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Rheumatoide Arthritis

Bei Symptomen sofort zum Arzt

09.09.2015  09:25 Uhr

Von Christiane Berg, Bremen / Rheuma­patienten haben heute eine deutlich höhere Lebensqualität als noch vor zwei Jahrzehnten. Auf diese positive Entwicklung hat der Bremer Rheumatologe Professor Dr. Jens Gert Kuipers beim 43. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) in der Hansestadt hingewiesen. Aufgrund moderner Therapieoptionen müssten sich die Patienten nicht mehr mit starken Schmerzen und erheblichen Bewegungseinschränkungen abfinden, betonte der Tagungspräsident.

Von den Fortschritten der Therapie profitierten derzeit vor allem Patienten mit der häufigsten entzündlichen Gelenkerkrankung, der Rheumatoiden Arthritis (RA). An RA sind in Deutschland rund 800 000 Menschen erkrankt, dreimal mehr Frauen als Männer. Unbehandelt, sagte Kuipers, führe die systemische Autoimmunerkrankung zur Zerstörung der Gelenke, Immobilität und letztlich sogar vorzeitigem Tod. Inzwischen könne die Krankheitsaktivität deutlich gemindert werden.

Dies gelte auch für Kinder und Jugendliche mit Juveniler Idiopathischer Arthritis (JIA). »Kein rheumakrankes Kind muss derzeit noch fürchten, dauerhaft nicht am Sportunterricht teilnehmen zu dürfen oder gar auf einen Rollstuhl angewiesen zu sein«, so Kuipers. Schätzungen zufolge leben etwa 20 bis 30 von 100 000 Kindern und Jugendlichen unter 16 Jahren mit einer rheumatischen Erkrankung.

 

Der Mediziner verwies auf die Bedeutung neuer standardisierter Therapieleitlinien der European League Against Rheumatism (EULAR), des American College of Rheumatology (ACR) und der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) zur zielorientierten Anwendung der heute bei Rheumatoider Arthritis gängigen krankheits­modifizierenden DMARD (Disease Modifying Anti-Rheumatic Drug)-Therapie. Der sequenzielle Einsatz von Methotrexat in Kombination mit Corticoiden beziehungsweise neuen Biologicals eröffne die Möglichkeit der kompletten Unterdrückung des Krankheitsgeschehens. Ein Ziel der modernen RA-Therapie sei daher die stufenweise Medikamenten-Deeskalation und letztlich Therapiefreiheit nach Erreichen der Remission für einen längeren Zeitraum von sechs bis zwölf Monaten.

 

Oberstes Prinzip bleibe der frühe Therapiebeginn möglichst innerhalb von drei Monaten nach Beginn der Symptome. Dieses wichtige Zeitfenster werde jedoch nur in etwa 25 Prozent der Krankheitsfälle genutzt. »Hier besteht dringender Handlungsbedarf«, so Kuipers. Der Rheumatologe riet dringend dazu, nach Auftreten früher RA-Symptome wie schmerzenden, geschwollenen und steifen Hand-, Finger- und/oder Zehengelenken, bei grippeähnlichen Symptomen und zunehmender Morgensteifigkeit einen Facharzt aufzusuchen. /

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