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Interview

Nur ergänzendes Instrument

12.09.2006
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Interview

Nur ergänzendes Instrument

Von Thomas Bellartz

 

Über die Rolle der Apotheken bei den von der Politik geplanten Einzelvetrträgen sprach die PZ am Dienstag mit Rolf Stuppardt, Vorstandschef des IKK-Bundesverbandes.

 

PZ: Wie sehen Sie die Rolle des Apothekers im Zuge der von der Politik angedachten Vertragsverhandlungen?

Stuppardt: Die Rolle des Apothekers in einem stärker wettbewerblich ausgerichteten System sehe ich in erster Linie darin, dass der Apotheker die erweiterten Möglichkeiten zur Anwendung der Aut-idem-Auswahl nutzt: Der Apotheker sollte zukünftig bevorzugt die Arzneimittel abgeben, für die die Krankenkasse Rabattverträge mit Herstellern abgeschlossen hat.

 

PZ: Ist eine Vielzahl von Einzelverträgen zwischen den Beteiligten überhaupt sinnvoll?

Stuppardt: Einzelverträge sind aus meiner Sicht nur als ergänzendes Instrument zur Intensivierung des Preiswettbewerbes sinnvoll. Wir sind hier schon auf Basis der bereits bestehenden gesetzlichen Regelungen für unsere Innungskrankenkassen aktiv geworden und haben einen Rahmenvertrag mit einem preiswerten generischen Unternehmen zum 1. Juni 2006 geschlossen, stehen aber auch in Verhandlungen mit weiteren Anbietern.

 

Von einer allzu großen Vielzahl von Einzelverträgen halte ich in dem Segment nichts. Die Innungskrankenkassen lehnen die im derzeit vorliegenden Entwurf für ein GKV-Wettbewerbs-Stärkungsgesetz (WSG) vorgesehene Regelung ab, nach der Apotheken auch ohne unsere Zustimmung solche Verträge schließen können, wenn die Krankenkasse dies nicht getan hat, ab, weil dies nicht zu fairen Wettbewerbsbedingungen führt. Kassen und Apotheker sollten im Einvernehmen mit den Herstellern Verträge schließen. Dies auch deswegen, weil der Apotheker selbst zurzeit überhaupt keine wirtschaftliche Verantwortung für die Ausgabenentwicklung trägt, die letztlich von den Krankenkassen und auch der Ärzteschaft im Rahmen der Arzneimittelvereinbarungen liegt. Das Zusammenspiel der im WSG-Entwurf vorgesehenen Regelungen führt dazu, dass - entgegen der Intention des Gesetzgebers - Krankenkassen praktisch keine Steuerungskompetenzen in der Arzneimittelversorgung besitzen und kein wirklicher Wettbewerb um eine wirtschaftliche Arzneimittelversorgung der Versicherten entstehen wird.

 

PZ: Was ist aus Ihrer Sicht das Optimum?

Stuppardt: Wie viele Verträge hier im Einzelnen sinnvoll sind, ist aus meiner Sicht nicht die entscheidende Frage. Wesentlich ist, dass die Vorsorgungsqualität der Versicherten nicht infrage gestellt wird und dass die Einsparungen, die generiert werden können, den Aufwand lohnen.

 

PZ: Wie könnte eine Vergütung des Apothekers für den Fall aussehen, dass er beispielsweise eine Steuerungsfunktion übernimmt, die Sorge trägt, dass die Krankenkassen Einsparungen generieren?

Stuppardt: Es ist durchaus vorstellbar, dass wenn Innungskrankenkassen Apotheken beim Abschluss von Rabattverträgen oder in besonderen Versorgungsformen als Dienstleister in Anspruch nehmen möchten, dass dann eine solche besondere Dienstleistung auch gesondert zu entlohnen ist.

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