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Kinder mit Rheuma

Sport und Spiel erlaubt

13.09.2011  14:55 Uhr

Von Brigitte M. Gensthaler, München / Kinder und Jugendliche mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen können und dürfen Sport treiben. Die sportliche Belastung soll aber keine Schmerzen auslösen.

In Deutschland leiden rund 15 000 Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren an einer juvenilen idiopathischen Arthritis. Häufig sind sie in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt, da die entzündeten Gelenke schmerzen, nicht voll funktionsfähig sind, Fehlhaltungen bestehen oder die Muskeln verspannt oder verkürzt sind. Dennoch müssen die Kinder nicht auf Sport und Spiel verzichten. »Sport ist möglich und verschlechtert nicht den Krankheitsverlauf«, betonte Professor Dr. Uwe Lange, Bad Nauheim, beim Rheumatologenkongress in München. Grundvoraussetzung ist eine möglichst geringe Entzündungsaktivität, denn entzündete Gelenke können durch mechanische Be- oder Überlastung zusätzlich geschädigt werden.

»Der Gelenkschutz hat immer oberste Priorität«, sagte der Arzt. Ein guter Indikator der Belastungsgrenze ist der Schmerz; er sollte das Ausmaß des Trainings bestimmen. Moderates Training verbessert die körperliche Funktions­fähigkeit, lindert Schmerzen und stärkt das Herz-Kreislauf-System. Auch Übergewicht, das die Gelenke zusätzlich belastet, könne man langfristig abtrainieren, empfahl der Rheumatologe.

 

Sportarten, die für Rheumatiker infrage kommen, sollen die Gelenke schonen, keine erhöhte Verletzungsgefahr beinhalten und die Muskeln stärken. Das bedeutet, dass Joggen, Mannschaftssportarten sowie Lauf- und Springübungen eher ungünstig sind. Gelenkschonender sind Nordic Walking, Skilanglauf, Wandern, Tanzen oder Gymnastik.

 

Und Schulsport? Eine generelle Freistellung sei nur in akuten Krankheitsphasen angezeigt, betonte Lange. In subakuten und chronischen Phasen könne das Kind am Schulsport teilnehmen. Bei Ball- und Laufspielen sowie Geräteturnen ist jedoch Vorsicht geboten. Schwimmen eignet sich grundsätzlich. Für Rheumapatienten ist das Wasser jedoch oft zu kalt. Erst Temperaturen von 28 bis 30 Grad Celsius seien indifferent, sagte der Arzt. Die Eltern sollten mit dem Sportlehrer reden, ob er auf eine Benotung verzichten kann, um das Kind vom Leistungsdruck zu befreien. / 

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