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Hyposensibilisierung

Autoimmunreaktion abgewöhnen

10.09.2014  09:56 Uhr

Von Annette Mende / Britischen Forschern ist es gelungen, dem Immunsystem von Mäusen mit einer Autoimmunerkrankung die Aggression gegen körpereigenes Gewebe abzugewöhnen. Sie benutzten dazu ein Verfahren, das bereits seit Langem erfolgreich zur Behandlung von Allergie-Patienten angewendet wird: die Hyposensibilisierung oder auch Immuntherapie.

Bei der Hyposensibilisierung lernt das Immunsystem durch die wiederholte Gabe steigender Mengen eines Allergens, dieses nicht zu attackieren. Wie die Wissenschaftler um Bronwen R. Burton von der Universität Bristol im Fachjournal »Nature Communications« schreiben, funktioniert das Prinzip auch bei Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose (MS), bei denen sich die fehlgeleitete Immunantwort ja nicht gegen körperfremde Substanzen richtet, sondern gegen eigene Zellen (doi: 10.1038/ncomms5741).

 

Den Wissenschaftlern gelang es, pathogene CD4-Rezeptor-positive T-Zellen bei Mäusen mit einer MS-ähnlichen Autoimmun­er­kran­kung des Gehirns in anerge, also nicht mit einer Immunantwort reagierende, regu­la­to­ri­sche T-Zellen umzuwandeln. Die Zellen setzten nach der Behandlung zudem das antientzündliche Zytokin Interleukin-10 frei, wirkten also nicht mehr autoaggressiv und ent­zün­dungs­­fördernd, sondern entzündungs­hem­mend. Diese Veränderung erreichten die Forscher durch die subkutane Gabe steigender Mengen des Autoantigens. Als essenziell für den Therapieerfolg identi­fi­zier­ten sie die langsame Dosisstei­ge­rung.

 

Eine Analyse des T-Zell-Transkriptoms zu verschiedenen Zeitpunkten der Immuntherapie zeigte, welche Transkriptionsfaktoren hochreguliert und welche gehemmt wurden. Diese immunologischen Veränderungen waren bislang noch weitgehend unbekannt, obwohl das Verfahren bei Allergien je bereits breit angewendet wird, so die Forscher. Seniorautor Professor Dr. David Wraith kommentiert das Ergebnis in einer Pressemitteilung: »Das Verständnis der molekularen Vorgänge bei Antigen-spezifischer Immuntherapie eröffnet uns die Möglichkeit, die Selektivität der Therapie zu verbessern. Gleichzeitig gibt es uns Marker an die Hand, mit denen wir die Effektivität der Behandlung messen können. Insbesondere für Patienten, die an schwer behandelbaren Autoimmunerkrankungen leiden, sind diese Ergebnisse wichtig.« /

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