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Hepatitis B

Gefährlich, aber vermeidbar

02.09.2008
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Hepatitis B

Gefährlich, aber vermeidbar

Von Nicole Schuster

 

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schlägt Alarm. Nach aktuellen Meldungen haben etwa zwei Milliarden Menschen weltweit eine Hepatitis-B-Infektion durchgemacht. Die gute Nachricht: Es gibt eine sichere und effektive Impfung.

 

Laut einem aktualisierten »Fact Sheet« der WHO leiden derzeit 350 Millionen Menschen an einer chronischen Hepatitis-B-Infektion. Epidemisch ist Hepatitis B in den Entwicklungsländern, vor allem in Afrika und Ostasien. Hohe Infektionsraten weisen der WHO zufolge auch das Amazonasgebiet sowie Süd- und Mitteleuropa auf. In Nord-West-Europa und Nordamerika sind weniger als 1 Prozent der Bevölkerung chronisch infiziert. In Deutschland sind laut Daten des Robert-Koch-Instituts (RKI) etwa 7 Prozent der Gesamtbevölkerung anti-HBc-positiv, was zeigt, dass sie eine Infektion durchgemacht haben. 300.000 bis 650.000 Deutsche gelten als chronische Virusträger.

 

Hepatitis B ist eine viral ausgelöste Leberentzündung, die lebensbedrohlich verlaufen kann. Erreger ist das Hepatitis-B-Virus (HBV). Hepatitis B ist unter den klassischen Virushepatitiden am weitesten verbreitet und kann ein akutes oder chronisches Leberleiden auslösen. Die akute Form geht bei etwa einem Drittel der Erkrankten mit Symptomen einer ikterischen Hepatitis einher. Typisch sind gelb gefärbte Haut und Augen, dunkler Urin, extreme Schwäche, Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen. Die Beschwerden können wochenlang anhalten, oft brauchen Erkrankte einige Monate, bis sie sich von der Infektion erholt haben. In etwa einem Drittel der Fälle treten gar keine Symptome auf.

 

Ist das Virusantigen HBs-Ag sechs Monate nach der Infektion noch nachweisbar, spricht man von einer chronischen Verlaufsform. Hieraus kann sich ein Leberkarzinom oder eine Leberzirrhose entwickeln. Jährlich sterben bis zu eine Million Menschen an HBV-induzierten Folgeerkrankungen.

 

Je früher Personen infiziert werden, desto größer ist die Gefahr, dass die Krankheit chronisch verläuft. Kleine Kinder sind daher besonders gefährdet. Nach Angaben der WHO sterben rund 25 Prozent der Erwachsenen, die in ihrer Kindheit chronisch infiziert worden, später an Leberkrebs oder Leberzirrhose. 90 Person der gesunden Erwachsenen können sich indes wieder vollständig von der Erkrankung erholen, da die Leberentzündung bei ihnen akut verläuft.

 

HBV ist hochinfektiös. Übertragen wird das Virus über Blut und andere Körperflüssigkeiten. Bereits kleinste Mengen davon reichen zur Infizierung, wenn sie über geringfügige Hautverletzungen in den Körper gelangen. Bemerkenswert ist, dass das Hepatitis-B-Virus damit 50- bis 100-mal infektiöser ist als das HI-Virus. Im Gegensatz zu HIV kann HBV bis zu sieben Tage lang außerhalb des menschlichen Körpers überleben und dabei infektiös bleiben. Prinzipiell gilt jeder Mensch als infektiös, bei dem sich das Virus-Antigen HBs-Ag nachweisen lässt.

 

Typisch ist eine Ansteckung beim Geschlechtsverkehr, bei Bluttransfusionen und bei i.v.-Drogenkonsumenten über kontaminierte Nadeln. Möglich ist auch eine Übertragung beim Tätowieren, Ohrlochstechen oder Piercen. Babys können schon vor oder bei der Geburt von einer HBV-positiven Mutter infiziert werden. In Deutschland steht die sexuelle Übertragung mit einem Anteil von 60 bis 70 Prozent der Neuinfektionen an erster Stelle. Die meisten Fälle einer akuten Hepatitis B werden entsprechend in der Gruppe der jungen Erwachsenen beobachtet. Hepatitis B ist eine der wichtigsten berufsbedingten Infektionskrankheiten im Gesundheitswesen.

 

Eine spezifische Therapie gibt es nicht. Bei der akuten Form ist Bettruhe und eine kohlenhydratreiche, fettarme Kost empfehlenswert, außerdem sollte bei Erbrechen oder Diarrhö auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden. In seltenen Fällen, wenn der Quickwert unter 35 Prozent sinkt, kann eine antivirale Therapie mit Lamivudin angezeigt sein. Bei der chronischen Hepatitis B hat neben antiviralen Mitteln wie Lamivudin oder Adefovir Interferon-α (IFN-α) einen günstigen Effekt.

 

Sichere Prophylaxe

 

Eine Schutzimpfung ist seit 1982 vorhanden. Sie ist besonders wichtig bei kleinen Kindern, bei denen Hepatitiden nur selten wieder vollständig ausheilen. Die Immunisierung schützt in 95 Prozent der Fälle vor einer Infektion. Die Ständige Impfkommission (STIKO) in Berlin hat die Impfung in den Katalog der Impfempfehlungen aufgenommen. Empfohlen ist die Grundimmunisierung für Säuglinge und Kleinkinder oder das Nachholen der Grundimmunisierung noch vor der Pubertät bei bis dahin ungeimpften Kindern. Die Grundimmunisierung sollte bis zum 18. Lebensjahr erfolgt sein. Ob sie einen lebenslangen Schutz bietet, ist bislang noch unklar. Personengruppen mit erhöhtem Infektionsrisiko sollten daher Auffrischungsimpfungen vornehmen lassen.

 

Quellen:

Hepatitis-B-Factsheet (N°204) der WHO unter www.who.int

Hepatitis B, RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten unter www.rki.de

 

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