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Geschlechtskrankheiten

Antibiotika immer schlechter wirksam

07.09.2016
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Von Annette Mende / Chlamydiose, Gonorrhö und Syphilis sind allesamt bakterielle Infektionen und somit antibiotisch behandelbar. Aufgrund des falschen und zu häufigen Einsatzes der Anti­infektiva sind Resistenzen mittlerweile aber so verbreitet, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Alarm schlägt. Sie hat nun neue Therapie-Leitlinien herausgegeben.

Die WHO schätzt, dass sich pro Jahr weltweit 131 Millionen Menschen mit Chlamydien infizieren, 78 Millionen mit Gonorrhö und 5,6 Millionen mit Syphilis. In den vergangenen Jahren war insbesondere bei Neisseria gonorrhoeae, dem Erreger der Gonorrhö, eine rapide Resistenzentwicklung zu beobachten. Die WHO sah sich deshalb bemüßigt, ihre aus dem Jahr 2003 stammenden Leitlinien zum Management der drei sexuell übertragbaren Infektionen (STI) zu überarbeiten.

Gonorrhö oder auch Tripper kann sich bei Männern als Harnwegsentzündung und bei Frauen als schleimig- eitrige Entzündung des Gebärmutterhalses äußern. Häufig verläuft die Infektion aber asymptomatisch, vor allem wenn das Rektum oder der Rachen betroffen sind. Eine unerkannte und deshalb unbehandelte Gonorrhö kann zu Entzündungen der inneren weib­lichen Geschlechtsorgane, extra­uteriner Schwangerschaft und Unfruchtbarkeit führen. Bei Männern sind Entzündungen der Nebenhoden, Verengungen der Harnröhre und ebenfalls Unfruchtbarkeit mögliche Folgen. Kinder infizierter Frauen können mit einer Bindehautentzündung zur Welt kommen und unbehandelt erblinden.

 

Chinolone obsolet

 

Die WHO empfiehlt, die Wahl des Antibiotikums zur Behandlung der Gonorrhö von der lokalen Resistenzlage abhängig zu machen. Eindeutig nicht mehr empfohlen werden Chinolone wie Ciprofloxacin. Stattdessen soll eine Zweierkombination aus einem der Drittgenerations-Cephalosporine Cef­triaxon oder Cefixim und dem Makrolid Azithromycin gegeben werden. Die Wirkstoffe werden dazu als Einzeldosen verabreicht, Ceftriaxon 250 mg intramuskulär, Cefixim 400 mg oral und Azithromycin 1 g oral. Falls ein Antibiogramm zuvor die Empfindlichkeit des Erregers gezeigt hat, kommt unter Umständen auch eine Therapie mit nur einem Antibiotikum infrage.

 

Eine Infektion durch Chlamydia trachomatis kommt oft zusammen mit einer Gonorrhö vor. Die Chlamydiose betrifft vor allem junge, sexuell aktive Erwachsene. Bei Frauen führt sie zu einer Entzündung des Gebärmutterhalses, bei Männern zu einer Harnwegsentzündung. Auch Infektionen des Rektums und des Mund- und Rachenraums kommen vor. Die meisten Betroffenen bemerken nichts von der Infektion, die aber auch in diesen Fällen die inneren Geschlechtsorgane bis hin zur Unfruchtbarkeit schädigen kann. Bei unkomplizierter genitaler Chlamydiose empfiehlt die WHO Azithromycin als Einmaldosis von 1 g oder Doxycyclin 100 mg zweimal täglich über sieben Tage. Alternativ kommen Tetracyclin 500 mg viermal täglich, Erythromycin 500 mg zweimal täglich oder Ofloxacin 200 bis 400 mg zweimal täglich infrage, jeweils über sieben Tage.

 

Der Erreger der Syphilis heißt Treponema pallidum. Die Krankheit wird durch Kontakt mit einer infizierten Läsion an den Genitalien, am Anus, im Rektum, an den Lippen oder im Mund übertragen. Sie verläuft in Stadien, die teilweise asymptomatisch sind. Ein weiterer Übertragungsweg ist der transplazentare von der Mutter auf ein ungeborenes Kind. Er führt häufig zum Tod oder zu einer schweren Schädigung des Fetus. Die WHO schätzt, dass es im Jahr 2012 aufgrund von Syphilis zu 143 000 Totgeburten, 62 000 Neugeborenen-Todesfällen und 44 000 Fällen von Frühgeburt oder niedrigem Geburtsgewicht kam.

 

Engpass Lieferfähigkeit

 

Erste Wahl zur Behandlung der Syphilis ist laut WHO die einmalige intramuskuläre Injektion von 2,4 Millionen Einheiten Benzathin-Penicillin G. Bei Penicillin-Allergie kann je nach Krankheitsstadium auf verschiedene Regime ausgewichen werden. Bei der Früh­syphilis werden als Alternativen Doxycyclin 100 mg zweimal täglich für 14 Tage, Ceftriaxon 1 g intramuskulär einmal täglich für 10 bis 14 Tage oder Azithromycin als Einmalgabe von 2 g genannt. Ein anderer Grund als die Unverträglichkeit des Wirkstoffs erschwert laut WHO in den vergangenen Jahren zunehmend die Therapie mit Benzathin: Lieferschwierigkeiten. Aus verschiedenen Ländern mit hoher Syphilis-Prävalenz wurde bereits die Nicht-Verfügbarkeit gemeldet. /

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