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Unisex-Tarife

Männer müssen mehr zahlen

04.09.2012  18:21 Uhr

Apobank / Ab Dezember dürfen Versicherer nur noch sogenannte Unisex-Tarife anbieten. Männer und Frauen zahlen dann für die gleiche Leistung gleiche Beiträge. Vor allem für Männer werden damit viele Tarife teurer.

Aufgrund ihrer kürzeren Lebenserwartung haben Männer bei gleichem Leistungsanspruch bislang geringere Beiträge zu privaten Rentenversicherungen gezahlt als Frauen. Ähnlich verhält es sich bei Berufsunfähigkeits- und privaten Krankenversicherungen. Das wird sich ändern: Am 21. Dezember tritt die Unisex-Tarifierung in Kraft. Sie fußt auf der sogenannten Gleichbehandlungsrichtlinie der EU und sieht vor, dass Männer und Frauen bei allen neu abgeschlossenen Versicherungsprodukten gleich hohe Beiträge zahlen. Bei vielen Versicherungen geht das zulasten der männlichen Versicherten.

 

Steigende Beiträge

 

»Im Bereich der Vorsorge erwarten wir, dass neu abgeschlossene Verträge für Frauen etwas günstiger, für Männer aber deutlich teurer werden«, sagt Barbara Günniker, Versicherungsexpertin bei der Deutschen Apotheker- und Ärztebank. »Dass man sich bei den neuen Beiträgen nicht einfach in der Mitte trifft, liegt daran, dass die Versicherer den Geschlechtermix unter ihren Versicherten einkalkulieren müssen.«

Für Männer wird die Unisex-Tarifierung voraussichtlich folgen­de Mehrkosten mit sich bringen: Bei Rentenversicherungen steigen die Beiträge um etwa 5 bis 8 Prozent, für Berufsun­fähigkeitsversicherungen müssen Männer bis zu 8 Prozent mehr zahlen. Bei Krankenversicherungen könnten die Beiträge sogar um bis zu 20 Prozent steigen. Auch Frauen werden tiefer in die Tasche greifen müssen – und zwar bei Risiko­lebensversicherungen. Hier gehen die Experten davon aus, dass sich die Tarife um bis zu 50 Prozent verteuern werden.

 

Vor diesem Hintergrund könne es lohnend sein, den Vertrag für eine neue Versicherung noch vor dem Stichtag unter Dach und Fach zu bringen, so Günniker. Dies sei auch dann der Fall, wenn man den Abschluss einer Versicherung aufgrund der aktuellen finanziellen Situation eigentlich erst in einigen Jahren geplant habe. Mit sogenannten Einsteigertarifen lässt sich beispielsweise die finanzielle Belastung am Anfang der Vertragslaufzeit gering halten. Im Laufe der Zeit wird der Beitrag dann angehoben. So kann man sich die derzeit noch günstigen Konditionen mit kleinen Einstiegsbeiträgen für die gesamte Laufzeit sichern.

 

Wer also darüber nachdenkt, sich privat abzusichern, sollte sich jetzt informieren, ob und in welchen Bereichen er durch die neue Unisex-Regelung zuzahlen muss – oder ob er vielleicht sogar von ihr profitiert. /

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