradar Fahrt auf. In allen 299 Wahlkreisen befragen Apotheker Direktkandidaten der sechs größten Parteien zu gesundheitspolitischen Themen. Nun trudeln immer mehr Antworten ein, auch recht prominente Politiker melden sich dabei zu Wort.

Zu den bekannten Unterstützern zählen die Fraktionsvositzenden von Union und Linkspartei. Volker Kauder (CDU) stellt sich im Wahlradar entschieden hinter die Apotheker. »Ich möchte, dass die Präsenzapotheke eine Zukunft hat«, schreibt er. »Deshalb bin ich dafür, dass die Abgabe von rezeptpflichtigen Medikamenten über das Internet verboten wird.« Mit Blick auf die Vergütung kann Kauder sich vorstellen, die Gemeinwohlaufgaben der Apotheker aufzuwerten. »Darüber wird in der nächsten Wahlperiode zu sprechen sein.«

 

Impfen in der Apotheke

Auch Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch setzt auf eine Stärkung der Präsenzapotheke. Das Urteil des Europä­ischen Gerichtshofs aus dem vergangenen Herbst habe die Linke »mit Entsetzen zur Kenntnis genommen«, schreibt er. Versandapotheken aus dem EU-Ausland müssen sich seitdem nicht mehr an die deutsche Preisbindung für rezeptpflichtige Arzneimittel halten. Gerade Apotheken auf dem Land würden einen Preiskampf vermutlich nicht überleben, so Bartsch. »Hier sind für die Zukunft erhebliche Verschlechterungen in der flächendeckenden Versorgung zu befürchten.« Auch nach der Bundestagswahl werde sich die Linke daher konsequent für ein Rx-Versandverbot einsetzen.

 

Darüber hinaus kann sich die Partei vorstellen, die Apotheker künftig mit neuen Aufgaben zu betrauen. So könnten Apotheker etwa an bestimmte Vorsorgemaßnahmen erinnern und bei entsprechender Qualifikation sogar impfen, schreibt Bartsch. Auch in die Erstellung und Pflege von Medikationsplänen möchte er die Apotheker stärker einbinden. Auf der elektronischen Gesundheitskarte will die Linke den Plan allerdings nicht hinterlegen, hier seien »andere Speichermedien in Patientenhand zu erproben«.

 

Neben den Fraktionschefs mischen vor allem bekannte Gesichter aus der Union im Wahlradar Gesundheit mit. ­Rudolf Henke (CDU) aus Nordrhein-Westfalen macht sich für das Rx-Versandverbot stark. In einem auf dem Sachleistungsprinzip beruhenden solidarisch finanzierten Gesundheitssystem seien Boni schlichtweg unangemessen, schreibt er. Zudem müssten gleiche Rahmenbedingungen für alle Apotheken gelten, um die flächendeckende Versorgung mit Arzneimitteln aufrechtzuerhalten. Henke sitzt seit 2009 für die Union im Gesundheitsausschuss des Bundestags und ist zudem Vorsitzender beim Marburger Bund. Eine Weiterentwicklung des Apothekenhonorars kann er sich vorstellen, »um insbesondere wieder mehr Apotheken in die ländlichen Räume zu bekommen«.

 

Elektronisches Rezept

 

In Baden-Württemberg haben die Apotheker ihre Kandidaten unter anderem zur Digitalisierung befragt. CDU-Arzneimittelexperte Michael Hennrich zeigte sich mit Blick auf dieses Thema enttäuscht. Man habe bei der Digitalisierung stark auf die Selbstverwaltung gesetzt, die Erfahrungen damit seien »leider gemischt, auch was die Apotheker angeht«, so Hennrich. Die Vernetzung der verschiedenen Akteure müsse von diesen selbst stärker vorangetrieben werden. »Das E-Rezept wäre meines Erachtens ein erster Schritt dazu, den die Politik gerne vorgeschrieben hätte, die Verbände haben hier aber blockiert.«

 

Aus Apothekersicht war in Sachen Digitalisierung zuletzt vor allem der Medikationsplan eine herbe Enttäuschung, denn ausstellen und aktualisieren kann ihn bislang nur der Arzt. Zudem gibt es das Dokument lediglich in Papierform. Ändern soll sich das im kommenden Jahr, wie die parlamentarische Staatsekretärin im Bundesgesundheitsministerium Annette Widmann-Mauz (CDU) deutlich macht.

 

Ab 2018 soll der Plan auf der elektronischen Gesundheitskarte hinterlegt werden können, »sodass es allen Beteiligten, auch den Apothekern, möglich sein wird, die Daten schnellstmöglich und einfach zu aktualisieren«, schreibt sie. Das sei jedoch nur der Anfang. »Wenn in den Apotheken und in den Arztpraxen die technischen Infrastrukturen vorhanden sind, ist es konsequent, dann auch die elektronischen Rezepte einzuführen.« /

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